Weil Mäzene rar geworden sind, sparen die Klubs vor dem Saisonstart. Der Ligaverband drängt auf Schuldenabbau.

Dominik Klein
Mit Kiel erneut Favorit: Nationalspieler Dominik Klein (l.) beim Supercup-Sieg gegen Flensburg.

Mit Kiel erneut Favorit: Nationalspieler Dominik Klein (l.) beim Supercup-Sieg gegen Flensburg.

dpa

Mit Kiel erneut Favorit: Nationalspieler Dominik Klein (l.) beim Supercup-Sieg gegen Flensburg.

Leipzig. Auch in der Handball-Bundesliga ist sparen angesagt. Die 18 Erstliga-Vereine planen für die am Freitag beginnende Spielzeit mit einem Etat von 72,9 Millionen Euro. Dies sind 750 000 Euro weniger als in der Vorsaison, in der noch ein Rekordetat aufgestellt worden war.

Krösus ist wieder der deutsche Rekordmeister THW Kiel mit 9,5 Millionen Euro. Finanziell aufgestockt wurde beim Triple-Sieger aber nicht. Schlusslicht ist der TV Neuhausen/Erms, der nach dem ersten Aufstieg seit 35 Jahren mit 800 000 Euro nicht mal die Millionen-Grenze knackt.

„Es wird den einen oder anderen harten Einschnitt geben“

Dierk Schmäschke, Geschäftsführer SG Flensburg-Handewitt

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann macht einen klaren Trend aus: „Die Vereine sind auf einem Sparkurs.“ Vorbilder kommen aus Europa, das abschreckendste Beispiel aus Dänemark: Nach dem Rückzug von Mäzen Jesper Nielsen (vorher Rhein-Neckar Löwen) ging AG Kopenhagen, dänischer Meister und Champions-League-Halbfinalist, pleite.

Auch in Hamburg erfolgte nach sieben fetten Jahren ein Kurswechsel. Nach dem Rückzug von Ex-Präsident Andreas Rudolph, der mehrere Millionen Euro in den Klub schoss, wurde der Etat in erheblichem Maße auf 8,1 Millionen Euro gesenkt. „Auch wir müssen sparen“, sagte der neue Präsident Matthias Rudolph, der Sohn. Sogar ein Gehaltsverzicht bei den Spielern von 20 Prozent soll laut Medienberichten im Raum stehen, was Rudolph aber nicht bestätigte.

Bis zur Hälfte der Vereine haben ein negatives Eigenkapital

Auch bei der SG Flensburg-Handewitt steht laut Geschäftsführer Dierk Schmäschke eine „Restrukturierung“ des gesamten Vereins bevor. „Es wird den ein oder anderen harten Einschnitt geben. Wir stellen die Mannschaft in den Mittelpunkt unseres Handelns“, sagte Schmäschke, der bereits die Pressestelle aus betriebsbedingten Gründe schloss.

In der Bundesliga haben laut HBL-Geschäftsführer „ein Drittel bis zur Hälfte der Vereine ein negatives Eigenkapital“. Bohmann: „Das ist handhabbar. Wenn es sich aber über mehrere Jahre immer weiter anhäuft, dann kann es zu Problemen führen.“ Einen Fall Kopenhagen könne es auch hierzulande geben.

Deshalb wurde neben dem vor zwei Jahren eingeführten Neuverschuldungsverbot in diesem Sommer zusätzlich der Schuldenabbau vereinbart. „Die überschuldeten Klubs müssen ihre Schulden in drei Jahren um 30 Prozent abbauen“, erklärte Bohmann. Zuletzt hatte der TBV Lemgo kurz vor der Insolvenz gestanden.

Nur durch Gehaltsverzicht wurde das Schlimmste verhindert. Der VfL Gummersbach und TV Großwallstadt hatten erst im zweiten Anlauf die Lizenz erhalten.

Spektakuläre Transfers sind vor dieser Saison die Ausnahme

Ganz spektakuläre Transfers blieben daher aus. Nachdem Kiel in der vergangenen Saison erstmals seit 23 Jahren keinen Spieler verpflichtet hatte, kommen in Gudjon Valur Sigurdsson, René Toft Hansen, Marko Vujin und Patrick Wiencek vier Neue.

Der HSV muss den Abgang der Gilles-Brüder verkraften und holte die Schweden Andreas Nilsson und Fredrik Petersen. Die Löwen haben unter ihren zehn Zugängen Spieler wie Kim Ekdahl Du Rietz und Niklas Landin. Bei den Füchsen könnte Russe Konstantin Igropulo (Barcelona) nicht nur auf dem Spielfeld für Schlagzeilen sorgen. Seine Frau Marina ist eine populäre Sängerin in ihrer Heimat.

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