Kristianstad (dpa) - Zwei Sekunden lang flog der Ball durch die Luft, eine Sekunde vor Spielschluss schlug er im gegnerischen Tor ein: Mit einem Sonntagstreffer aus mehr als 30 Metern warf Saeed Jahwer Bahrains Handballer nach Schweden.

Durch das Tor zum 26:25 im Halbfinale der Asienmeisterschaft im Libanon gegen Saudi Arabien sicherte der Kapitän und Abwehrchef seinem Team das Debüt bei einer WM. «Er ist nicht nur bei uns ein Held. Er ist sehr berühmt im ganzen arabischen Raum», erzählt Bahrains Verbandspräsident Ali Essa Eshaqi.

Jahwer ist bereits 39 Jahre alt. Schon 1990 hatte er sein erstes Länderspiel absolviert, beim Asien-Cup 1991 war er Torschützenkönig. Nach der WM will er seine Karriere beenden. «Wir sind sehr stolz darauf, dass wir hier sein dürfen und gegen die besten Spieler der Welt spielen», sagt Jahwer. Er wurde Profi - in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Katar. Die Chance auf ein Engagement in Europa ließ er sausen. «Er hatte ein besseres Angebot aus Katar», berichtet der Präsident, der einst mit Jahwer zusammen spielte.

Wenn Bahrain in Kristianstad gegen die deutsche Mannschaft aufläuft, ist es ein ungleiches Duell. Nur ein Berufshandballer steht im Aufgebot der Asiaten. Jaffar Abdul Qader spielt in Dubai. «Alle anderen sind Halbprofis», sagt der Verbandschef. Etwa 1500 Euro verdienen die Spieler, die nebenher einen normalen Arbeitsalltag als Studenten, bei der Armee, in der Verwaltung oder auch bei Banken haben, bei ihren Vereinen. «Als Nebenverdienst ist das gut», urteilt Eshaqi. Nach seiner Aussage liegt das Durchschnitteinkommen in Bahrain bei etwa 2000 Euro.

Es gibt nur eine Liga mit zwölf Clubs, zudem gibt es einen Pokalwettbewerb. «Man kann Bahrain nicht mit Deutschland oder Frankreich vergleichen», sagt der Handball-Präsident. Nur 300 Spieler gibt es in dem Königreich. Der Deutsche Handballbund (DHB) hat 15 Mal so viele Vereine wie Bahrain Spieler. Bahrain ist kleiner als Hamburg und der bisher kleinste WM-Teilnehmer.

In der Gunst der Sportfans rangiert Handball neben Basketball als Nummer eins, Fußball ist bei den Sponsoren beliebter. Zu Spitzenspielen kommen 3000 Zuschauer, der Eintritt kostet umgerechnet rund einen Euro. Der deutsche Kapitän Pascal Hens und der Franzose Nikola Karabatic gehören zu den Handball-Idolen.

Seit drei Jahren steht Ali Essa Eshaqi dem Verband vor. Seither hat sich der Handball rasant entwickelt. 2007 hatte der Golfstaat die WM der männlichen Jugend ausgerichtet, die U18-Auswahl Bahrains hat sich für die WM im August in Argentinien qualifiziert und die Männer feiern ihr WM-Debüt. «Wir haben sehr gute Ergebnisse», meint Eshaqi.

Gute Ergebnisse werden die Araber in Schweden kaum erzielen. Nach 16 Tagen Vorbereitung in Ungarn und Slowenien sind ihre Ansprüche aber auch gering. «Wir kennen unsere Rolle in diesem Turnier», gesteht der dänische Trainer Ulrik Kirkely. Im kalten Skandinavien würde es das Präsidenten-Herz erwärmen, «wenn hinterher jemand zu mir kommt und sagt, ihr habt Talent und könnt etwas erreichen».

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer