Martin Lauer (Foto von 2008) feiert am 2. Januar seinen 75. Geburtstag. Foto: Frank Leonhardt
Martin Lauer (Foto von 2008) feiert am 2. Januar seinen 75. Geburtstag. Foto: Frank Leonhardt

Martin Lauer (Foto von 2008) feiert am 2. Januar seinen 75. Geburtstag. Foto: Frank Leonhardt

dpa

Martin Lauer (Foto von 2008) feiert am 2. Januar seinen 75. Geburtstag. Foto: Frank Leonhardt

Berlin (dpa) - Drei Weltrekorde in 53 Minuten - das ist und bleibt Martin Lauers Markenzeichen. Schicksalsschläge haben das größte deutsche Leichtathletik-Talent einst gestoppt - doch der Kölner hat sich seine Lebensfreude bewahrt. Am Tag nach Neujahr wird Lauer 75.

Die beiden «Pittermännchen» sind gut gekühlt. Zwei 10-Liter-Fässchen mit Kölsch, das reicht gut und gern für 100 Stangen, die Party kann steigen. Martin Lauer freut sich schon auf seinen Ehrentag. «So 25, 30 Leute werden sicher kommen. Dabei habe ich gar keine Einladungen ausgesprochen. Aber zwischen 12 Uhr mittags und 8 Uhr abends werden mir die Gäste sicher nicht ausgehen», sagt der frühere Weltklasse-Leichtathlet der Nachrichtenagentur dpa. Am 2. Januar feiert der Kölsche Jung in Familie, mit Freunden und Nachbarn seinen 75. Geburtstag.

«Mit 75 werde ich oft an meine Vergangenheit erinnert. Auch an meine schwere Verletzung, die mich nach 50 Jahren noch begleitet», erklärt Lauer, der trotz vieler Schicksalsschläge nie gejammert hat, sondern ein positiver Mensch ist. Und irgendwie ein Phänomen: Als Leichtathlet stellt er 1959 innerhalb von 53 Minuten gleich drei Weltrekorde auf. Als Schlagersänger verkauft er nach seiner Sportkarriere bis heute fast sechs Millionen Tonträger. Lauer ist Diplomingenieur im Allgemeinen Maschinenbau, als passionierter Hobby-Segler hält er sich fit. Zwei Kinder, drei Enkel - Langeweile ist ein Fremdwort für den Mann aus dem mittelfränkischen Lauf.

Wenn Lauer im Flying Dutchman auf dem Tegernsee kreuzt, seine Frau Christa schickt er ins Trapez, die Sonne scheint - dann ist er in seinem Element und rundum glücklich. «Das ist unser ganzer Ehrgeiz und zugleich der jährliche Fitnesstest.» Mit der Leichtathletik hat Lauer dagegen nicht mehr viel am Hut, es ist nicht mehr sein Sport. «Ich könnte mir nicht vorstellen, zweimal am Tag zu trainieren und Ernährungsplänen zu folgen», meint der Welt-Leichtathlet des Jahres 1959. Und Doping? Für Lauer nie ein Thema. «Offenbar hatte ich so viel Talent», sagt der Staffel-Olympiasieger heute, «dass niemand an mich herangetreten ist und mich in Versuchung gebracht hat.»

1958 wird er Europameister über 110 Meter Hürden, 1959 als erster und bis dato einziger Deutscher Welt-Leichtathlet. Im Olympia-Jahr 1960 geht es Schlag auf Schlag - doch die Schläge treffen Lauer selbst: Von einer hartnäckigen Knochenhautentzündung im Fußgelenk gebremst, landet er im Olympia-Finale von Rom über 110 Meter Hürden auf dem vierten Platz. Und selbst über Staffel-Gold mit dem deutschen Quartett über 4 x 100 Meter kann sich der Rheinländer nicht lange freuen. Eine verunreinigte Injektionsspritze führt zur Blutvergiftung - dann geht es «um Leben und Tod».

Noch vom Krankenbett aus startet Lauer durch und beginnt seine zweite Karriere als Country-Sänger. Die medizinische Behandlung und das Studium kosten Geld. «Die Karriere als Sänger war notgedrungen», versichert Lauer. «Die letzte Rose der Prärie» - diese Scheibe ist (s)ein Hit! Rund 500 000 Mal wird die Schallplatte verkauft.

Seine Sternstunde erlebt Lauer am 7. Juli 1959 im weltberühmten Zürcher Letzigrund: Der gebürtige Kölner holt sich die Weltrekorde über 110 Meter und 120 Yards Hürden, als Zugabe die Bestmarke über die selten gelaufenen 200 Meter Hürden. Dabei sitzt der damals 22-Jährige am Vormittag noch in der Vorlesung, der Student schwänzt die Seminare am Nachmittag, fliegt von München nach Zürich und segelt dort noch zwei Stunden bei heftigem Wind. Dann geht's schnell ins Stadion, der Rest ist bekannt. Lauer: «1959 war ein Wahnsinnsjahr für mich - und der 7. Juli ein Wahnsinnstag.»

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