Das Foto des Nationalspielers und der Kanzlerin hatte diplomatische Verwicklungen mit dem DFB zur Folge.

Berlin/Düsseldorf. Es war ein Bild nicht unbedingt prickelnder Erotik, aber doch multikultureller Harmonie und Symbolkraft: Angela Merkel, im Blazer so grün wie der Rasen des Berliner Olympiastadions, schüttelte dem halbnackten deutsch-türkischen Fußball-Helden Mesut Özil die Hand. In der Kabine der deutschen Nationalmannschaft.

Nach dem 3:0-Sieg gegen die Türkei. Mitten in der hitzigen Integrationsdebatte gratulierte die Bundeskanzlerin dem personifizierten Integrationsvorbild. Geht doch!

Aber da hat die Politik die Rechnung ohne Dr.Theo Zwanziger gemacht. Denn Merkels Entourage hatte einen unverzeihlichen Fehler begangen: Sie hatte den Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) auf dem Weg in die Kabine nämlich einfach vergessen.

Zwanziger beschwerte sich im VIP-Raum bei Innenminister Thomas de Maizière und grummelte anschließend in Interviews, der DFB dürfe sich nicht von der Politik instrumentalisieren lassen (jedenfalls nicht, solange Herr Zwanziger nicht dabei ist, Anm.d.Red.). Nun drohte eine ernste diplomatische Krise zwischen Kanzleramt und DFB, weshalb die geübte Krisenmanagerin Merkel (Finanzkrise, Energiekrise, Afghanistankrise und nun DFB-Krise) telefonisch bei Herrn Zwanziger vorsprach.

Von "Entschuldigung" war in der Frankfurter DFB-Zentrale die Rede, was Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch dementierte: "Es gab nichts, wofür sie sich hätte entschuldigen müssen." Nun sei aber wieder "alles gut zwischen den beiden".

Puh, das war ganz schön knapp. Um die Integration des amtierenden DFB-Präsidenten weiter voranzutreiben, wird Frau Merkel am Donnerstag den Festakt des DFB-Bundestags in Essen mit ihrem Besuch beehren. Tags darauf wird Herr Zwanziger, so es die Delegierten wollen, wiedergewählt. Dazu schon mal herzlichen Glückwunsch!

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