Andreas Wolff war der Matchwinner im EM-Finale gegen Spanien. Mit seinen Paraden trieb er den Gegner zur Verzweiflung. Im Interview spricht der Handball-Zerberus über die Bedeutung des Titels, die weiteren Ziele und wann er wusste, dass den Deutschen der Titel nicht mehr zu nehmen ist.

Unfassbar
Torhüter Andreas Wolff zeigte mit knapp 50 Prozent gehaltener Bälle erneut eine überragende Partie. Foto: Jens Wolf

Torhüter Andreas Wolff zeigte mit knapp 50 Prozent gehaltener Bälle erneut eine überragende Partie. Foto: Jens Wolf

dpa

Torhüter Andreas Wolff zeigte mit knapp 50 Prozent gehaltener Bälle erneut eine überragende Partie. Foto: Jens Wolf

Andreas Wolff, Sie haben vom ersten Tag an bei diesem Turnier vom Europameistertitel gesprochen. Jetzt haben Sie die Goldmedaille um den Hals hängen und die Schale in der Hand. Was geht Ihnen gerade durch den Kopf?
Andreas Wolff: Es ist einfach unglaublich. Es war immer mein Ziel, eine Goldmedaille zu gewinnen. Jetzt habe ich die erste hier in der Hand. Ich hoffe, dass noch einige folgen. Ich wusste, dass Glaube Berge versetzen kann. Wir haben hier in Polen sogar eine riesige Gebirgskette versetzt. Sie haben die Spanier zur Verzweiflung gebracht.

Ab wann haben Sie gewusst, dass das Ihr Spiel werden würde?
Wolff: Ich war heute den ganzen Tag über sehr entspannt, weil ich mir sicher war, dass wir das Finale gewinnen würden. José Hombrados und Ivano Balic haben mir im Vorfeld gesagt, dass ich das Spiel genießen und bloß nicht verkrampfen soll. Das ist mir gelungen. Aber ich hatte auch eine sensationelle Abwehr vor mir, die mir das leicht gemacht hat. Wir waren frischer, wir waren heißer und haben den spanischen Stier an den Hörner gepackt.

Ab wann wussten Sie, dass nichts mehr schiefgehen kann?
Wolff: 15 Sekunden vor Schluss habe ich geahnt, dass es gut für uns ausgehen könnte.

Und jetzt im Ernst?
Wolff: In der 53. Minute bin ich noch zu Carsten Lichtlein gegangen und habe ihm gesagt, dass wir aufpassen müssen. Aber kurz darauf war alles klar. Da hatten die Spanier auch aufgegeben.

Hat Sie die Berufung ins All-Star-Team dieser EM zusätzlich motiviert?
Wolff: Das ist eine schöne individuelle Auszeichnung. Tobias Reichmann, der ja als Rechtsaußen auch im All-Star-Team steht, hat mir heute Vormittag davon erzählt. Aber wichtiger war der EM-Titel. Hätten wir dieses Finale verloren, wäre dieses Turnier immer ein Makel gewesen. So aber war es ein perfektes Spiel mit einem perfekten Ende.

War das der Beginn einer neuen Ära im Handball?
Wolff: Wir sind jetzt auf jeden Fall erst einmal das beste Team von Europa. Und das mindestens zwei Jahre lang. Wir stehen also an der Weltspitze. Das wird aber eine Menge Arbeit für uns, das zu verteidigen.

Nebenbei haben Sie sich auch für Olympia qualifiziert. Ein nächster Traum, der da im Sommer in Erfüllung geht?
Wolff: Na klar. Vor allen Dingen ist es unser nächstes großes Turnier. Ich hoffe, wir können auch dann unsere Topleistung abliefern.

Kann Andreas Wolff so gut feiern, wie er gehalten hat?
Wolff: Das gilt es jetzt zu beweisen. Wir werden es heute Abend sicherlich nicht bei einem Getränk belassen.

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