«Riesentraum»
Adrian Pfahl hört auf die Anweisungen von Nationaltrainer Heiner Brand (r).

Adrian Pfahl hört auf die Anweisungen von Nationaltrainer Heiner Brand (r).

dpa

Adrian Pfahl hört auf die Anweisungen von Nationaltrainer Heiner Brand (r).

Kristianstad (dpa) - Plötzlich Nationalspieler: Adrian Pfahl ist schlichtweg fasziniert. 28 Jahre ist der Handball-Profi bereits alt, gerade magere neun Länderspiele hat er bestritten, und nun steht er unmittelbar vor seinem WM-Debüt.

«Die Aufregung ist da, die Vorfreude ist viel, viel größer», bekennt der Rückraumspieler vom VfL Gummersbach. Der Linkshänder lebt seinen Traum. «Mit der Nationalmannschaft ist für mich ein Riesentraum in Erfüllung gegangen. Für mich ist es das Größte. Ich lebe für den Handball», erzählt er mit glänzenden Augen.

Adrian Pfahl ist ein Spätstarter. Mit 27 Jahren hat er sein Länderspiel-Debüt gegeben. «Ich bin ein bisschen spät dran», gibt er selbst zu, «aber auch andere Nationen haben ihre Spätzünder.» Pfahl hat eher Windeln gewechselt als das Auswahltrikot getragen. Als er seine Premiere am 12. Juni 2010 im Dress des Deutschen Handballbundes (DHB) gab, war nach Tochter Lena mit Sohn Felix schon der zweite Sprössling unterwegs.

Lange schien Pfahls Begabung in der zweiten Liga und im Mittelmaß unbeachtet zu bleiben. Pascal Hens, Michael Kraus und Co. feierten 2007 bis zum Abwinken ihren Weltmeister-Titel, Pfahl bestaunte den Endspiel-Sieg beim Public Viewing im niederrheinischen Kaarst. «Damals hatte ich nicht die Nationalmannschaft im Kopf, sondern es ging um den Aufstieg in die Bundesliga mit Dormagen», sagt er rückblickend.

2008 schien dann endlich der ersehnte Aufstieg zu kommen. Alfred Gislason holte den talentierten Linkshänder zum VfL Gummersbach. Doch bevor Pfahl einmal unter dem Isländer trainieren konnte, wanderte dieser zum THW Kiel ab. Unter Nachfolger Sead Hasanefendic kam er anfangs gar nicht zurecht. «Ich hatte wenig Einsatzzeiten. Sead hatte seine erste Sieben», berichtet er. Nach einem halben Jahr setzte das Nachdenken ein, er wollte spielen und setzte sich zu HBW Balingen- Weilstetten ab. «Ich sah meine Felle davonschwimmen und habe etwas die Flucht gesucht.»

Dann aber wendete sich das Blatt. Alex Alvanos, mit dem er auf seiner Position konkurrierte, verletzte sich. Drei Tage nach seiner Vertragsunterschrift in Balingen war er in Gummersbach gefragter denn je. Und plötzlich lief alles wie am Schnürchen: Tolle Spiele unter anderem gegen Wetzlar, im Europacup gegen Ivry (Frankreich) und im DHB-Pokal-Halbfinale gegen den HSV Hamburg machten ihn in Gummersbach unverzichtbar. Und es gab ihm das Selbstvertrauen, das ihm zuvor gefehlt hatte. «Ohne Selbstbewusstsein kann man seine Leistung nicht abrufen.»

Als er gefragt wurde, ob er nun doch bleiben wolle, nahm Adrian Pfahl das Angebot dankend an. Dass er zu diesem Zeitpunkt schon seine Wohnung in Gummersbach gekündigt hatte, spielte keine Rolle mehr. «Es hat sich gelohnt. Alles richtig gemacht», urteilt er nun. Bis 2013 hat Pfahl nun einen Vertrag beim VfL Gummersbach.

All dies Auf und Ab, dies Hin und Her ist vergessen. Pfahl hat sich binnen zwei Jahren in der Bundesliga durchgesetzt und in dieser Zeit auch Bundestrainer Heiner Brand überzeugt. «Jetzt ging alles schnell. Dass es mit 27 Jahren noch geklappt hat, ist sehr schön», bekennt der Familienmensch, der nun auch eine Schattenseite des Nationalspieler-Daseins kennenlernt. Erstmals ist er durch die WM und die Vorbereitung für vier Wochen von Frau Jennifer, Tochter Lena und Sohn Felix getrennt. Die Sehnsucht nach der Familie sollen Bilder auf seinem Laptop stillen. Und dank der Technik soll auch der visuelle Kontakt nicht abreißen: «Ich möchte einmal pro Woche die Kinder sehen.»

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