Heiner Brand (r) verfolgt ein Spiel seiner Mannschaft.
Heiner Brand (r) verfolgt ein Spiel seiner Mannschaft.

Heiner Brand (r) verfolgt ein Spiel seiner Mannschaft.

dpa

Heiner Brand (r) verfolgt ein Spiel seiner Mannschaft.

Halle/Westfalen (dpa) - Der Pfiff aus der Trillerpfeife ist leise, aber bestimmt und ruft 18 Nationalspieler zusammen: Bundestrainer Heiner Brand hat seinen Handballern wieder etwas zu sagen.

Rund 24 Stunden vor dem bedeutenden EM-Qualifikationsspiel gegen Island steht das Training im Gerry-Weber-Stadion im westfälischen Halle ganz im Zeichen der Defensivarbeit. Heiner Brand erklärt, weist an, erläutert - ruhig, sachlich, unmissverständlich.

Die Spieler hören aufmerksam zu. Und sie setzen mit Einsatz um, was der Gummersbacher von ihnen fordert. Brand wird nicht laut. Anders als beim Abschlusstraining vor der 31:36-Niederlage gegen den Olympia-Zweiten in Reykjavik. Im Gegenteil: Er wirft eine Bemerkung ein und lacht. Trotz des Ernstes der Lage. Denn Trainer wie Spielern ist klar, es gibt sportlich nichts wichtigeres als die EM-Teilnahme, an der auch Olympia 2012 in London hängt. «Wir wissen um die Wichtigkeit der Aufgabe», sagte Kapitän Pascal Hens.

Die Qualifikation für die EM vom 17. bis 29. Januar 2012 in Serbien scheint sein letztes großes Ziel als Bundestrainer zu sein. Dafür zeigt er Einsatz und Leidenschaft und fordert das gleiche von seinen Spielern. Bei den Mannen um Hens hatte er dies zuletzt vermisst. Zuerst beim WM-Debakel mit Platz elf und der verpassten direkten Qualifikation für ein Olympia-Ausscheidungsturnier. Und zuletzt beim Auswärtsspiel gegen Island.

Er hatte im ersten Spiel nach der WM eine Trotzreaktion erwartet, die nicht kam. «Ich hatte mit das anders vorgestellt», gab er zu. Heiner Brand sprach nicht nur von seiner Enttäuschung, sie war für Jedermann sichtbar. Dennoch monierte er nicht die grundsätzliche Einstellung seiner Spieler. «Diese Mannschaft will immer», urteilte er. Zu wichtigen Siegen hat es seit dem WM-Titel 2007 jedoch immer weniger gereicht: Vorrunden-Aus bei Olympia 2008 in Peking, EM-Zehnter 2010 in Österreich und jüngst das historisch schlechte WM-Abschneiden in Schweden. Brand lebt in Bezug auf seine Spieler zwischen Enttäuschung und Hoffnung auf Besserung.

Vielleicht deswegen lässt der 58-jährige Weltmeister-Trainer und -Spieler weiterhin offen, ob er im Juni aus seinem Amt scheidet oder seinen bis Ende 2013 laufenden Vertrag erfüllt. Brands beredtes Schweigen wird als Indiz für den bevorstehenden Abschied gewertet.

In Österreich, dessen Handballer nach dem 34:24-Sieg gegen Lettland weiter ungeschlagener Erster in der deutschen Qualifikationsgruppe sind, sieht man das ähnlich. Zu viel sei zuletzt schief gelaufen und zu gering sei die Unterstützung der Nationalmannschaft von Seiten der Bundesliga. «Brands Versuche, die Vereine in die Pflicht zu nehmen, scheiterten alle. Auch deshalb gilt sein Rücktritt im Juni als wahrscheinlich» folgerte die Tageszeitung «Kurier» aus Wien und befand: «Sein Schweigen ist die lauteste Form des Protests.»

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