Riesch, Neuner – und jetzt? An die Marke von Turin reicht das deutsche Team bislang nicht heran.

Der Stolz des Präsidenten und neben Maria Riesch der Superstar: Magdalena Neuner und Thomas Bach.
Der Stolz des Präsidenten und neben Maria Riesch der Superstar: Magdalena Neuner und Thomas Bach.

Der Stolz des Präsidenten und neben Maria Riesch der Superstar: Magdalena Neuner und Thomas Bach.

dpa

Der Stolz des Präsidenten und neben Maria Riesch der Superstar: Magdalena Neuner und Thomas Bach.

Düsseldorf. Die olympischen Fernsehquoten in Deutschland sind überragend. Auch das zweite Duell gegen König Fußball ging klar an Vancouver. 7,79 Millionen Zuschauer sahen im ZDF am Donnerstag Abend das Biathlon-Rennen der Damen, danach 7,66Millionen das Gold von Maria Riesch in der Super-Kombination. Für Twente Enschede gegen Werder Bremen interessierten sich gerade einmal 2,88 Millionen. Und das auch nur in der zweiten Halbzeit.

Thomas Bach warnt weiter vor "überzogenen Erwartungen"

Wenn nur die deutschen Medaillenquoten bei den Olympischen Winterspielen in Vancouver ähnlich wären. Die Funktionäre, die von sich behaupten, keine Medaillen zu zählen, obwohl sie vor allem das tun, reden zur Halbzeit Olympias nicht mehr von der Nummer eins, sondern "von einem ganz vorderen Platz", wie der deutsche Chef de Mission in Kanada das ausdrückt. Bernhard Schwank versucht sich in diesen Tagen kämpferisch.

Thomas Bach, der oberste deutsche Olympier, Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hat da ein etwas feineres Gespür. Er sprach zum Auftakt der Spiele von einem "glänzenden Start" und deklamiert, selbst Olympiasieger 1976 in Montreal, inzwischen vorwiegend das "sympathische Auftreten" der deutschen Mannschaft. Bach war es auch, der vor Beginn der Spiele stets vor "überzogenen Erwartungen" gewarnt hatte.

Vor vier Jahren in Turin hatten die Deutschen 16 Medaillen zur Halbzeit, nach 34 der 86 Entscheidungen sind es in Vancouver elf. Jenseits aller Zahlenarithmetik fällt dabei vor allem ins Gewicht, dass die Biathleten allein durch Magdalena Neuner Glanz verbreiten. Herren-Bundestrainer Frank Ullrich hatte sich das Ende seiner Dienstzeit ganz anders vorgestellt, hofft aber weiter auf die Staffeln: "Wir werden uns regenerieren und neu angreifen."

Die Frage ist, wo noch? Magdalena Neuner kann den Massenstart gewinnen und mit der Staffel. Maria Riesch, die nach enttäuschender Vorstellung in der Abfahrt die Super-Kombination eindrucksvoll gewann, ist als Weltmeisterin auch im Slalom von Whistler Creekside eine absolute Goldkandidatin, Weltmeisterin Kathrin Hölzl im Riesenslalom. Kitzbühel-Sieger Felix Neureuther ist dagegen nur einer von vielen Außenseitern.

Magdalena Neuners Hoffnung: Unsere Männer sind Spätzünder

Im Eiskanal peilt Bob-Pilot André Lange trotz Problemen mit dem Anschieber im Zweier und Vierer wie 2006 einen Doppelsieg an. Zu den großen Unbekannten zählt Martin Schmitt, der im Training von der Großschanze aber Hoffnungen beflügelte. Die Nordischen Kombinierer und die Biathleten um den dreimaligen Turin-Olympiasieger Michael Greis kämpfen im Schatten der übermächtigen Konkurrenz.

Aljona Sawtschenko und Robin Szolkowy waren nicht zuletzt durch ihren umstrittenen Trainer Ingo Steuer im Paarlauf nur auf Gold programmiert und konnten sich über Bronze kaum freuen. Eisschnellläuferin Jenny Wolf wurde ihrer Favoritenrolle ebenfalls nicht gerecht. Anders die deutschen Rodlerinnen, die sich ganz bescheiden freuen. Das deutsche Olympiateam überzeugt vor allem durch "Frauen-Power": Sieben der ersten elf Medaillen gingen an die deutschen Athletinnen. Was Magdalena Neuner zu der süffisanten Bemerkung veranlasste: "Da kann man nichts machen, unsere Männer sind eben Spätzünder."

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