Interview: Stuttgarts Trainer Babbel über schlechte Noten, Trainertypen und Stressabbau.

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Markus Babbel hat seinen Vorgänger Armin Veh auf der Stuttgarter Trainerbank abgelöst.

Markus Babbel hat seinen Vorgänger Armin Veh auf der Stuttgarter Trainerbank abgelöst.

dpa

Markus Babbel hat seinen Vorgänger Armin Veh auf der Stuttgarter Trainerbank abgelöst.

Stuttgart. Der VfB Stuttgart spielt am Mittwoch beim FC Schalke 04 um die Chance, im Titelrennen zu bleiben. Im Interview spricht Trainer Markus Babbel über seine Art, eine Mannschaft zu führen.

Herr Babbel, müssen Sie den Lehrgang zum Fußballlehrer auch dann machen, wenn Sie mit dem VfB Meister werden?

Markus Babbel: Das müssten wir nachverhandeln. Nein. Ich stelle mich jetzt ganz normal auf meine zehn Monate Lehrgang ein und bin selbst gespannt, wie das laufen wird.

Waren Sie ein guter Schüler?

Babbel: Ich war eine Niete in der Schule. Lernen war immer ein Graus für mich. Aber es hilft nichts, ich muss da jetzt durch.

Seit dem 23. November 2008 Teamchef des VfB Stuttgart. Der aus der Bayern- Jugend stammende Abwehrspieler wurde von den Münchnern an den Hamburger SV ausgeliehen (1992-1994). Nach seiner Rückkehr zu den Bayern wurde er viermal Meister. 2000 wechselte er zum FC Liverpool. Seine Karriere wurde von einer langwierigen Nervenkrankheit unterbrochen. 2004 wechselte der 51-fache Nationalspieler zum VfB Stuttgart.

Könnten Sie es sich vorstellen, bei Ihrem Heimatverein FC Bayern Trainer zu sein?

Babbel: Jetzt verlängere ich meinen Vertrag beim VfB. Ich kann mir vorstellen, das länger zu machen. Mein Traum ist, einmal den FC Liverpool zu trainieren.

Seit November sind Sie Teamchef beim VfB. Wie intensiv waren für Sie die vergangenen fünf Monate?

Babbel: Es ist für mich ein Schritt zurück in die Normalität. Fußball war mein Leben, und für mich stand fest: Wenn ich einmal aufhöre zu spielen, will ich Trainer werden. Als Trainer stehen Sie oft mehr oder weniger machtlos an der Seitenlinie. Von der Anspannung her ist es als Trainer sicher einen Tick schlimmer. Ich bin genauso nervös wie als Spieler. Doch während ein Spieler die Nervosität abbaut, bleibt sie einem Trainer bis zum Schlusspfiff treu.

Wie bauen Sie Stress ab?

Babbel: Ich versuche Sport zu treiben und zweimal pro Woche zu laufen. Ich bin ganz dankbar, wenn ich abends nach Hause komme und nicht mehr ganz so viel diskutieren und mit meiner Frau reden muss. Gut, sie sieht das ein bisschen anders (lacht). Aber sie lässt mir dann meine Ruhe.

Trainer werden gerne kategorisiert. Da gibt es den Typ Magath oder den Typ Klinsmann. Als welchen würden Sie sich bezeichnen?

Babbel: Die Mischung macht es. Ich verurteile nicht die alten Methoden, aber ich laufe auch nicht jedem neuen Trend hinterher. Ich bin sehr umgänglich. Aber wenn ich merke, es mangelt an Respekt, kann ich auch anders.

Das heißt, ein Spieler, der Sie öffentlich kritisiert, bekommt Ärger.

Babbel: Ja, so etwas macht man einfach nicht. Als Jens Lehmann sich in diese Richtung geäußert hat, war bei mir der Ofen aus, und er musste eine entsprechende Strafe zahlen. Genauso war es bei Danijel Ljuboja, der in die zweite Mannschaft musste, weil er mich hintergangen hat. Er sagte, er sei krank, und war um 24 Uhr im Kino

Sie wirken in der Öffentlichkeit sehr bescheiden. Hängt dies mit Ihrer zeitweiligen Lähmung zusammen?

Babbel: Während meiner Krankheit habe ich gesehen, wie schnell etwas dahin sein kann. Man würde sein letztes Hemd geben, um wieder gesund zu werden. Andererseits ist es auch eine Frage der Erziehung, wie man sich gibt. Ich bin in sehr bescheidenen Verhältnissen aufgewachsen. Meine Eltern haben mich gelehrt, Danke zu sagen, Grüß Gott und Auf Wiedersehen. Wenn man das beachtet, kommt man im Leben relativ weit.

Eine Frage hätten wir noch: Wer wird denn jetzt Meister?

Babbel: Ich sage: Wolfsburg oder Bayern oder Berlin, Stuttgart, Hamburg oder Dortmund. Einer von denen wird es.

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