Mit seinem Olympiasieg hat der Triathlet seinen Sport in den Blickpunkt gerückt. Für die anderen Sportler ist er Champion des Jahres.

Osnabrück/Saarbrücken. Sein Leben nach dem Olympiasieg hat sich verändert. "Ich als Typ aber nicht", stellt Triathlet Jan Frodeno gleich klar. Den Sonnyboy übermannen noch heute Glücksgefühle, wenn er an jenen 19. August denkt, der für alle Zeiten mit seinem Namen verbunden ist. Olympiasieger ist man für die Ewigkeit.

Und für die Öffentlichkeit. "Es gibt viele Leute, die sich für unseren Sport interessieren und mich auf diesen Moment in Peking ansprechen." Den schnellen Reichtum will er aber nicht erzwingen. "Ich kann mir Zeit lassen. Vorher habe ich alles selber gemacht, jetzt arbeite ich mit einer Agentur zusammen."

Jan Frodeno, der im südafrikanischen Kapstadt aufgewachsen und in seiner Jugend der totale Antisportler gewesen ist, hat Märchenhaftes erlebt. Nicht nur bei den Sommerspielen in China, sondern auch Wochen später in Agadir. Umgeben von einer Kulisse wie aus 1001 Nacht wird er bei einer Dankeschönfeier der Deutschen Sporthilfe zum Champion des Jahres gewählt. 81 deutsche Spitzenathleten stimmen ab. "Das ist ein unfassbares Gefühl, von den besten Sportlern geehrt zu werden. Sie wissen am besten, welche Entbehrungen man auf sich genommen hat."

Gefragt ist der Ausdauersportler, dessen Höhenflug mit der Absicht einhergeht, den Pilotenschein zu machen, mittlerweile auch als Redner. "Ich bin ein Freund des gesprochenen Wortes. Insofern fällt es mir nicht schwer, Vorträge zu halten." Managern und Firmenangehörigen bringt er näher, dass Leistungssport und Marktwirtschaft dicht beieinander liegen. "Der Weg zur Spitze ist relativ ähnlich. Man hat ein konkretes Ziel vor Augen." Und dieses Ziel hat er mit einem Satz untermauert, der heute vor allem in Unternehmerkreisen so etwas wie ein geflügeltes Zitat ist. "Ich hatte keinen Plan B, also musste Plan A funktionieren."

Jan Frodeno: "Olympia war mein Lebenstraum"

"Für mich ist es der einzig richtige Weg. Denn man kann sich nur einer Sache mit aller Kraft und Intensität widmen. Alles andere lenkt nur vom eigentlichen Ziel ab", erläutert Frodeno, dessen Spruch "Sieg oder Sibirien" nach dem Rennen seines Lebens noch vielen in Erinnerung ist.

Seine Goldmedaille hat er nach Möglichkeit immer in seiner Nähe. Der Olympiasieg am Mingtomb Stausee ist in seinem Kopf präsent. "Olympia war mein Lebenstraum. Und der Sieg ist ein absoluter Ritterschlag. So etwas vergisst man nie. Zum Beispiel wenn ich im Radio ein Lied höre, das auch auf meiner Motivations-CD war. Da bekomme ich heute noch eine Gänsehaut."

Jan Frodeno ist Berufstriathlet. Das steht auf seiner Visitenkarte. Und dieser Profession will er nach all den Feierlichkeiten und Umläufen in TV-Sendungen und Redaktionen nun wieder verstärkt nachkommen. Wie ein Asket hat er vor Olympia gelebt. Jetzt beginnt die Tortur von Neuem. Vor kurzem hat er ein Trainingslager in seiner alten Heimat Südafrika absolviert. Die Intensität der Übungen liegt zurzeit bei zwei, drei Einheiten pro Tag. "Die Konkurrenz schläft nicht", sagt der Saarbrücker, dessen großes Ziel jetzt die neue Weltserie ist.

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