Der Gastgeber investierte Millionen in einen sportlichen Fünfjahresplan. Nur Medaillen zählen.

Vancouver. Go Canada Go. Die sportliche Aufforderung klebt in Vancouver und Whistler überall in den Schaufenstern. Es geht in den kommenden 17 Tagen für die olympischen Gastgeber vor allem um eines: Um die erste olympische Goldmedaille bei Spielen auf kanadischem Boden. Sowohl bei den Sommerspielen 1976 in Montréal als auch bei den Winterspielen 1988 in Calgary gab es für die Sportler mit dem großen Herz und dem Ahornblatt auf der Brust keine goldenen Momente. Das soll diesmal anders werden, alles ist generalstabsmäßig geplant. Das Projekt Own the podium ("Erobert das Podest") ist ein Fünf-Jahres-Plan, der auf diese zwei Februar-Wochen ausgelegt ist und Platz eins im Medaillenspiegel bringen soll.

Schön. Gut. Aber die Kanadier können in allen Wettbewerben Letzte werden, Hauptsache die Eishockeyjungs holen Gold. 500.000 Karten hätten für das Finale verkauft werden können. Auf dem Schwarzmarkt werden für die Tickets bis zu 3076 Euro geboten.

Heinzpeter Platter macht sich nichts vor. Der Südtiroler wurde zu Beginn des Projekts Own the podium (OTP) als Co-Trainer der Skidamen geholt und erklärt: "In Kanada ist Eishockey am wichtigsten, dann kommt Eisschnelllauf, dann kommen wir." Drei Medaillen sollen, nein müssen die Alpinen holen. Das ist sehr ambitioniert - was Platter seit Monaten beschäftigt. Denn die Alpinen sind von einer biblischen Verletzungsplage heimgesucht worden. Kelly Vanderbeek hat einen Kreuzbandriss, Larisa Yukwin hat einen Kreuzbandriss, Anna Goodman hat einen Kreuzbandriss, Jean-Philippe Roy hat einen Kreuzbandriss, Francois Bourque hat einen Kreuzbandriss und John Kucera hat, so ein Kreuz, einen Schien- und Wadenbeinbruch. Besonders ihm, dem Abfahrtsweltmeister, wird das Herz bluten, wenn am Samstag (20.45 Uhr/ARD) in Whistler der Olympiasieger in der Abfahrt ermittelt wird.

"Warum sollen wir nicht versuchen, die Nummer eins zu werden?"

Jetzt müssen andere ran. Robbie Dixon zum Beispiel. Der 24-Jährige vom Whistler Mountain Ski Club hat ein Heimspiel, im Training geglänzt und sagt: "Es ist großartig, vor der eigenen Haustüre zu fahren, auch wenn da doch eine Menge Druck dabei ist. Aber ich versuche, ihn positiv zu nutzen." Die Kanadier haben nicht mehr viel zu verlieren. Heinzpeter Platter sagt: "Bei den Frauen müssen es jetzt eben Emily Brydon und Britt Janyk rausreißen." Janyk, sie gilt als Whistlers Sweetheart, freut sich: "Hier habe ich mit zwölf, dreizehn Jahren die Jungs abgehängt." Die heute  29-Jährige kommt aus Kanadas bekanntestem Ski-Clan. Ihr Opa ist einer der Pioniere im Ende der 60er Jahre entstandenen Skigebiet, ihre Mutter Andrée war im Nationalteam und unterstützt ihre Tochter sowie ihren Sohn Michael (27), "damit sie für Kanada das Podium erobern".

Kanada nimmt OTP sehr ernst. Britt Janyk ist dennoch realistisch: "Ich wäre auch mit einem zehnten Platz zufrieden, denn es sind nicht nur diese Zehn, die Gold gewinnen wollen." OTP-Chef Roger Jackson sagt: "Arroganz gehört nicht in unser Repertoire. Wir wollen mit Own the podium ein Zeichen setzen und ein Ziel vorgeben. Und wir haben uns gesagt: Warum sollen wir nicht versuchen, die Nummer eins zu werden?"

Britt Janyk wohnt übrigens nicht bei ihren Eltern, sondern mit der Mannschaft im olympischen Dorf: "Meine Mutter hat mein Zimmer ohnehin an meinen Cousin vergeben." Es wollen schließlich alle hautnah dabei sein, wenn die kanadische Sportfamilie das Podium erobert.

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