Geburtstag
Uli Eicke in seinem Büro in Düsseldorf. Foto: Rolf Vennenbernd

Uli Eicke in seinem Büro in Düsseldorf. Foto: Rolf Vennenbernd

dpa

Uli Eicke in seinem Büro in Düsseldorf. Foto: Rolf Vennenbernd

Düsseldorf (dpa) - Unter Kanu-Profis galt er als «Abonnementmeister»: Als Olympiasieger, dreifacher Vizeweltmeister und mit 41 nationalen Titeln gehörte Uli Eicke zu den besten Kanuten Deutschlands. Am 18. Februar wird er 60.

Sein größter Gegner war er selbst. Oft machte die eigene Nervenschwäche Eicke bei wichtigen Rennen einen Strich durch die Rechnung. «Bei den Weltmeisterschaften war ich schon immer sehr nervös. Da ging es darum, meine Psyche in den Griff zu kriegen», sagt der ehemalige Spitzensportler.

So auch bei der WM 1986 in Montreal: Aus der damaligen Sowjetunion, der Paddel-Nation Ungarn und der DDR gingen viele Canadier-Fahrer an den Start, die auf Eickes Niveau fuhren. «Da konnte man sich schon ein bisschen in die Hose machen, wenn man die alle gesehen hat.» Trotz schwacher Nerven paddelte der Wuppertaler in 41 nationalen Meisterschaften als Erster durchs Ziel und wurde dreimal Vizeweltmeister. Wegen seiner beherrschenden Stellung galt er bei Regatten bald als «Abonnementmeister».

Den Höhepunkt seiner Karriere markierte der Olympiasieg im Einer-Canadier 1984 in Los Angeles. Eine große Überraschung war die Goldmedaille für ihn nicht, weil es in dem 1000-Meter-Rennen wegen des Olympia-Boykotts an Konkurrenten mangelte. «Da war weit und breit keiner, der mir gefährlich werden konnte», sagt der Kanute, der ein außergewöhnliches Gefühl für das Wasser hatte. «Es kommt darauf an, im Wasser möglichst hohen Druck aufzubauen und eine hohe Kraft zu entwickeln. Dieses Gefühl hatte ich besonders ausgeprägt.»

Nach seinem Ausstieg aus dem Spitzensport 1986 baute Eicke den Olympiastützpunkt (OSP) in Köln mit auf, um die Betreuung von Sportlern disziplinübergreifend zu verbessern. In seinen Jahren als OSP-Leiter sprach er auch heikle Themen offen an. Für reichlich Gesprächsstoff sorgten die von ihm erhobenen Dopingvorwürfe: «Jeder weiß, dass nach wie vor gedopt wird, und das nicht zu knapp. In Deutschland laufen bestimmte Trainingspläne nur mit Doping rund», hatte er der «Frankfurter Rundschau» 1994 gesagt. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen legte er sein Amt 1995 nieder und wechselte an eine Düsseldorfer Realschule als Lehrer für Sport und Mathematik.

Seit 2008 arbeitet Eicke als Heilpraktiker in Düsseldorf. Mit seiner Therapie will er Patienten vor unnötigen Operationen bewahren und eine bessere medizinische Betreuung ermöglichen, als er sie selbst genossen hat. «Nach meiner Karriere war ich orthopädisch gesehen ziemlich desolat», sagt er im Rückblick. «Ich brauchte schon viele Spritzen, um meine Schulterschmerzen in den Griff zu kriegen.»

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