Zehnkämpfer
Michael Schrader Schrader überraschte 2009 als Sieger des Traditionsmeetings von Götzis.

Michael Schrader Schrader überraschte 2009 als Sieger des Traditionsmeetings von Götzis.

dpa

Michael Schrader Schrader überraschte 2009 als Sieger des Traditionsmeetings von Götzis.

Frankfurt/Main (dpa) - Wann tauchen die deutschen Zehnkämpfer endlich wieder auf? In der Hallensaison wohl noch nicht. Ende Februar geht's gemeinsam ins Trainingslager nach Südafrika. Und wenn die Gesundheit mitspielt, kann es nur ein Saisonziel geben: Die Freiluft-WM in Südkorea.

Im Vorjahr waren die deutschen Zehnkämpfer quasi von der Bildfläche verschwunden, und auch 2011 tauchen sie so schnell nicht wieder auf: Bei den deutschen Mehrkampf-Meisterschaften an diesem Wochenende in Frankfurt-Kalbach fehlen alle vielversprechenden Namen wie André Niklaus, Pascal Behrenbruch, Michael Schrader, Norman Müller und Arthur Abele. Nach einem «Seuchenjahr» geht es für Teammanager Claus Marek erst einmal «um die Stabilisierung der angeschlagenen Leute».

Diese sollen bis zur WM Ende August in Daegu/Südkorea, spätestens aber bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London wieder in die internationale Spitzenklasse zurückkehren. Schrader überraschte 2009 als Sieger des Traditionsmeetings von Götzis/Österreich mit ganz starken 8522 Punkten - der Leverkusener muss sich nach zwei Ermüdungsbrüchen im Fuß erst wieder herankämpfen. «Ich will mich voll auf die Freiluftsaison konzentrieren. Ich hatte wegen Fortbildungsmaßnahmen ein 'Trainingsloch', deshalb wäre die Saisonvorbereitung einfach zu kurz gewesen», sagte Schrader der Nachrichtenagentur dpa.

Pascal Behrenbruch war bei der WM 2009 in Berlin Sechster - wurde aber im vergangenen Jahr trotz erfüllter Norm vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nicht zur EM mitgenommen, weil er wegen einer Fußverletzung einen Leistungsnachweis kurz vor Barcelona nicht erbringen konnte. Der Frankfurter versuchte gar, seine EM-Teilnahme beim DLV einzuklagen - ohne Erfolg. Marek ist überzeugt: «Er hat inzwischen gespürt, dass der Verband ihm nichts Böses wollte.»

Weder bei der Hallen-WM in Doha noch bei der Freiluft-EM waren deutsche Zehnkämpfer am Start: Denn auch der zweimalige WM-Teilnehmer Müller (Haale/Saale) kam nicht recht in Tritt, Olympia-Teilnehmer Abele (Sindelfingen) fiel nach einer Serie von Blessuren das gesamte Jahr aus - und Niklaus fehlte schon bei WM vor seiner Haustür in Berlin. Der Siebenkampf-Hallen-Weltmeister von 2006 und Olympia- Achte von 2008 musste sich einer Fußoperation unterziehen und will 2011 nach langem Aufbautraining wieder angreifen.

«Mir geht es gut, der Fuß ist nach der OP gut verheilt», versicherte der 29-jährige Niklaus. «Aber was nutzt mir jetzt eine gute Hallsaison? Ich will eine super Freiluft-Saison reißen.» Niklaus tut alles für ein erfolgreiches Comeback, Ende Februar fliegt er mit seinen Zehnkampf-Kollegen ins Trainingslager nach Südafrika. «Er ist mit Leidenschaft dabei», sagte Marek.

Die «Könige der Athleten» hatten ihr wichtigstes Gut verloren: die Gesundheit. Eine schlüssige Erklärung dafür hat Marek trotz seiner über 20 Jahre langen Erfahrung als leitender Coach auch nicht: «Jede Verletzung hat ihre eigene Geschichte, und wir brauchen für jeden Athleten eine eigene Strategie.» Dass der DLV auch für die Hallen-EM im März in Paris keinen Zehnkämpfer einplant, sieht er nicht als problematisch an: «Jürgen Hingsen und Daley Thompson haben sich früher in der Halle auch nicht sehen lassen.»

Nach gemeinsamen Trainingslagern auf Zypern und in Halle/Saale, bei denen alle außer Abele dabei waren, sieht der Teamchef seine Sportler auf gutem Weg. «Alle sind belastbar. Was die Jungs im Augenblick auszeichnet ist, dass sie gemeinsam an die Aufgabe rangehen», sagte er vor den WM-Qualifikationswettkämpfen am 16./17. Mai in Götzis und am 16./17. Juli in Ratingen.

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