Abschied
Franka Dietzsch winkt enttäuscht ins Publikum.

Franka Dietzsch winkt enttäuscht ins Publikum.

Nach dem Vorkampf verlässt Franka Dietzsch achselzuckend das Stadion.

Franka Dietzsch grübelt im Vorkampf über ihre Weite.

Die Titelverteidigerin Franka Dietzsch nimmt ihre Startnummer ab.

Fassungslos starrt Franka Dietzsch nach einem Versuch auf den Boden.

Franka Dietzsch bekommt im Ring nicht den richtigen Dreh raus.

Franka Dietzsch holt im Ring Schwung für einen Wurf.

Mit einer entschuldigenden Geste reagiert Franka Dietzsch nach dem Aus.

dpa, Bild 1 von 8

Franka Dietzsch winkt enttäuscht ins Publikum.

Berlin (dpa) - Der Vorhang ist gefallen, eine große Ära im Diskus-Ring zu Ende: Ohne Tränen, aber voller Frust hat Franka Dietzsch im Berliner Olympiastadion ihre über 20 Jahre währende großartige Laufbahn mit einem Flop beendet.

In der Qualifikation kam die dreimalige Weltmeisterin nach zwei ungültigen Versuchen nur auf mäßige 58,44 Meter und verließ verärgert, aber mit erhobenem Haupt «ihre» Bühne.

«So ist es halt. Scheiße. Einmal ist Schluss. Dass es so passiert ist, enttäuscht mich maßlos. Aber ich kann ja nicht noch 20 Jahre Diskus werfen», meinte die erfolgreichste Diskuswerferin der WM-Geschichte nach ihrem miserablen Auftritt. Dennoch feierten die Berliner Zuschauer die gestürzte Titelverteidigerin, die als Weltmeisterin von 2007 automatisch für Berlin qualifiziert war, und verabschiedeten eine ganz Große ihrer Zunft in den verdienten «Ruhestand».

Auch die aufmunternden Worte ihrer Zimmergefährtin Steffi Nerius hatten nicht mehr geholfen. Die «Gold-Steffi» hatte gehofft, dass ihr Speerwurf-Titel vom Vortag die Freundin nach einer insgesamt grausamen Saison noch einmal aus dem Tief zerren könnte. Extra hatte sie Dietzsch versprochen, sie durch ihre Partylaune nicht in der Konzentration zu stören. «Als ich nach der Party um 07.00 Uhr ins Hotelzimmer kam, war sie schon wach», meinte Nerius. «Steffi hatte nicht die gesundheitlichen Probleme wie ich. Und außerdem ist sie erst 37 - in dem Alter bin ich auch Weltmeisterin geworden», meinte Dietzsch schließlich auf die Frage, warum die Freundin so viel besser motiviert war.

Ohne große Emotionen sei sie in den letzten internationalen Wettkampf gegangen. «Ich habe schon vorher innerlich Abschied genommen. Eigentlich mit jedem Wettkampf, der mir nicht richtig gelungen ist», gab die Neubrandenburgerin zu. «Bei der Herfahrt zum Stadion hatte ich ein bisschen Pipi in den Augen, aber im Ring war ich total verkrampft. Es lief technisch unrund. Ich habe alles versucht, mit Kraft zu machen und die Technik vernachlässigt», räumte sie ein, ohne Gefühle zu zeigen. «Aber ich halte mich doch ganz gut, oder?», fragte sie die Journalisten in der Mixed-Zone. «Alles andere kommt später, wenn ich allein bin...», fügte sie hinzu. In Thum, Bad Köstritz und Elstal wird sie nur noch bei kleinen Wettkämpfen starten. «Und dann bin ich froh, wenn ich am 8. September mal die Schuhe ausziehen kann.»

Ihr Trainer Dieter Kollark hatte den Abschied nur vor dem Fernseher erlebt. «Die ersten zwei ungültigen Versuche habe ich mir angeschaut, dann habe ich es nicht mehr ausgehalten. Das war nichts für meine Nerven», schilderte der Coach seine Empfindungen. «Es hat keinen Sinn zurück zu blicken, man sollte immer das Positive aus solch einer großartigen Karriere mitnehmen», meinte der Trainer, der seit 2005 bei den Vorkämpfen großer Meisterschaften nicht mehr im Stadion war. «Das ist weniger Aberglaube, als eher Nervosität», sagte der Bundestrainer.

Was Franka Dietzsch in Zukunft tun wird, steht noch in den Sternen. «Mit Kindern oder Jugendlichen würde ich gern arbeiten, aber im Top-Bereich möchte ich mir den Stress nicht antun. Das einzige was ich nach dem Ende der Karriere nicht vermissen werde, ist das viele Fliegen und Reisen.»

Bereits vor dem traurigen Ende der bemerkenswerten WM-Karriere ihres Vorbildes, hatte Nadine Müller aus Halle/Saale locker das Finale erreicht. Die deutsche Meisterin, die mit ihrem Sieg in Ulm für eine «Majestäts-Beleidigung» gesorgt hatte, übertraf gleich im ersten Durchgang mit 61,63 Metern die geforderte Qualifikationsweite. «Das war Gänsehaut-Feeling. Meine Trainingswerte waren gut, so dass ich keine Angst hatte zu scheitern. Wenn ich das Finale verpasst hätte, wäre ich todtraurig gewesen», meinte die 23- Jährige, die als Neunte des Vorkampfes nun im Finale ihre Bestleistung von 63,46 knacken will. «Dann wäre ich total zufrieden.»

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