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Kurt Looby freut sich über seine Reise um die Welt. Foto: Michele Danze

Kurt Looby freut sich über seine Reise um die Welt. Foto: Michele Danze

dpa

Kurt Looby freut sich über seine Reise um die Welt. Foto: Michele Danze

Ludwigsburg (dpa) - Kurt Loobys Karriere als Basketball-Profi war nicht absehbar. Trotz 2,08 Meter Körpergröße. In seiner Heimat auf der Karibik-Insel Antigua stand er lieber im Fußballtor als unter dem Korb.

«Mein Vater war ein sehr guter Torwart. Außerdem spielten alle in meiner Umgebung und an meiner Schule Fußball. Ich bin damit aufgewachsen», sagt Looby. Erst über Umwege und einen überzeugenden Trainer kam er zum Basketball, spielte erst in den USA, später in Griechenland. Im Sommer kam der Center zum Bundesligisten EnBW Ludwigsburg.

Auf Antigua machte der damals 19-Jährige auf der Straße allein durch seine Größe einen amerikanischen Coach auf sich aufmerksam, der Nachwuchsspieler für ein Basketball-Camp suchte. Und der Mann ließ nicht locker. «Er fand sogar heraus, wo ich wohnte und kam zu meinem Haus», erzählt Looby. «Das war verrückt, weil es ein Camp mit 100 Kids zwischen 16 und 20 Jahren war, die alle Basketball spielten. Ich war der einzige, der vorher nicht gespielt hatte.» Doch Looby überzeugte. Was folgte, waren ein Flugticket und ein Basketball-Stipendium am Tyler Junior College in Texas/USA.

Dass der Weg nach oben nicht einfach ist, lernte der Mann aus der Karibik schnell. «Ich habe meine Heimat vermisst. Ich habe trainiert, aber jeder war besser als ich. Ich bin nie schikaniert worden. Jetzt war es so, als ob ich schikaniert werde - auf dem Basketballfeld», erzählt er.

Doch Looby rappelte sich auf und wurde besser. 2005 spielte er erst im Team der Universität Iowa, wo er auch studierte, und kam dann in die NBA Development League. «Wer hätte gedacht, dass Basketball mir eine Ausbildung geben und mich die Welt bereisen lassen würde. Es ist, als ob ich träume und ich nehme alles mit.»

Seit nunmehr sechs Jahren hat Looby seine Heimat nicht gesehen. Waren Sonne und Strand für ihn früher normal, muss er sich hier an das neue Klima gewöhnen. «Ich habe ungefähr 20 Minuten vom Strand entfernt gelebt. Aber ich habe das als selbstverständlich hingenommen. Ich vermisse es wirklich sehr», räumt Looby ein. Statt in Strandnähe, lebt er jetzt mit seiner Freundin und seiner kleinen Tochter in Ludwigsburg fünf Minuten von der Trainingshalle entfernt.

Im vergangenen Jahr ging Looby zum griechischen Erstligisten Peristeri Athen. In Ludwigsburg bestreitet er sein viertes Profijahr. Trainer Markus Jochum, der seinen Posten in Ludwigsburg mittlerweile räumen musste, war mit der Entwicklung seines neuen Centers zufrieden: «Er bringt zusätzliche Qualität in die Mannschaft.»

Looby wurde wegen seiner Stärken in der Defensive verpflichtet, an seinem Angriffsspiel werde gearbeitet. «Er ist ein Spieler, der eine ungeheuer gute Einstellung hat zum Training.» Auch in den letzten Jahren habe Looby sich stets weiterentwickelt. Und: «Er bringt ein großes Talent mit, was Sprungfreudigkeit, Schnelligkeit und Athletik angeht», sagte Ex-Coach Jochum

Im Vergleich zu den USA sei Basketball in Deutschland organisierter, meint der 27-Jährige. Gut findet er, dass es hier mehr um das Team gehe. «Was kannst du tun, um deinem Team zum Sieg zu verhelfen? Viele Typen in den USA spielen nur für sich», hat er beobachtet. «Das erste, was sie denken, ist: Ich will Punkte machen.»

Looby selbst will in Zukunft weiter seinen eigenen Weg gehen. «Ich will das Beste aus Kurt herausholen. Viele Leute sagen, ich möchte der nächste Michael Jordan werden, aber meine Geschichte ist anders», stellt er klar. «Basketball hat mir eine zweite Chance im Leben gegeben. So wie der Sport gut zu mir gewesen ist, will ich auch gut zu ihm sein.»

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