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Oscar Pistorius führte die Staffel Südafrikas ins Finale. Dort durfte er allerdings nicht mehr starten.

Oscar Pistorius führte die Staffel Südafrikas ins Finale. Dort durfte er allerdings nicht mehr starten.

Rückenbeschwerden zwingen Linda Stahl dazu auf das WM-Finale zu verzichten.

Lena Schmidt ist mit der deutschen Frauenstaffel ausgeschieden.

Hürdensprinterin Cindy Roleder wurde Vorlauffünfte.

Kathrin Klaas kann im Medaillenkampf mitmischen.

Betty Heidler hat gleich im ersten Versuch die geforderte Weite deutlich übertroffen.

Ohne Show geht es nicht: Usain Bolt ist locker ins Halbfinale gelaufen.

dpa, Bild 1 von 7

Oscar Pistorius führte die Staffel Südafrikas ins Finale. Dort durfte er allerdings nicht mehr starten.

Daegu (dpa) - Usain Bolt ist wieder da! Ohne Fehl(-start) und Tadel ist der schnellste Mann der Welt auf seiner Lieblingsstrecke ins Halbfinale der Leichtathletik-WM in Daegu spaziert. Hammerwurf-Weltrekordlerin Betty Heidler hat sicher das Finale am Sonntag erreicht.

Fünf Tage nach dem unfassbaren Blackout im Kurzsprint hat der Superstar am Freitag Millionen Fans ein wenig versöhnt und seinen 200-Meter-Vorlauf leicht und locker in 20,30 Sekunden gewonnen. Keiner seiner 52 Mitläufer war schneller. Auch das Halbfinale dürfte für den 25 Jahre alten Jamaikaner nur eine Pflichtnummer sein - am Samstag greift Bolt nach Gold.

Schon in den Katakomben des Stadions macht der große Junge von der kleinen Karibikinsel seine bekannten Mätzchen. Kaum taucht Bolt auf, steht er im Mittelpunkt. Zehn Minuten vor dem Lauf lässt er sich im gelb-grünen Shirt feiern, spreizt zwei Finger zum V - das Victory-Zeichen. Dass da die acht Sprinter des ersten Vorlaufs schon in den Startblöcken sitzen, scheint niemanden zu interessieren.

Bolt lacht und scherzt mit der Bahnrichterin. Er bekreuzigt sich. Stille im Stadion. Um 11.18 Uhr knallt der Startschuss für den zweiten Vorlauf, alle Augen sind auf den Mann auf Bahn 7 gerichtet, die Spannung ist unerträglich. Doch der 100:1-Favorit besteht den Nerven- und Charaktertest. Nach dem größten Fehlstart der WM-Geschichte geht der Weltrekordler diesmal auf Nummer sicher, den «Sitzstreik» nimmt ihm keiner übel: 0,314 Sekunden sind die zweitschlechteste Reaktionszeit aller 53 Vorlauf-Starter.

Ein Mann - kein Wort: Usain Bolt lässt lieber Taten sprechen, ignoriert nach dem Rennen sämtliche TV-Kameras, rennt durch die Mixed Zone an hunderten Journalisten vorbei. Daumen hoch - das ist alles. Dass der Wattenscheider Sebastian Ernst als Sechster seines Vorlaufes 20,95 Sekunden die nächste Runde verpasst, ist angesichts der Bolt-Mania nicht mal eine Randnotiz. Die ganz großen Stories liefert sowieso Bolt.

«Der hat nach dem Start etwas Gas gegeben, aber hinten raus nur noch gechillt. Er ist der Superstar», sagte Ernst über Bolt. Mit der Bolt-Zeit wäre der beste Deutsche überglücklich gewesen - sie liegt 6/100 Sekunden unter seiner persönlichen Bestmarke von 20,36. «Das ist bitter, denn die Form war da», meinte der 26 Jahre alte Bundespolizist. «Dass hier nur die drittschlechteste Zeit der ganzen Saison rauskam, ist für mich unerklärlich.» Am Sonntag will er mit der 4 x 100-Meter-Staffel noch mal alles geben. Ernst: «Aber jetzt lege ich mich erst mal auf die Couch.»

Weltrekordlerin Heidler aus Frankfurt übertraf in der Qualifikation im ersten Versuch mit 71,48 Metern die geforderte Weite (71,00) deutlich. Die Europameisterin wurde damit Sechste. Im Medaillenkampf mitmischen kann auch Heidlers Clubkollegin Kathrin Klaas, die auf 71,69 Meter kam. Für die Topweite sorgte die Chinesin Wednxiu Zhang mit 74,17.

Ebenfalls ins Halbfinale ist Hürdensprinterin Cindy Roleder gelaufen. In 13,01 Sekunden wurde die 22 Jahre alte deutsche Meisterin Fünfte ihres Vorlaufs. Die schnellste Zeit lief die Australierin Sally Pearson mit 12,53 Sekunden. Die deutsche 4x400-Meter-Staffel der Frauen hingegen ist im Vorlauf der WM ausgeschieden. In der Besetzung mit Janin Lindenberg, Esther Cremer, Lena Schmidt, Claudia Hoffmann reichte es nur zu einer Zeit von 3:27,31 Minuten und Platz elf.

Speerwurf-Europameisterin Linda Stahl musste ihren Start im Finale absagen. Beim Aufwärmen für das Finale am Freitag traten wieder Beschwerden mit einer Rückenverletzung auf. Die 25-jährige Leverkusenerin kämpfte schon die ganze Saison mit Verletzungen und daraus resultierender Formschwäche. Auch in der Qualifikation lief es bei ihr nicht rund: Linda Stahl kam aber mit 60,21 Meter noch in den Endkampf.

Mit einer Enttäuschung endet die Weltmeisterschaft für den beinamputierten 400-Meter-Läufer Oscar Pistorius. Der 24-jährige Südafrikaner wurde nicht für das Staffelteam seines Landes über 4 x 400 Meter nominiert. Als Startläufer hatte er das Quartett aus der Kap-Republik am Donnerstag noch ins Finale geführt. In 2:59;21 Minuten rannte die Staffel sogar Landesrekord. Steigern sich seine Kollegen im Endlauf nochmal und holen sogar eine Medaille, muss der «Blade Runner» nicht sauer sein: Auch die Vorlauf-Teilnehmer dürfen mit aufs Treppchen und bekommen Edelmetall.

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