Interview: Bescheidenheit war seine Sache noch nie. Der Dortmunder Trainer sieht sich vor dem Revierderby auf dem richtigen Weg.

Dortmund. Seit Jürgen Klopp Trainer bei Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund ist, geht es für den Revier-Klub aufwärts. Daran ändert auch das enttäuschende 1:1 gegen den FC Energie Cottbus nichts. Der BVB steht auf Rang acht der Tabelle und macht sich weiter Hoffnungen auf die direkte Uefa-Cup-Qualifikation. Der Trainer gibt sich im Gespräch mit unserer Zeitung optimistisch.

Herr Klopp, bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Die zwei wichtigsten Spiele der Saison sind die Spiele gegen ...

Jürgen Klopp: Schalke 04 - die Revier-Derbys. Das steht außer Frage. Mir hat gleich zu Beginn ein Fan klar gemacht, dass es ihm völlig egal ist, ob wir absteigen oder in den Uefa-Cup einziehen, solange wir Schalke zweimal schlagen. Das gibt es sonst nirgends.

Sie sind angekommen im Ruhrpott. Haben Sie damit gerechnet, so schnell akzeptiert zu werden?

Klopp: Ich bin zu 100 Prozent davon ausgegangen, dass ich akzeptiert werde. Schließlich hätte Borussia Dortmund eine schlechtere Wahl treffen können. Und wäre ich nicht von Anfang an akzeptiert worden, hätte ich mir die Akzeptanz erarbeitet.

Nicht nur als Trainer in Mainz waren Sie erfolgreich, sondern auch als Fernseh-Experte für das ZDF.

Klopp: Ich empfinde es als logischen Schritt, dass es weiter geht. Natürlich gehört auch Glück dazu, aber es nicht so, dass das Fernsehen dazu geführt hat, jetzt Borussia Dortmund trainieren zu dürfen. Ich bin kein so schlechter Trainer. Ich habe auch das Gefühl gehabt, in Mainz erfolgreich gewesen zu sein - gemessen an den Möglichkeiten. Deshalb habe ich auch nicht das Gefühl, beschenkt worden zu sein.

Nach einem halben Jahr kann man sagen: Borussia Dortmund und Jürgen Klopp - das scheint zu passen. Was machen Sie anders als Ihre Vorgänger?

Klopp: Wir haben die völlig überzogene Erwartungshaltung der Anhänger zurechtgerückt. Der Verein hing am Tropf - und in dieser Zeit hat Bert van Marwijk Erfolg gehabt. Dann hat es nicht mehr funktioniert und der Verein hat Thomas Doll geholt, der erst Erfolg hatte, dann aber nicht den nächsten Schritt geschafft hat. Wichtig war, eine realistische Erwartungshaltung zu schaffen. Die Leute in Dortmund haben nicht verstanden, dass man einen Verein nicht gesund machen und gleichzeitig internationale Ansprüche erfüllen kann.

Der BVB hat in der Winterpause in Kevin-Prince Boateng nur einen neuen Spieler verpflichtet. Ist das eine Reaktion auf die Wirtschaftskrise?

Klopp: Wir haben den Kader gestrafft, um die Möglichkeit zu haben, die Planung für die neue Saison früher anzugehen. Wir haben uns im Winter Gedanken gemacht, wie man die finanzielle Situation schon mit Blick auf die kommende Saison verbessern kann. Natürlich haben auch wirtschaftliche Aspekte eine Rolle gespielt.

Ist es nicht gefährlich, den Kader so drastisch zu reduzieren?

Klopp: Es ist nicht so, dass wir ein Risiko eingehen. Wenn alle fit sind, haben wir eine gute Mannschaft. Natürlich kann es für ein Spiel passieren, dass zwei, drei Spieler plötzlich verletzt ausfallen. Das muss man einkalkulieren. Aber die Alternative wäre gewesen, sieben, acht Spieler auf der Bank sitzen zu haben.

Mit Marc-André Kruska, Delron Buckley und Robert Kovac haben Spieler den Verein verlassen, die sich beschwert haben, von Ihnen ungerecht behandelt worden zu sein. Hat das Betriebsklima eine Rolle gespielt?

"Der größte Depp auf dem Planeten ist immer der Trainer, der mich nicht aufstellt."

Klopp: Nein, überhaupt nicht. Auch Diego Klimowicz hat sich beschwert, und Antonio Rukavina hätte es auch getan, wenn er mehr Deutsch könnte. Ich muss nicht der Freund der Spieler sein. Der größte Depp auf dem Planeten ist immer der Trainer, der mich nicht aufstellt - das war bei mir als Spieler nicht anders.

Stört Sie das nicht?

Klopp: Nein. Zumal solche Auseinandersetzungen immer hinterher medial aufgebauscht werden. Wenn man das Geschäft kennt, lässt einen das kalt. Mir zumindest macht das nichts aus.

Viele Vereine sind zu Leihgeschäften übergegangen.

Klopp: Ich persönlich finde das nicht so wahnsinnig gut, ich finde es besser, man kauft die Jungs.

Bayern München hat in der Winterpause das Talent Toni Kroos an Bayer Leverkusen ausgeliehen. Wäre Kroos auch eine Alternative für Borussia Dortmund gewesen?

Klopp: Nein, weil wir für Spieler keine so hohen Leihgebühren zahlen würden wie Leverkusen oder Hoffenheim. Wenn es stimmt, dass Hoffenheim für Sanogo 900000 Euro Leihgebühr an Bremen bezahlt, dafür wurden früher Spieler verkauft. Diesen Preis war ich als Spieler im ganzen Leben nicht wert.

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