Der THW gewinnt gegen den FCBarcelona nach 2007 erneut die Champions League.

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Champagnerdusche nach dem Triumph: Der THW Kiel feiert zünftig in Köln.

Champagnerdusche nach dem Triumph: Der THW Kiel feiert zünftig in Köln.

dpa

Champagnerdusche nach dem Triumph: Der THW Kiel feiert zünftig in Köln.

Köln. Eigentlich ging es für den THW Kiel vor allem darum, die Schatten der Vergangenheit endgültig hinter sich zu lassen. Der vormals einzige Erfolg des THW in der Handball-Champions-League aus dem Jahre 2007 steht immer noch unter Manipulationsverdacht.

Weil Ex-Manager Uwe Schwenker und Ex-Trainer Noka Serdarusic vorgeworfen wird, den Sieg vor drei Jahren über die SG Flensburg durch Bestechung der Schiedsrichter ermöglicht zu haben.

Seit Sonntag ist das Vergangenheit. Mit dem neuen Manager Uli Derad und Trainer Alfred Gislason gelang dem deutschen Rekordmeister beim erstmals ausgetragenen Final Four der Champions League in Köln der ganz große Coup.

Nachdem die Mannschaft in einem herausragenden Spiel Titelverteidiger und Favorit Ciudad Real bereits im Halbfinale am Samstag mit 29:27 geschlagen hatte, gelang im Finale eine absolut denkwürdige Vorstellung. Mit 34:36 (20:17) musste sich der sechsmalige Gewinner FC Barcelona geschlagen geben, Gislason sprach pathetisch von "einem großen Tag für den THW und den deutschen Handball".

Mit 19.374 Fans Europarekord für ein Handballspiel

Aber man konnte das nachempfinden. Von der Mannschaft und ihrem Trainer fiel nach einer unglaublichen kämpferischen Leistung großer Ballast ab. Die Köln-Arena wurde für 48 Stunden zur Kieler Ostseehalle, spätestens seit dem Weltmeisterschaftsfinale 2007 ist Köln eine Handball-Zentrale. Köln feierte Kiel. Dieses Finale war eines der ganz großen Handballspiele und an Dramatik kaum zu überbieten.

Der französische THW-Torwart Omeyer wächst über sich hinaus

FC Barcelona - THW Kiel 34:36 (20:17)

FC Barcelona: Garcia (13 Tore/davon 10 Siebenmeter), Noddesbo (6), Rutenka (4), Tomas (4), Romero (2), Garabaya (1), Sarmiento (1), Nagy (1), Hansen (1), Igropulo (1)

THW Kiel: Jicha (11/2), Zeitz (6), Klein (5), Narcisse (4), Lundström (3), Sprenger (2), Anic (2), Lund (1), Ahlm (1), Ilic (1/1)

Schiedsrichter: Olesen/Pedersen (Dänemark)
Zuschauer:
19.374
Strafminuten: FCB 6 / THW 6

Medwedi Tschechow - BM Ciudad Real 28:36 (15:19)

Medwedi Tschechow - FC Barcelona 27:34 (11:17)
BM Ciudad Real - THW Kiel 27:29 (15:12)

Der Franzose Thierry Omeyer, Weltmeister, Olympiasieger, vielleicht der beste Torwart der Welt, hatte im Halbfinale Großes geleistet. Im Finale vor 19.374 Fans, mehr Zuschauer sahen in Europa noch nie ein Handballspiel, musste er zwischenzeitig Peter Gentzel Platz machen, kam zurück, hielt mit seinen unglaublichen Glanzparaden den THW im Spiel und wuchs im zweiten Durchgang über sich hinaus. Die THW-Offensive blieb anfangs hinter den Erwartungen zurück, einzig Filip Jicha traf. Erst in Durchgang zwei kamen auch Daniel Narcisse, Christian Zeitz und Kreisläufer Igor Anic auf Touren.

Die Schlussphase verlief dramatisch. Ein verwandelter Siebenmeter von Momir Ilic zum 31:30 bedeutete die erste Führung der Kieler. Danach trafen Narcisse, Zeitz, Jicha, nochmals Narcisse und zum 36:34 der überragende Filip Jicha, der auf insgesamt elf Treffer kam. In der Champions League erzielte er unglaubliche 119 Tore. Nach der Siegerehrung ging es zur Champions Gala in die Kölner Innenstadt.

Vereine und der Europäische Verband wollen besser kooperieren

Am Rande der Final-Four-Premiere vereinbarten der Europäische Verband EHF und die Vereine für die Zukunft eine intensive Zusammenarbeit in einem gemeinsamen "Board". EHF-Präsident Tor Lian aus Norwegen nannte das einen "Meilenstein": "Verbände und Vereine dürfen in Europa nicht länger gegeneinander arbeiten." In Deutschland zur Nachahmung empfohlen.

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