DGHO-Vorsitzender Gerhard Ehninger bestätigte Pechstein eine milde Form der Kugelzellen-Anämie als Ursache für die erhöhten Blutwerte. Nach den neuen Erkenntnissen sei Pechsteins Sperre aus medizinischer Sicht haltlos.

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Doch nicht gedopt? Rückenwind für Claudia Pechstein.

Doch nicht gedopt? Rückenwind für Claudia Pechstein.

dpa

Doch nicht gedopt? Rückenwind für Claudia Pechstein.

Berlin. Rückenwind durch vererbte Blut-Anomalie, Claudia Pechstein hofft wieder auf Freispruch. Führende Hämatologen behaupteten am Montag in Berlin, ein von ihrem Vater vererbter Gen- Defekt sei für die hohen Retikulozyten-Werte der gesperrten Eisschnelllauf-Olympiasiegerin verantwortlich.

"Ich weiß nun, dass ich eine Blut-Macke habe, aber nicht krank bin. Aber ich weiß auch. Das ist nur ein Schritt in die richtige Richtung", erklärte die 38-Jährige, nachdem ihr führende Experten der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) vor 13 Kamerateams bescheinigt hatten, nie mit EPO gedopt zu haben.

Die Dopingsperre ist aus medizinischer Sicht haltlos

DGHO-Vorsitzender Gerhard Ehninger bestätigte Pechstein eine milde Form der Kugelzellen-Anämie als Ursache für die erhöhten Blutwerte. Nach den neuen Erkenntnissen sei Pechsteins Sperre aus medizinischer Sicht haltlos.

"Ich glaube nicht, dass der Befund Frau Pechstein in irgendeiner Form entlastet, weil die hohen Retikulozyten-Werte dadurch nicht erklärt werden", konterte jedoch der renommierte Pharmakologe Fritz Sörgel, "es kann gut sein, dass sie diese Anomalie hat, aber was ihren Dopingfall betrifft, ist dadurch überhaupt nichts geklärt."

Ob die neuen Gutachten die juristischen Entscheidungen der Sportgerichtsbarkeit noch einmal kippen könnten, ist zumindest fragwürdig. Der Weltverband ISU hatte Pechstein für zwei Jahre gesperrt, der Internationale Sportgerichtshof CAS diese Sperre bestätigt.

Pechstein hofft nun, mit diesen Erkenntnisse bei ihrem Antrag auf Revision beim Schweizer Bundesgericht erfolgreich gegen ihre Suspendierung vorgehen zu können. "Die haben mich überhaupt nicht überzeugt", erklärte der Heidelberger Biologe Werner Franke der "FAZ".

"Tut mir leid, dass ich nur noch satirisch antworten kann. Jetzt müsste man doch sagen: Donnerwetter, sie haben eine ansteckende Form einer leistungsmindernden Blut-Anomalie ausgerechnet bei Ausdauersportlerinnen entdeckt."

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