Das verbotene Blutdopingmittel EPO wird in der Regel gespritzt. Foto: Patrick Seeger
Das verbotene Blutdopingmittel EPO wird in der Regel gespritzt. Foto: Patrick Seeger

Das verbotene Blutdopingmittel EPO wird in der Regel gespritzt. Foto: Patrick Seeger

dpa

Das verbotene Blutdopingmittel EPO wird in der Regel gespritzt. Foto: Patrick Seeger

Düsseldorf (dpa) - Spritze mit EPO statt Vitaminen: Die Langläuferin Simret Restle-Apel will im Kühlschrank von Verwandten aus Versehen zum verbotenen Blutdopingmittel Erythropoetin (EPO) gegriffen und es sich gespritzt haben.

Wie die 28 Jahre alte Leichtathletin in einem Interview der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» erklärte, hätte sie eine Spritze benutzt, weil sie starke Blutungen im Unterleib gehabt habe. «Da habe ich im Kühlschrank gesehen: Vitamin-Komplex. Fertige Spritzen. Das stand auf der Packung», sagte Restle-Apel. «Weil ich Sorge hatte, dass ich wegen des Blutverlusts fertig sein würde, habe ich es gemacht.»

In der Packung seien aber nicht Spritzen mit Vitaminen gewesen, sondern welche mit einem EPO-Mittel. «Die Packung war fast am Ende. Es war kaum Platz im Kühlschrank», berichtete Restle-Apel. «Mein Mann, der sie (die Verwandte) behandelt, hatte die Spritzen zusammengelegt. Das wusste ich nicht.» Und als ihr Mann im Keller zu tun hatte, habe sie sich im Badezimmer gespritzt und die Spritze weggeworfen. «Er hat nichts davon mitgekriegt.»

Die deutsche Halbmarathon-Meisterin vom PSV Grün-Weiß Kassel hatte am 1. Mai eine Trainingskontrolle verpasst, die am 2. Mai nachgeholt wurde. Drei Tage nach der Spritzengabe war die Frau eines Arztes bei den deutschen 10 000-Meter-Meisterschaften in 32:41,50 Minuten persönliche Bestzeit gelaufen. «Ich weiß, ich hätte meinen Mann fragen sollen», sagte Restle-Apel. «Wenn ich gefragt hätte, hätte er entschieden, dass wir die deutsche Meisterschaft absagen.»

Der Fall ist inzwischen beim Deutschen Sportschiedsgericht anhängig und soll in absehbarerer Zeit entschieden werden. «Egal, was der Richter entscheidet, ich akzeptiere es. Jetzt weiß ich: Ich bin gedopt. Was ich sage, ist die Wahrheit», sagte Restle-Apel. «Ich habe eine Riesendummheit gemacht.» Auf die Frage, ob sie alle Schuld auf sich nehmen wolle, um ihren Mann zu schützen, antwortete die Athletin der «FAZ»: «Ich würde alles tun für meinen Mann. Aber meinen Sport liebe ich so sehr, dass ich jeden umbringen würde, der mich gedopt hätte. Sogar ihn.»

Das Kölner Schiedsgericht muss nun ihre Glaubwürdigkeit prüfen - wie es in Geschichte des Leistungsmissbrauchs schon oft der Fall war. Viele Athleten haben versichert, ohne Absicht gedopt gewesen zu sein: Eine mit einem verbotenen Mittel präparierte Zahnpasta, zu viel Sex, ein explodiertes Asthma-Inhaliergerät der Mutter oder das bei einer Hausdurchsuchung gefundene anabolikahaltige Clenbuterol, das angeblich für den Asthma kranken Hund bestimmt war, sind Aussagen zu vermeintlichen Doping-Versehen gewesen.

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