Der Manager des 1. FC Köln verteidigt seinen international besetzten Kader und hofft auf einen Vereinsrekord.

Kölns Manager Michael Meier musste sich zuletzt häufiger erklären.
Kölns Manager Michael Meier musste sich zuletzt häufiger erklären.

Kölns Manager Michael Meier musste sich zuletzt häufiger erklären.

dpa

Kölns Manager Michael Meier musste sich zuletzt häufiger erklären.

Viele Kritiker sagen, in Köln kommen die Leute nicht mehr in erster Linie wegen des Fußballs ins Stadion. Hat die Identifikation mit dem 1. FC Köln nachgelassen?

Michael Meier: Da muss ich widersprechen. Die Zeiten haben sich geändert. Vor 30 Jahren spielte der Club um die Plätze in der Champions League. Auf Augenhöhe mit Bayern München. Damals hatten wir einen Schnitt von 18.000 Zuschauern.

Heute ist Zuspruch der Fans messbar. Wir haben heute 50.000 Mitglieder und 25.000 Dauerkarteninhaber. Durch die Abstiege hat sich meiner Meinung nach die Identifikation mit dem FC sogar erhöht.

Damals spielten Kölner, heute ist die von Ihnen zusammengestellte Mannschaft international.

Meier: Wir hatten damals kein treues Publikum, das haben wir jedoch heute. Wenn Leute wie Rudi Völler sagen, in Köln sei die Stunde vor dem Spiel wichtiger als das Spiel, diskreditiert das unsere Arbeit. In nicht allzu ferner Zukunft wird das Publikum in Deutschland noch mehr eines mit Migrantenhintergrund sein.

Ist für das Publikum der Fußball nicht oft sekundär?

Meier: Für uns ist der sportliche Erfolg wichtig. Wir brauchten Personal mit Erfahrung, um mit dem hohen Erwartungsdruck fertig zu werden. Das können Sie nicht nur mit jungen Leuten aus dem eigenen Nachwuchs realisieren. Ich stehe zu der Entscheidung, auf internationales Personal zu setzen.

Manchmal erscheint heute das Geschehen auf dem Rasen als sekundär, weil der Fußball sich mehr und mehr als Event darstellt. Aber das gilt nicht nur für den FC, sondern für die gesamte Bundesliga.

Zugleich beschwören Sie die alten Zeiten, wenn Sie eine Rückkehr zur elitären Arroganz fordern?

Meier: Das hat mir viel Kritik eingebracht. Allerdings habe ich das in einem anderen Zusammenhang gemeint. Ich will zurück zu einem neuen, alten Selbstbewusstsein. Und Elite ist ja nichts Schlechtes. Der Begriff war sicher nicht passend, aber wir brauchen wieder dieses Selbstbewusstsein, das uns früher auszeichnete.

Wenn der Club so ambitioniert ist, müssen Sie mit der sportlichen Situation unzufrieden sein.

Meier: Wir wussten, das zweite Jahr in der Bundesliga wird knallhart. Unser Ziel sind 40 Punkte. Das Pokal-Viertelfinale haben wir nicht einkalkuliert. Wenn wir den Klassenerhalt schaffen, haben wir einen Rekord aufgestellt. Nach den Aufstiegen hat es der FC nie geschafft, länger als zwei Jahre erstklassig zu bleiben.

"Prognosen sind in diesem Geschäft schwierig. Deshalb gebe ich keine ab."

Sind Ihre Pläne aufgegangen?

Meier: Wir haben hohe Investitionen getätigt, wir brauchten ein Gesicht. Wir haben zehn Millionen für Lukas Podolski ausgegeben. Das hat sportlich noch nicht funktioniert. Wir haben in Qualität investiert, das ist noch nicht zu hundert Prozent aufgegangen.

Können Sie die Kritiker verstehen?

Meier: Mich ärgert, wenn gesagt wird, die müssen endlich einmal ambitioniert investieren. Das haben wir getan. Mit Pedro Geromel, Youssef Mohamad, Petit, Maniche, jetzt Zoran Tosic. Und wir haben ambitionierte junge Leute. Worum wir jeden Tag kämpfen, ist das Vertrauen in die handelnden Personen.

Wo steht der FC in fünf Jahren?

Meier: Darauf habe ich keine Antwort. Aber: Das Koordinatensystem in der Bundesliga hat sich extrem verändert. Ich nenne Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim. Die nehmen das Projekt Bundesliga richtig ernst. Dann die großen Vereine wie Hamburg, Dortmund, Schalke, Bremen oder die Bayern. Da nach oben zu kommen, ist extrem schwer.

Es geht immer nur ums Geld.

Meier: Es geht um Fernsehgelder, um das internationale Geschäft. Prognosen sind in diesem Geschäft schwierig. Deshalb gebe ich keine ab.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer