Leipzig (dpa) - Die Handball-Bundesliga der Frauen feiert traurige Premiere. Wegen der Insolvenz der SG Stuttgarter Kickers/VfL Sindelfingen nehmen zum ersten Mal seit Einführung der eingleisigen Bundesliga 1985 nur elf Teams statt der geplanten zwölf den Kampf um die deutsche Meisterschaft auf.

Für Titelverteidiger und DHB-Pokalsieger Thüringer HC reduzierte sich dadurch die ernsthafte Konkurrenz auf den HC Leipzig, Bayer Leverkusen, den Buxtehuder SV und den FHC Frankfurt/Oder.

«Dass wir schon vor dem ersten Anpfiff ein Resultat kennen, ist ein trauriger Fakt», sagte Andre Fuhr, Trainer der HSG Blomberg-Lippe. Der Rückzug «ist ein herber Schlag für die Bundesliga und den gesamten Frauenhandball. Der Kader meines Kollegen Dago Leukefeld hätte auch das Establishment aufmischen können, doch statt um Erfolge auf dem Parkett müssen Trainer und Spielerinnen nun um ihre Existenzen kämpfen. Das ist bitter.»

Fuhr weiß genau, wovon er spricht. Nach dem Verlust des Hauptsponsors haben die Ostwestfalen Topspielerinnen wie die frühere Welthandballerin Nadine Krause (Leverkusen) oder Saskia Lang (Leipzig) verloren und mussten eine neue Mannschaft zusammenstellen.

Dagegen kann Trainer Herbert Müller beim Thüringer HC auf ein eingespieltes Team setzen und geht zuversichtlich in die Mission Titelverteidigung und erneuter DHB-Pokalsieg. «Freiwillig hergeben werden wir nichts. Wir werden um jeden Millimeter Boden kämpfen», sagte er. Sorgen macht ihm dabei die gestiegene Belastung durch die erstmalige Teilnahme an der kräfteraubenden Champions League. «Der gewohnte Rhythmus ist dahin. Wir haben viele englische Wochen. Daran muss sich die Mannschaft erst einmal gewöhnen», bekannte Müller.

Beim HC Leipzig ist nach einer titellosen Saison die Angriffslust neu geweckt. «Bei uns ist immer der Anspruch da, an der Spitze zu sein», erklärte Manager Kay-Sven Hähner. Klarer drückte sich Nationaltorhüterin Katja Schülke aus. «Wir sind heiß darauf, anzugreifen», verkündete sie. Doch steht der sechsmalige deutsche Meister auch vor einer Saison mit vielen Unbekannten: Trainer Stefan Madsen ist als Nachfolger des zum Bundestrainer aufgestiegenen Heine Jensen neu, Saskia Lang und Spielmacherin Karolina Kudlacz fehlen wegen Verletzungen.

Vizemeister und Pokalfinalist Buxtehuder SV geht ebenfalls nicht unbeschwert in die Saison. «Wir sind jetzt die Gejagten», meinte Dirk Leun. Er muss zunächst auf Steffi Melbeck verzichten. Die Nationalspielerin fehlt wegen eines doppelten Bänderrisses im rechten Fuß .

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