Farbenfroh
Hochspringerin Ariane Friedrich 2010 bei der EM in Barcelona. Foto: Rainer Jensen

Hochspringerin Ariane Friedrich 2010 bei der EM in Barcelona. Foto: Rainer Jensen

dpa

Hochspringerin Ariane Friedrich 2010 bei der EM in Barcelona. Foto: Rainer Jensen

Frankfurt/Main (dpa) - An diesem Donnerstag wird Ariane Friedrich «nicht die Bohne trainieren». Reiner Aberglaube sei das. Wahrscheinlich geht die Hochspringerin zum Friseur, die pinkfarbene Haarfarbe auffrischen lassen.

Am 22. Dezember vor einem Jahr riss bei der deutschen Rekordhalterin die Achillessehne im linken Fuß. In der Trainingshalle in Frankfurt-Kalbach, wo sie jetzt für ihr Comeback schwitzt. Harte Monate liegen hinter der 27-Jährigen.

Vor ein paar Tagen hat sich Friedrich zum ersten Mal wieder an den langen Anlauf gewagt, die Latte lag auf 1,80 Meter - drüber! «Ich bin sehr gespannt, was in der Halle passiert. Ob der Fuß wieder so schnell wie vorher ist, das werde ich erst im Wettkampf sehen.» Der ist für Ende Januar geplant, wahrscheinlich am 28. Januar in Antwerpen, auf jeden Fall im Ausland. «Da ist der Rummel nicht so groß», sagt ihr Trainer und Manager Günter Eisinger.

An Weihnachten 2010 lag sein Schützling mit eingegipstem Bein im Krankenhaus. Als Wochen später der Spezialschuh runterkam, da stiegen der WM-Dritten von 2009 und Hallen-Europameisterin von 2009 die Tränen in die Augen. «Ich konnte die Ferse nicht einmal ein, zwei Zentimeter anheben und mich auf die Fußspitze stellen», erinnert sich Friedrich. «Die ersten Monate haben viel Kraft gekostet, man sieht, wie der Körper abbaut, förmlich zerfällt.»

Das erste große Erfolgserlebnis war eine Joggingrunde. «Da war ich der glücklichste Mensch der Welt. Aber ich hab' vielleicht geschnauft.» Nur 200 Meter seien es gewesen, ergänzt Eisinger. «Ein ganz toller Moment waren die ersten Treppensprünge», sagt Friedrich. Mit unglaublich viel Geduld, so Eisinger, habe sie gearbeitet. Während Turn-Star Fabian Hambüchen ein gutes halbes Jahr nach seinem Achillessehnenriss wieder auf der Matte stand, riskiert Friedrich nichts, um das große Ziel Olympia 2012 nicht zu gefährden.

«Am Anfang konnte ich nicht ganz umsetzen, was ich im Kopf hatte», sagt die extrovertierte und ehrgeizige Sportlerin. Manchmal schaut sie auf Youtube ihre großen Sprünge an, um einen Vergleich mit den Videoaufnahmen von den aktuellen Übungseinheiten zu haben. Entgegen ihrer sonstigen Gewohnheiten lässt sie in der Leichtathletik-Halle von Kalbach nun auch mal die Latte auflegen. «Der Anlauf ist wieder da, ich gehe das Training sehr locker an. Ich sehe jeden Tag als Geschenk, als Chance, besser zu werden.»

Im Moment ist sie dabei, ihr Gewicht noch etwas zu reduzieren. «Mit 57,5 bis 58 Kilo fühle ich mich am wohlsten, da bringe ich die beste Leistung.» 59,5 Kilogramm bringt die 1,79 Meter große Hochspringerin auf die Waage. «Am Anfang war viel Frustessen, da wurde ich dann zur Strafe eine Stunde aufs Fahrrad gesetzt», erzählt sie und verzieht das Gesicht. An Heiligabend steht morgens noch Training an, «dann darf ich alles essen».

Nicht nur bei der WM in Daegu/Südkorea fehlte Friedrich, auch beruflich musste die Polizeikommissarin eine Auszeit nehmen und war ein halbes Jahr krankgeschrieben. Jetzt ist sie für Training und Wettkämpfe freigestellt. «Wenn es zeitlich irgendwie machbar ist, gehe ich aufs Revier.» In ihrem Wohnort Darmstadt arbeitet sie in der Ermittlungsgruppe für Diebstahl und Eigentumsdelikte.

Die Hallen-WM Anfang März in Istanbul ist kein Thema, bei den Meetings in Arnstadt (4. Februar) und Karlsruhe (12. Februar) und bei den deutschen Meisterschaften am 25./26. Februar ebenfalls in Karlsruhe will sie antreten. «Das erste Ziel ist, wieder in den Bereich von 1,90 zu kommen», sagt Eisinger. Friedrich, deren Freiluft-Rekord bei 2,06 Meter steht, meint: «Wünschenswert wäre eine ganz hohe 90er Höhe.» Wettkämpfe hat sich die Frankfurterin in diesem Jahr nicht viele angeschaut. Friedrich packt ihre pinkfarbenen Trainingsschuhe ein und streicht sich übers blond-rosa Haar: «Man sieht den Nachwuchs und fragt sich: Kann ich die noch deckeln - oder werde ich gedeckelt?»

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