Kämpfer
Michael Kraus kämpft sich durch die gegnerische Abwehr.

Michael Kraus kämpft sich durch die gegnerische Abwehr.

dpa

Michael Kraus kämpft sich durch die gegnerische Abwehr.

Kristianstad (dpa) - Der Strahlemann lacht wieder. Rechtzeitig zur WM in Schweden hat Michael Kraus mit körperlicher Fitness und geistiger Frische den Spaß am Handball neu entdeckt. Die Bewegungen sind wieder geschmeidig, die Würfe präzise, und die Siebenmeter sitzen meistens.

«Ich bin mir sicher, ich fühle mich sicher», sagt der Spielmacher vom Bundesliga-Spitzenreiter HSV Hamburg. Das ist auch dem Bundestrainer aufgefallen. «Er hat seit langer Zeit mal wieder das gezeigt, was in ihm steckt. Ich hoffe, dass er diese Form weiter abrufen kann», urteilte Heiner Brand. Beim Testspielsieg gegen den WM-Gastgeber Schweden zeigte Kraus die ihm eigene Dynamik und Explosivität. Und auch in den verlorenen Partien beim Olympia-Zweiten Island glänzte Kraus als mit Abstand bester Spieler und insgesamt 13-facher Torschütze. «Ich bin ein Spieler, der manchmal aus dem Instinkt heraus spielt. Das darf man mir auch nicht nehmen», sagt Kraus über sich. Diese Freiheit lässt Brand ihm auch.

Vor Jahresfrist sah das ganz anders aus. Der 27-jährige Kraus quälte sich bei der EM in Österreich von Spiel zu Spiel, schleppte sich mehr über das Parkett als er lief. Der Körper streikte und lähmte den Kopf. Und das als Kapitän. Leidfigur statt Leitwolf. «Wenn man nicht fit ist, sollte man nicht spielen. Diesen Fehler habe ich im vergangenen Jahr gemacht. Das Lehrgeld musste ich zahlen. Das passiert mir nicht noch mal», versichert Kraus. Als Zehnter war die deutsche Mannschaft so schlecht wie bei noch keiner EM zuvor.

Sein EM-Auftritt hatte ihm viel und teils harsche Kritik eingebracht. Folgerichtig wurde er die Kapitänsbinde los, sein Hamburger Clubkollege Pascal Hens bekam vom Bundestrainer das Amt übertragen. «'Pommes' ist Kapitän. Und das ist gut so», sagt Kraus. «Wir waren verunsichert, ich vorneweg. Dieses Jahr sind wir fit. Wenn ich fit bin, kann ich der Mannschaft mit meiner Erfahrung und Schnelligkeit helfen.»

2007 bei der Heim-WM war der Stern des explosiven Mittelmannes aufgegangen. Plötzlich kannte jeder den «Bravo-Boy» - und es schien, als wollte auch Kraus alle kennen. Mehrmals wurde ihm in der folgenden Zeit nachgesagt, sein Lebensstil sei nicht immer leistungssportgerecht. Nach der EM 2008 zog Brand die Konsequenzen: Er verordnete ihm wegen mangelnder Einstellung eine Auswahlpause. Kraus kam geläutert zurück. Inzwischen hat er die Marke von 100 Länderspielen geknackt und betont: «Es freut mich, dass ich 100 Mal für Deutschland auflaufen durfte.»

Einher mit körperlicher und geistiger Regeneration ging auch ein Wechsel seines Arbeitgebers. Nach dem versöhnlichen Ausklang des verkorksten Spieljahres 2009/2010 mit dem Gewinn des EHF-Pokals beim TBV Lemgo heuerte Kraus trotz bis 2012 laufenden Vertrages beim HSV Hamburg an. Dort steht er nun bis 2014 in Diensten. «Das war eine absolute Herausforderung. Es war immer mein Ziel, um die deutsche Meisterschaft zu spielen. Ich fühle mich sehr gut da», berichtet er. Dafür hat er sogar tief in die eigene Tasche gegriffen, einen Teil seiner Ablösesumme von geschätzten 300 000 Euro selbst bezahlt und dies «auf gar keinen Fall» bereut. Für Kraus war es schließlich eine Investition ins neue Handball-Glück.

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