Darmstadt (dpa) - Kugelstoß-Nobody Thomas Schmitt will sich nach seinem Sensationsstoß nicht in die Doping-Ecke stellen lassen.

«Ich habe noch am Samstag die NADA angeschrieben, damit sie eine Kontrolle bei mir macht. So kann mir keiner ein schlechtes Gewissen einreden», sagte der 26-Jährige vom LT DSHS Köln der Deutschen Presse-Agentur. Schmitt hatte sich bei seinem Saisoneinstand in Übach-Palenberg von seiner ursprünglichen Bestleistung 19,07 auf die Weltklasse-Weite von 21,35 Meter verbessert - und damit die ganze Leichtathletik-Szene verblüfft.

Das Ergebnis wird in die Bestenliste des Deutschen Leichtathletik-Verbandes aufgenommen, wie der DLV am Montag bestätigte. Eine Dopingkontrolle wird dafür nicht benötigt, nur für Rekorde. Schmitt hatte bei dem Wettkampf keine Kontrolle, er ist seit seiner Jugendzeit in keinem DLV-Kader mehr. Mangels Konkurrenz wird die Weite aber nicht als Norm für die Weltmeisterschaften im August in Peking anerkannt.

Das Ergebnis war nachgemessen worden, die Kugel mehrfach gewogen. «Ich gehe davon aus, dass alles korrekt gelaufen ist, das beteuern jedenfalls die Veranstalter», sagte Sven Lang, Bundestrainer und Coach des zweifachen Weltmeisters David Storl (Leipzig). In Deutschland haben im neuen Jahrtausend nur zwei Athleten weiter gestoßen als Schmitt: Storl (Bestleistung 21,97 Meter) und der inzwischen zurückgetretene Ex-Europameister Ralf Bartels (21,37). In der - noch frischen - Weltjahresbestenliste wird Schmitt direkt hinter den führenden Neuseeländer Tomas Walsh (21,37) rücken.

«Es geschehen immer wieder Wunder zwischen Himmel und Erde», kommentierte Lang die Verbesserung Schmitts gleich um sagenhafte 2,28 Meter. «So einen Sprung habe ich noch nicht erlebt. Aber als Bundestrainer freue ich mich natürlich darüber. Die nächsten Wettkämpfe werden zeigen, was die Weite wert ist.» Bei Drehstoßtechnikern seien Leistungssteigerungen grundsätzlich aber eher möglich.

Schmitt will nun am 13. Mai in Münster bei den deutschen Hochschulmeisterschaften in Münster antreten. «Glauben Sie mir», meinte der Physikstudent am Montag noch immer etwas fassungslos, «ich habe vor Aufregung zwei Nächte kaum geschlafen und mir fallen gerade die Augen zu.» Weil er am Samstag auch so aus dem Häuschen war, hat er in seiner Mail an die NADA auch prompt vergessen, seine Telefonnummer dazuzuschreiben.

Die einzige Erklärung, die er für den riesigen Leistungssprung habe, sei, «dass dies der Lohn für alles ist, was ich mir im Winter erarbeitet habe.» Er habe an Masse verloren, aber an Explosivität und Kraft gewonnen. Sein nächstes Ziel: «Hauptsache bescheiden bleiben - und mich bei Weiten um die 20 Meter stabilisieren.»

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer