Marion Bartoli fordert die Deutsche im Finale. Ihre Stärke ist der unorthodoxe Spielstil.

Ein gestenreiches Kraftbündel: Marion Bartoli blickt zwischen den Ballwechseln gerne mal zu ihren Gegenspielerinnen über das Netz ... Fotos (3): dpa
Ein gestenreiches Kraftbündel: Marion Bartoli blickt zwischen den Ballwechseln gerne mal zu ihren Gegenspielerinnen über das Netz ... Fotos (3): dpa

Ein gestenreiches Kraftbündel: Marion Bartoli blickt zwischen den Ballwechseln gerne mal zu ihren Gegenspielerinnen über das Netz ... Fotos (3): dpa

..., spielt die Vorhand beidhändig ...

...und ballt bei jeder Gelegenheit die Faust (r.). Fotos (3): dpa

Ein Sieg fehlt zum Triumph: Sabine Lisicki.

dpa, Bild 1 von 4

Ein gestenreiches Kraftbündel: Marion Bartoli blickt zwischen den Ballwechseln gerne mal zu ihren Gegenspielerinnen über das Netz ... Fotos (3): dpa

Düsseldorf. Sabine Lisicki greift auf dem Rasen von Wimbledon nach den Sternen. Ganz Deutschland drückt der jungen Troisdorferin (23) die Daumen für das Finale gegen die Französin Marion Bartoli. Und fast alle Deutschen werden Lisicki nicht zusehen können. Das Finale wird lediglich beim Bezahlsender Sky übertragen. Die ARD hatte sich noch kurzfristig um die Übertragungsrechte bemüht – vergeblich.

Das Halbfinale gegen Radwanska sahen 230 000 im TV

Sky hat das Angebot des öffentlich-rechtlichen Senders abgelehnt. Lisicki spielt damit Samstag unter Ausschluss der breiten Mehrheit in Deutschland. Das Halbfinale gegen Radwanska hatten nur 230 000 Menschen an den Bildschirmen mitverfolgt. Lisicki findet das schade.

Sie geht nach ihren beeindruckenden Siegen jedoch ungeachtet dessen als Favoritin ins Endspiel. Doch ihre Gegnerin könnte unangenehmer kaum sein. „Man darf sie nicht unterschätzen“, warnt Bundestrainerin Barbara Rittner, wohl wissend um die Stärken von Außenseiterin Bartoli.

Lisicki selbst weiß um die Eigenheiten ihrer Gegnerin: „Sie ist eine spezielle Person, hat ihre eigenen Routinen. Aber mein Spiel bleibt gleich“, sagte die Deutsche, die sich per Videostudium auf Bartoli vorbereitet hat. Denn die Französin spielt ganz anders als andere. Etwas ungewöhnlich. Einfach unorthodox.

Wer die Nummer 15 auf dem Platz beobachtet, mag sich verwundert die Augen reiben. Bartoli, ein gedrungenes Kraftpaket, spielt nicht nur eine beidhändige Rückhand, sondern auch eine beidhändige Vorhand. Zwischen den Ballwechseln hüpft sie an der Grundlinie herum, vollzieht Trockenübungen, schlägt absichtlich Luftloch um Luftloch. Nicht wenige Gegnerinnen macht sie damit verrückt. Ihr selbst helfen die Rituale aber.

Ihr Spitzname lautet „Einstein-Hirn“, einen IQ-Test schloss sie mit 175 ab

Nach dem längsten Halbfinale der Turniergeschichte ist der Weltranglisten-Erste Novak Djokovic zum zweiten Mal in das Endspiel von Wimbledon eingezogen. Der 26 Jahre alte Tennisprofi gewann Freitag in einem hochklassigen Halbfinale gegen den Argentinier Juan Martin del Potro in fünf Sätzen über 4:43 Stunden mit 7:5, 4:6, 7:6 (7:2), 6:7 (6:8), 6:3. „Es war eines der besten Matches, an dem ich je teilnehmen durfte“, sagte Djokovic.

Anna-Lena Grönefeld hat mit Kveta Peschke den Einzug in das Endspiel im Doppel verpasst. Das an Nummer sieben gesetzte deutsch-tschechische Duo verlor gegen die an zwölf gesetzte australische Kombination Ashleigh Barty/Casey Dellacqua 6:7 (6:8), 2:6.

Ins Finale zog Bartoli ohne Satzverlust ein. Und nicht nur während ihrer Spiele macht die Nummer 15 der Welt die Dinge etwas anders. Im Training ließ sie sich von einem knienden Helfer die Bälle auf ihre Vorhand werfen, um sie anschließend im Stil eines Baseballspielers über das Netz zu donnern. Das ist ebenso eigenartig wie einzigartig.

Auch die Aufschlagbewegung der Französin ist unkonventionell, wirkt fast komödiantisch. Im Internet kursieren Videos, in denen sich Tennisfans über Bartolis Bewegungsablauf lustig machen. „Serviert jemand, der einen IQ von 175 hat, solche Aufschläge?“, heißt es dort. Bartoli hatte in der Schulzeit einen Intelligenztest mit diesem hohen Ergebnis abgeschlossen. Seitdem gilt sie als das „Mädchen mit Einstein-Hirn“. „Ich war dumm, das überhaupt zu sagen“, findet Bartoli. „Die Leute machen sich nur darüber lustig.“

Vielleicht verstummen diese Zyniker, sollte Bartoli Samstag ihren ersten Grand-Slam-Titel gewinnen. Auf dem „heiligen“ Rasen in Wimbledon. Vor sechs Jahren stand Bartoli bereits im Finale des wichtigsten Turniers der Welt, unterlag Venus Williams 4:6, 1:6. Am Samstag nimmt sie den zweiten Anlauf – diesmal gegen Sabine Lisicki. „Sabine muss da eisern die Ruhe bewahren und Bartoli ins Laufen bringen“, gibt sich die deutsche Bundestrainerin Barbara Rittner siegesgewiss. „Spielerisch hat Lisicki klare Vorteile.“

» Wimbledon Finale: Lisicki – Bartoli Samstag, 15 Uhr/Sky

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