Skispringen Von der Großschanze will Martin Schmitt am Samstag eine Medaille. Dafür braucht er einen besonderen Moment.

Nach einem starken Trainingssprung eine verpatzte Qualifikation: Trotzdem will es Martin Schmitt am Samstag wissen.
Nach einem starken Trainingssprung eine verpatzte Qualifikation: Trotzdem will es Martin Schmitt am Samstag wissen.

Nach einem starken Trainingssprung eine verpatzte Qualifikation: Trotzdem will es Martin Schmitt am Samstag wissen.

dpa

Nach einem starken Trainingssprung eine verpatzte Qualifikation: Trotzdem will es Martin Schmitt am Samstag wissen.

Düsseldorf/Vancouver. Das Gewicht von Olympia ist nicht das Gewicht für Olympia. Das gilt für Skispringer. Das eine ist bedeutungsvoll schwer, das andere im Idealfall leicht wie eine Feder. Martin Schmitt hat auf sein Gewicht für Olympia geachtet. Das gilt immer und am Samstag ganz besonders, wenn Schmitt die wahrscheinlich letzte Medaillen-Chance seiner Karriere im olympischen Springen von der Großschanze ergreift. Gestern, in der Qualifikation, wurde er nur 25. mit 128 Metern (Andreas Wank Dritter mit 137,5 Metern). Das war die zweite, die wenig konstante Seite des Martin Schmitt. Am Samstag will er die andere zeigen. Im Training ist er Bestweite gesprungen. 145 Meter. Er kann es, er hat so viel investiert.

Wer wenig wiegt, fliegt weit. Wer nichts isst, hat keine Energie

Er, der letzte wirkliche Star der deutschen Skiflieger, hat vor einigen Wochen nach einer von ihm angestoßene Debatte um dramatische Hungerkuren der Skispringer einen Punkt gemacht. Pause, vier Wochen raus aus dem Weltcup, vier Wochen an was anderes denken - und vier Wochen Gewicht aufbauen, weil der Magerwahn in seinem Sport seine letzten Energie-Reserven aufgebraucht hatte. Regel: Wer wenig wiegt, fliegt weit. Wer aber zu wenig isst, hat keine Energie, weit zu fliegen. Das ist das Dilemma aller Skispringer. Und das von Schmitt ganz besonders.

Jetzt ist er wieder da. Vielleicht rechtzeitig. Er ist Zehnter von der nagelneuen Normalschanze im Callaghan Valley geworden, als der Schweizer Simon Ammann - der gestern auch mit 140 Metern die Qualifikation "gesprengt" hat - die Konkurrenz vorführte. Das ist erst einmal in Ordnung. Aber am Samstag will er noch mehr.

Schmitt sieht frisch aus, er ist jetzt 32 Jahre alt, er ist locker. Zum ersten Mal - bei seinen vierten Spielen - lebt er im Athletendorf. Jugendherberge-Charme statt Sterne-Hotel. Vielleicht sind es seine letzten Spiele. Er wird es wissen, gesagt hat er es nicht. Schmitt ist bereit für eine Medaille, er muss nur daran glauben. Skispringen hat wie kaum eine andere Sportart mit Selbstbewusstsein zu tun. "Ich bin nicht in der Position, dass ich zum Kreis der Medaillenanwärter gehöre", sagt er. Aber: "Ich schaue nur auf meine Sprünge und darauf, was ich besser machen kann, um die Lücke zur Spitze zu schließen." Am Samstag will er sie geschlossen wissen. Auch, weil die Spiele in Turin 2006 ein Debakel für ihn waren, zwischen Anspruch und Ergebnis Welten lagen. Nicht noch einmal, nicht in Vancouver. Nicht bei seiner letzten Chance.

"Martin ist ein Mann für große Ereignisse, der hat den Sieg in seinem Selbstbild", hat Werner Schuster gesagt, sein österreichischer Trainer. Da ist viel Suggestion im Spiel, weil für den großen, bleibenden Sprung nach dieser durchwachsenen Saison wirklich alles passen müsste. Aber Schmitt glaubt wieder daran. Vor vier Wochen war er davon weit entfernt. Jetzt hat Olympia wieder Gewicht.

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