Der Verband hat den Vertrag wegen Doping-Vergangenheit nicht verlängert.

Werner Goldmann ist im DLV nicht mehr erwünscht.
Werner Goldmann ist im DLV nicht mehr erwünscht.

Werner Goldmann ist im DLV nicht mehr erwünscht.

dpa

Werner Goldmann ist im DLV nicht mehr erwünscht.

Berlin. 19 Jahre nach der Wiedervereinigung steht der deutsche Sport wegen des staatlich verordneten Dopings in der ehemaligen DDR erneut vor einer Zerreißprobe.

Führende deutsche Leichtathleten protestieren in einem offenen Brief gegen die zum Jahresende erfolgte Kündigung von Kugelstoß-Bundestrainer Werner Goldmann wegen dessen Vergangenheit im DDR-Dopingsystem.

Top-Athleten wie die dreimalige Diskus-Weltmeisterin Franka Dietzsch, die Speer-Olympiadritte Christina Obergföll und Diskus-Vizeweltmeister Robert Harting beklagen eine "Bauernopferjagd".

"Man nimmt nicht nur einem sehr guten Trainer einen Job weg, sondern zerstört ein Leben, welches einer Passion gewidmet ist, und erschwert Athleten den Weg zu ihrer Passion", schreiben die Sportler an das Bundesinnenministerium (BMI), den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV).

Der DLV hatte den Vertrag von Goldmann auf Empfehlung der Unabhängigen Anti-Doping-Kommission auslaufen lassen.

Im Juli 2008 hatte der frühere DDR-Kugelstoßer Gerd Jacobs gesagt, er sei Anfang der 80er Jahre von Goldmann mit dem Anabolikum Oral-Turinabol versorgt worden. Jacobs ist ein staatlich anerkanntes DDR-Dopingopfer.

"Wird jedem ehemaligen Sportler ohne Weiteres Glauben geschenkt, auch wenn es dafür keine Beweise gibt?", fragen die Athleten in ihrem Brief. Die Gründe für die Entscheidung lägen 25 Jahre zurück: "Mörder sind nach solchen Zeiten amnestiert, entlassen oder rehabilitiert."

Kritisiert wird, dass keiner der Athleten wie der Diskus-WM-Zweite Harting oder Diskus-U18-Weltmeisterin Julia Fischer angehört worden sind. Scharf angegriffen wird der DOSB, der vor Olympia in Peking seine Betreuer eine Ehrenerklärung unterschreiben ließ.

In dieser musste versichert werden, nicht in Doping-Praktiken verstrickt gewesen zu sein: "Wie kann man einem sportverrückten Trainer eine Ehrenerklärung vorlegen, von der man weiß, dass sie nicht erfüllt werden kann?"

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