Die deutsche Nationalmannschaft fürchtet die Künste des Tschechen Filip Jicha. Foto: Angelika Warmuth
Die deutsche Nationalmannschaft fürchtet die Künste des Tschechen Filip Jicha. Foto: Angelika Warmuth

Die deutsche Nationalmannschaft fürchtet die Künste des Tschechen Filip Jicha. Foto: Angelika Warmuth

dpa

Die deutsche Nationalmannschaft fürchtet die Künste des Tschechen Filip Jicha. Foto: Angelika Warmuth

Hamburg (dpa) - Wenn das deutsche Nationalteam am Sonntag gegen Tschechien aufläuft, sorgt ein Gegenspieler für höchste Alarmstufe: Filip Jicha. «Er ist der beste Handballer, den es derzeit gibt», schwärmt Martin Schwalb, Präsident des HSV Hamburg: «Er ist noch besser als Nikola Karabatic.»

Das Lob des früheren Meistertrainers Schwalb will etwas heißen, denn üblicherweise wird der Franzose Karabatic als der Lionel Messi des Handballs gefeiert. Jicha könnte die Nase hoch tragen. Schließlich ist er Welthandballer des Jahres 2010, Champions-League-Sieger, Meister und Pokalsieger mit dem THW Kiel, wertvollster Spieler der vergangenen EM und und und.

Vor der Wucht des 2,01 Meter großen Rückraumschützen hat das deutsche Team bei seinem ersten EM-Spiel gegen Tschechien höchsten Respekt. Ein gutaufgelegter Jicha, der in 118 Länderspielen 658 Tore erzielt hat, ist für die tschechische Nationalmannschaft die halbe Miete. «Ich weiß ganz genau, dass ich nie Weltmeister oder Europameister werde. Aber ich habe einen Traum: Ich möchte einmal an Olympischen Spielen teilnehmen», sagt Jicha sehnsuchtsvoll. Deshalb will er der deutschen Mannschaft in Serbien ein Bein stellen.

Lob und Ehrungen schmeicheln Jicha zwar, doch so zahlreich sie auch sein mögen, der Starspieler bleibt exakt so, wie er schon sein ganzes Leben ist: bescheiden, höflich, bodenständig. Er liefert keine Skandale, es gibt kein böses Wort von ihm, er wirft einfach seine Tore. 114 sind es in dieser Saison bislang. Damit ist er der Treffsicherste beim Bundesliga-Tabellenführer TWH. «Ich würde nie sagen, dass ich der Beste bin», meint der Dauertorschütze verlegen. Selbst nach bitteren Niederlagen, die beim THW Kiel höchst selten vorkommen, steht der 29-Jährige Rede und Antwort und ergreift nicht wie andere die Flucht.

Jicha nimmt auch deshalb eine Ausnahmestellung ein, weil er in seinen viereinhalb Jahren beim THW zum Universalspieler gereift ist. Aus dem Rückraum wirft er sprunggewaltig seine Tore, in der Abwehr steht er wie ein Fels und selbst als Kreisläufer hat er sich für die Konkurrenten zum Schrecken gemausert. Schwalb nennt ihn «den kompletten Handballer, der alles kann». Alfred Gislason, Jichas Trainer beim THW, setzt noch einen drauf: «Er könnte auch als Rechtsaußen spielen.» Jicha kann einfach alles - bis auf Torwart, das überlässt er anderen.

«Seine Dynamik ist herausragend», lobt Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, den Tschechen und hebt dessen Berufsauffassung hervor. «Er gibt immer alles, egal ob er gegen einen Landesligisten oder gegen den Weltmeister spielt. Das ist beeindruckend.» Glücklich ist der Hobby-Golfer, dass er einen Sport im Team betreibt. Als er einmal Tennisspieler wie Rafael Nadal und Roger Federer im Hotel beobachtete, war er entsetzt. «Es hat mich traurig gemacht zu sehen, wie einsam die alle sind», meint Jicha. «Im Team haben wir richtig Spaß.»

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