Carolin Nytra (l) ließ US-Star Lolo Jones im Finale über 60 Meter Hürden in Stuttgart keine Chance.
Carolin Nytra (l) ließ US-Star Lolo Jones im Finale über 60 Meter Hürden in Stuttgart keine Chance.

Carolin Nytra (l) ließ US-Star Lolo Jones im Finale über 60 Meter Hürden in Stuttgart keine Chance.

dpa

Carolin Nytra (l) ließ US-Star Lolo Jones im Finale über 60 Meter Hürden in Stuttgart keine Chance.

Stuttgart (dpa) - Carolin Nytra hat eine Vorliebe für Symbole. Bei der Leichtathletik-EM lackierte sie sich die Fingernägel in den Farben Schwarz, Rot und Gold. Und bis heute trägt die beste deutsche Hürdensprinterin bei jedem Rennen eine Kette mit den olympischen Ringen um den Hals.

«Das Olympia-Finale ist mein großes Ziel», sagt die 25-Jährige, die anderthalb Jahre vor den Spielen in London endgültig in der Weltspitze angekommen ist. Mit ihrem Sieg beim Hallenmeeting in Stuttgart hat Nytra ihr überragendes Jahr 2010 bestätigt. Da lief sie eine fantastische persönliche Bestzeit und gewann bei den Europameisterschaften die Bronzemedaille.

«Stuttgart war ein super Einstieg», meint Nytra. Der Hallen-Weltmeisterin Lolo Jones aus den USA lief sie bei ihrem ersten Wettkampf im neuen Jahr einfach davon. Dieser Sieg und seine besonderen Begleitumstände sagen aber auch viel über Nytras Ehrgeiz und ihre Zielstrebigkeit aus. «Sie strebt nach Perfektion», erklärt ihr Bundes- und neuerdings auch Heimtrainer Rüdiger Harksen.

Drei Wochen lang konnte Nytra wegen einer Sehnenreizung nur eingeschränkt trainieren. In Stuttgart gewann sie trotzdem. Vor allem aber hat die vierfache deutsche Freiluft-Meisterin für ihren Traum vom olympischen Endlauf ihr halbes Leben umgekrempelt. Sie verließ ihr vertrautes Umfeld in Bremen, zog mit ihrem Freund, dem Weitspringer Sebastian Bayer, nach Mannheim, um dort mit Harksen viel intensiver und nach neuen Schwerpunkten trainieren zu können.

«Nach meiner Medaille bei der EM habe ich gemerkt, dass ich mich noch weiter professionalisieren möchte, um mein großes Ziel zu erreichen», sagt Nytra. Harksen sei «der Top-Mann für die Hürden in Deutschland», ihr Wechsel ein nächster, wichtiger Schritt - auch wenn er in jeder Hinsicht einen tiefen Einschnitt für sie bedeutete. «Ich war oft den Tränen nahe, so intensiv war das Training», erzählt sie.

Rüdiger Harksen führt seit 30 Jahren Hürdensprinterinnen in die Weltspitze. Kirsten Bolm wurde 2006 EM-Zweite unter ihm, Claudia Zaczkiewicz 1988 sogar Olympia-Dritte. «Caro hat von allen das größte Potenzial», sagt er. «Allein dieser Wechsel zeigt ja, wie sie tickt.»

12,57 Sekunden über 100 Meter Hürden ist die Zeit, an der Nytra seit sieben Monaten gemessen wird. Nur zwei Läuferinnen waren 2010 schneller als sie. «Ich kann nicht garantieren, dass sie noch schneller rennt», meint Harksen. «Aber unsere Arbeit ist darauf ausgerichtet, dass sie konstant solche Leistungen abrufen kann und zu den internationalen Höhepunkten jeweils ihre Topform erreicht.»

Die Situation im Hürdensprint der Frauen ist sehr speziell. «Es gibt nicht die zentrale Lichtgestalt, die das Maß aller Dinge ist. Dafür sind es bestimmt sechs bis zehn Athletinnen, die in London für eine Medaille infrage kommen», erklärt Harksen. Die WM in Daegu ist in diesem Jahr eine Standortbestimmung für die Mannheimerin. Da wird sich zeigen, was Nytra noch für Olympia fehlt. «Wenn alle dabei sind, geht es zur Sache», sagt ihr Trainer. «Aber Caro kann da mitlaufen.» Vielleicht sogar so gut, dass über ihrer Kette mit den Ringen einmal eine olympische Medaille hängt.

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