Martin Kaymer aus Mettmann gewinnt sensationell ein Major-Turnier und möchte ein Familienmensch bleiben.

Whistling Straits. In Deutschland war es Montagmorgen um 2.15 Uhr, als Golfprofi Martin Kaymer Geschichte schrieb. 17 Jahre, vier Monate und einen Tag nach Bernhard Langers zweitem Sieg beim Masters in Augusta gewann der 25-jährige Mettmanner eines der vier wichtigsten Turniere im Golf, die PGA Championship in Whistling Straits in den USA - und kassiert dafür 1 028 817 Euro.

Vater Horst Kaymer verbrachte die Nacht vor dem Fernseher in Mettmann. "Es war eine schlaflose Nacht", sagte er am Montag völlig aufgelöst ob des Triumphes seines Sohnes.

Am Ende hatte sich Kaymer im Stechen über drei Löcher gegen den Amerikaner Bubba Watson durchgesetzt. Nachdem Watson das erste und Kaymer das zweite Loch gewonnen hatte, kam es am letzten Loch zum Showdown. Beiden Spielern missglückte der Abschlag.

Watson verzog auch den zweiten Schlag, der in einem Bach landete - und kassierte einen Strafschlag. Kaymer spielte einen Sicherheitsschlag, um dann mit dem dritten Versuch sicher das Grün zu erreichen. Damit setzte er Watson unter Druck, denn dessen Ball landete im Bunker.

Von dort spielte Watson einen fantastischen Schlag und traf dabei die Stange, die im Loch steckt. Der Ball sprang etwa einen halben Meter neben das Loch. Kaymer benötigte zwar noch zwei Putts, aber es reichte zum Sieg beim letzten Majorturnier des Jahres.

Geboren: 28. Dezember 1984 in Düsseldorf

Wohnort: Mettmann und Scottsdale (Arizona)

Grösse: 1,84 Meter

Freundin: Alison Micheletti, Marketing-Expertin

Hobbies: Fußball, Basketball und Kartfahren

Profi: seit 2006

Trainer: Günther Kessler

Erfolge Sieg: PGA-Championship, 6 Siege auf der European Tour mit einem Preisgeld von 7 667 831 Euro, Rookie des Jahres 2007

Grösstes Preisgeld: 1 028 877 US-Dollar (US-PGA- Championship)

Weltrangliste: Kaymer liegt nach seinem gestrigen Erfolg zum ersten Mal unter den besten fünf der Welt

Der Deutsche Golf Verband wurde 1907 gegründet und lebte seitdem vom Image einer exklusiven Amateursportart - bis Langer die Szene mit seinen zwei Masters-Siegen 1985 und 1993 revolutionierte. Inzwischen ist die Mitgliederzahl auf knapp 600000 Aktive in 782 Klubs oder Anlagen gestiegen. Allerdings spielen mit Martin Kaymer, Alexander Cejka und Marcel Siem sowie Stephan Gross Jr. nur vier Profis in den ersten Turnierserien weltweit. Langer spielt auf der US Championstour der Senioren.

Bislang galt Bernhard Langer in Deutschland als Mr. Golf. Das gilt seit dem ersten Auftritt des 53-jährigen Altstars 1974 in der Weltklasse. Martin Kaymer kann nun nach seinem ersten Major-Sieg das Erbe antreten.

Bei der Siegerehrung konnte er sein Glück kaum fassen: "Ich bin doch erst vier Jahre auf der Tour", sagte er immer wieder und: "Ich werde wohl einige Zeit brauchen, bis ich das realisiert habe." Kaymer verbessert sich in der Weltrangliste auf Platz fünf und übernimmt in der Geldrangliste der European Tour, dem "Race to Dubai", die Führung.

Außerdem wird er im Oktober in Newport/Wales für Europa beim Ryder-Cup antreten. Überglücklich fiel Kaymer nach seinem letzten Putt zunächst seiner amerikanischen Freundin Alison und dann seinem Manager Johan Elliot in die Arme.

Der Modellathlet bringt alles mit für eine großartige Karriere

Kaymer ist ein Golf-Genie, dessen Leben nun vor einer dramatischen Wende steht. Der aber nicht abheben dürfte, weil er sich total im Griff hat. "Eigentlich hoffe ich, dass sich mein Leben kein bisschen verändert. Denn ich mag mein Leben sehr", sagte der Mettmanner.

"Ich habe eine tolle Familie, das ist das Wichtigste für mich, wichtiger als Golfturniere." Typisch Kaymer: Der Modellathlet erfüllt alle positiven Charakter-Eigenschaften, die von einem Profi seines Formats gefordert werden.

Keine schrillen Storys, keine lauten Töne. "Everybody’s Darling" steht eine große Karriere bevor. Aus dem Schatten von Bernhard Langer ist er nun bereits herausgetreten.

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