Der Präsident des 1. FC Köln hatte einen Rücktritt erwogen. „Meier-raus“-Rufe bei der Jahreshauptversammlung.

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Tiefe Sorgenfalten: Ein nachdenklicher FC-Präsident Wolfgang Overath bei der Jahreshauptversammlung.

Tiefe Sorgenfalten: Ein nachdenklicher FC-Präsident Wolfgang Overath bei der Jahreshauptversammlung.

dpa

Tiefe Sorgenfalten: Ein nachdenklicher FC-Präsident Wolfgang Overath bei der Jahreshauptversammlung.

Köln. Als die Ikone an das Mikrophon trat, regte sich in der turbulenten Jahreshauptversammlung des 1. FC Köln erstmals Beifall. Und Wolfgang Overath schaffte es in den Kölner Messehallen am Mittwoch Abend noch einmal mit großer Mühe, das Ruder beim krisengeschüttelten Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga herumzureißen.

"Ich stehe in der Verantwortung und will den Weg fortsetzen. Ich will das Vertrauen zurückgewinnen, das wir verloren haben", rief Overath den Mitgliedern zu.

Beifall für Trainer Schaefer, dem Overath das Vertrauen ausspricht

Was der Weltmeister von 1974 nicht verhindern konnte, waren die fortgesetzten "Meier raus"-Rufe der über 3000 erschienenen Mitglieder. "Auch Michael Meier hat Fehler gemacht. Aber erwarten Sie nicht von mir, dass ich auf Michael Meier trete, wenn das ohnehin schon alle tun." Den größten Beifall gab es für Trainer Frank Schaefer und seinen Co-Trainer Dirk Lottner. "Frank Schaefer hat unser Vertrauen", sagte Overath, eine langfristige Garantie gab es für den Nachfolger von Zvonimir Soldo nicht.

Bis kurz vor Beginn der Versammlung hatte es wilde Spekulationen um die Zukunft des Klubchefs gegeben. Overath selbst hatte sich nach dem 0:4-Debakel gegen Borussia Mönchengladbach ernsthaft erwogen, sein Amt zur Verfügung zu stellen. Der 67-Jährige ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und stets um eine untadelige Außenwirkung bemüht. Dazu passt der Kurs seines Klubs aber schon geraume Zeit nicht mehr.

Der Absturz auf den letzten Tabellenplatz gilt als Tiefpunkt der präsidialen Karriere von Overath, der die Führung im Verein 2004 von Albert Caspers an sich gerissen hatte. Bisher präsentierte er auf jeder Versammlung ("Ich stehe zum FC, auch wenn er irgendwann in der Regionalliga spielen sollte") einen präsidialen Coup wie die Verpflichtung von Trainer Huub Stevens oder eine Vertragsverlängerung eines von den Fans geliebten Profis.

Manager Michael Meier: "Ich laufe nicht vor Kritik weg"

Nichts von dem passierte, was als untrügliches Zeichen für die Lethargie des einstigen Renommierklubs gelten kann. Über 24Millionen Euro Verbindlichkeiten drücken den FC, Perspektiven sind kaum erkennbar. Manager Michael Meier bleibt im Amt: "Ich laufe nicht vor Kritik weg. Ich habe keine Angst." Meier hatte seinen Vertrag zuletzt um vier Jahre verlängert.

Wolfgang Overath bemühte sich nochmals um einen souveränen Auftritt. Aber ein Mutmacher für die kritischen Fans war der 67-Jährige an diesem Abend nicht. Die Zukunft des Präsidenten und seines Vereins scheint unsicherer als jemals zuvor.

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