Coole Konkurrentinnen
Friedrich und Vlasic (r) verbergen beide ihre Augen hinter Sonnenbrillen.

Friedrich und Vlasic (r) verbergen beide ihre Augen hinter Sonnenbrillen.

Ariane Friedrich (l) jubet mit Meike Kröger über ihre Bronzemedaille.

Nach dem letzten Versuch schlägt Ariane Friedrich die Hände vor ihr Gesicht.

Friedrich hält sich die Hände vor das Gesicht, nachdem sie knapp gescheitert ist.

Ariane Friedrich kann nicht fassen, wie knapp sie die Latte gerissen hat.

Ariane Friedrich sorgt mit ihrem Finger für absolute Ruhe im Olympiastadion.

Blanka Vlasic jubelt über die Goldmedaille.

Trotz dem verpassten Goldsprung wird Ariane Friedrich im Olympiastadion gefeiert.

Ariane Friedrich heizt das Publikum mit großer Gestik an.

Anna Chicherowa, Blanka Vlasic und Ariane Friedrich (v.l.) nach der Medaillenvergabe.

dpa, Bild 1 von 10

Friedrich und Vlasic (r) verbergen beide ihre Augen hinter Sonnenbrillen.

Berlin (dpa) - In einem Hochsprung-Krimi ist für Ariane Friedrich der Traum vom WM-Gold geplatzt und am Ende nur die Bronzemedaille herausgesprungen. Die 25-jährige Frankfurterin konnte bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Berlin vor rund 60 000 Zuschauern nur 2,02 Meter überwinden.

«Es war so geil», brüllte «Friedrich die Große» trotz des verfehlten Titel-Ziels munter in das Mikrofon des Stadionsprechers. Erfolgreich verteidigte ihre große Rivalin Blanka Vlasic mit 2,04 Meter ihren Titel, scheiterte aber danach an dem Versuch, den 22 Jahre alten Weltrekord von Stefka Kostadinova (2,09 Meter) zu verbessern. Vizeweltmeisterin wurde Anna Tschitscherowa (Russland/2,02 Meter).

Friedrich war auch mit Platz drei glücklich. «Mein Gott, sie war heute die Bessere. Auch Tschitscherowa war stark. Ich bin sehr, sehr froh über Bronze», sagte die Frankfurterin. «Alles hier war super, die Atmosphäre ist unglaublich. Ich bin froh, den Erwartungen standgehalten zu haben.» Auch Siegerin Vlasic strahlte. «Ich bin sehr glücklich, dass ich gewonnen habe. 2,04 Meter war wie ein Matchball. Ich hatte das Gefühl, da ist noch so viel Platz über der Latte. Es war ein Wettkampf voller Emotionen. Es ist für mich eine große Erleichterung», sprudelte es aus der Kroatin heraus.

An der Spree hatte der Hype um Höhenjägerin Friedrich begonnen, als sie am 14. Juni beim ISTAF in Berlin mit 2,06 Metern den 18 Jahre alten deutschen Rekord von Heike Henkel übertrumpfte - und nebenbei Blanka Vlasic besiegte. «Ich bin in der Form meines Lebens und habe keine Angst», sagte sie vor dem WM-Gipfeltreffen mit der Kroatin. In der Qualifikation demonstrierte die Hallen-Europameisterin diese Furchtlosigkeit: Ein Sprung über 1,95 Meter reichte für das Finale.

«Je mehr Höhen man springt, desto mehr Fehler kann man machen», lautet ihre Sprung-Philosophie. Im Kampf um die Medaille ging sie aber kein Risiko ein und startete schon bei 1,92 Meter; Vlasic stieg bei 1,87 Meter ein. Kritisch wurde es bei 2,02 Meter, die Friedrich erst im dritten Versuch meisterte. Als sie dann zweimal 2,04 Meter riss und Vlasic diese Höhe überwand, spielte die 1,79 Meter große und nur 57 Kilogramm leichte Athletin Alles oder Nichts, ließ die Latte auf die deutsche Rekordmarke von 2,06 Meter legen - und scheiterte um Haaresbreite.

«Wir treiben uns gegenseitig zu besseren Leistungen an», sagte Friedrich über ihre Dauerrivalin. Die Rivalität der Überfliegerin lässt nicht viel Luft für eine emotionale Bindung. «Wir geben uns die Hand, manchmal sogar einen Kuss, reden ein bisschen», sagte Vlasic über ihr kühles Verhältnis zu der Deutschen, «zu einer tieferen Freundschaft reicht es nicht». Getrübt wurde die Beziehung auch durch die Niederlage beim Golden-League-Finale 2008 in Brüssel, die die Kroatin eine halbe Million Dollar aus dem Jackpot gekostet hat.

Die Kommissar-Anwärterin der hessischen Landespolizei hatte alles dafür getan, um im Olympiastadion erneut ein Glanzlicht für die deutsche Leichtathletik zu setzen. Ins Teamhotel brachte sie eine eigene Matratze mit, um keine Rückenprobleme zu bekommen, schottete sich am Tag vor dem Goldkampf im deutschen Trainingscamp Kienbaum ab und wechselte im Stadion ihre Sportsachen in der Kommandozentrale der Polizei. «Mein Manager Günter Eisinger hat alles abgeblockt, was mich nerven könnte», sagte Ariane Friedrich, der wegen ihrer Schroffheit und Schnoddrigkeit der Ruf als «arrogante Ziege» anhaftet. Mit ihrem WM-Auftritt konnte sie aber viele Sympathiepunkte sammeln.

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