Wettkämpferin
lke Wyluddas Weg zu den Paralympics in London ist noch weit. Foto: Peter Endig

lke Wyluddas Weg zu den Paralympics in London ist noch weit. Foto: Peter Endig

dpa

lke Wyluddas Weg zu den Paralympics in London ist noch weit. Foto: Peter Endig

Halle/Saale (dpa) - Ilke Wyluddas Weg zu den Paralympics ist noch weit. Das weiß die 42-Jährige, die am Wochenende ihren ersten wichtigen Wettkampf als Behindertensportlerin hinter sich gebracht hat. Sie will deshalb gar nicht über London 2012 sprechen.

Es wäre vermutlich auch vermessen, nach wenigen Wochen Training und bislang noch eher mittelmäßigen Weiten schon mit einem Auftritt unter den olympischen Ringen zu planen. Der deutsche Paralympicscoach Bernd Mädler bringt es auf den Punkt: «Bei uns ist Ilke der Nachwuchs.»

Die Diskus-Olympiasiegerin 1996 hatte sich am Samstag erstmals nach ihrer Bein-Amputation 2010 mit den Besten Deutschlands gemessen. Natürlich wurde sie nach zwei persönlichen Bestleistungen auch auf den Höhepunkt im Sommer angesprochen. Aber sie wiegelte ab, studierte an der Kugelstoßanlage in ihrem Heimatort Halle lieber die Versuche erfahrener Athletinnen wie Marianne Buggenhagen oder Martina Willing.

Erst seit zwei Wochen trainiert Wyludda mit dem Spezialhocker, auf dem sie im Wettkampf sitzt und Diskus oder Kugel wegschleudert. «Da kann natürlich noch nichts optimal sein», räumt die Hallenserin ein, «der ganze Ablauf und das Feinfeeling müssen noch abgestimmt werden».

Trainer Mädler, im Deutschen Behindertensportverband (DBS) zuständig für die Athleten, die sitzend werfen, will Wyludda keine voreiligen Hoffnungen auf London machen. «Ob es reicht, muss man sehen», sagte der Coach und erklärte, dass das internationale Niveau in Wyluddas Kategorie F58 sehr hoch sei. Für eine Medaillenchance müsse der Diskus über 35 Meter weit fliegen, die Kugel über neun.

An die Weiten kommt Wyludda, die den Diskus zuletzt 25,54 Meter weit warf und die Kugel auf 8,31 Meter stieß, noch nicht ran. Sollte sie sich bis zum Sommer nicht genug steigern, wird Mädler sie wohl nicht nominieren. Einerseits will er ihr in London kein mögliches Aus in der Qualifikation zumuten. Andererseits ist die Konkurrenz im DBS so groß, dass der Trainer keine Medaillenkandidatin für Wyludda daheim lassen will. Eine Promi-Bonus gibt es nicht.

Wyludda steht noch ganz am Anfang ihrer Behindertensport-Karriere. «Jetzt muss sie sich erstmal durch den ganzen Wust durcharbeiten», erzählt Birgit Kober, Weltrekordhalterin mit Diskus, Kugel und Speer in der Kategorie F34. Allein die Aufteilung in Behinderungsklassen und die jeweiligen Normen sind kompliziert. Die Münchnerin traut Wyludda viel zu: «Ich habe gehört, was sie anpackt, zieht sie durch. Aber sie muss weiter werfen. Ich hoffe, sie hält dem Druck stand.»

Doch vor allem eines will Wyludda vermeiden: Druck. «Schön weit werfen», das sei ihr Ziel, und nicht Titel, Medaillen, London in diesem Jahr oder gar Rio de Janeiro 2016. Die Entscheidung, wieder in den Wettkampfsport zurückzukehren, hing vor allem mit ihrem Beruf als Ärztin zusammen. Ohne regelmäßiges Training fehle ihr die Kraft für den Alltag. Am Montag stand Ilke Wyludda wieder auf der Matte - als auszubildende Ärztin in der BG Klinik Bermannstrost in Halle.

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