Stuttgarts Trainer spricht über den umstrittenen Torhüter, die Chancen im Abstiegskampf und seinen Arbeitsstil.

Herr Gross, zum Rückrundenstart gegen den VfLWolfsburg am Samstag gibt es ein Wiedersehen mit Armin Veh. Mit ihm haben Sie ja mal zusammen gespielt.

Christian Gross: Ja, in St. Gallen haben wir ein halbes Jahr zusammen gespielt. Er war ein technisch begabter Spieler - fast wie ein Brasilianer.

Und Sie?

Gross: Ich habe die Karriere gemacht, die ich mit meinen Qualitäten machen konnte.

Wie ist die Verfassung der Mannschaft vor dem Rückrundenstart?

Gross: Die Vorbereitung war kurz, aber wir haben sie genutzt. Ich habe der Mannschaft noch einmal vor Augen geführt, dass die Leistungen in der Vorrunde insgesamt ungenügend waren. Wir haben nur 16 Punkte auf dem Konto. Jetzt liegt es an uns, die notwendigen Zähler zu holen. Die Lage ist ernst, da darf man sich nichts vormachen.

Die meisten Spieler haben noch nie gegen den Abstieg gespielt. Wie stellen Sie die Mannschaft mental auf diese Herausforderung ein?

Gross: Die Spieler müssen sich des Ernstes der Lage bewusst sein. Jeder gewonnene Eckball, jeder Freistoß und jeder Einwurf hilft uns weiter. Kein Weg darf uns zu weit sein.

Wie wichtig ist Psychologie im Fußball?

Gross: Es ist wichtig, dass man auf die Spieler zugeht und sie zu begeistern versucht. Ich will ihnen Freude vermitteln und klarmachen, welch tollen Beruf sie haben. Man muss wissen, welchem Spieler viel Lob gut tut und wo man Kritik gezielt anbringt. Ich will die Spieler begeistern, damit wir das Ziel Nichtabstieg erreichen.

"Thomas Hitzlsperger will alles daran setzen, um sich für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen."

Sind Sie ein autoritärer Trainer?

Gross: Das ist mir zu klischeehaft. Ich versuche jedem Spieler klarzumachen, dass er auch Entbehrungen auf sich nehmen muss. Er muss sich einschränken.

Sie haben in der Pause keinen Stürmer geholt. Sind Sie mit den vorhandenen Angreifern zufrieden?

Gross: Die Stürmer werden ihre Tore erzielen. Ich wünsche mir noch mehr Druck über die Seite. Insgesamt müssen wir im Strafraum präsenter sein.

Pawel Pogrebnjak und Ciprian Marica treffen, seit Sie Trainer sind, wieder das Tor. Hat Cacau bei Ihnen schlechte Karten?

Gross: Der Mannschaftsgedanke steht im Vordergund. Ich weiß aber, dass uns Individualität im Sturm gut zu Gesicht steht, und dass wir einen Spieler wie Cacau brauchen. Er hat eine gewisse Leichtigkeit, Beweglichkeit, Schnelligkeit und Torgefährlichkeit. Er muss aber in der Balleroberung zulegen.

Warum ist bei Alexander Hleb der Knoten noch nicht geplatzt?

Gross: Er hat schon sehr viel für den VfB Stuttgart geleistet. Wir sind uns aber einig, dass seine Halbjahresbilanz ungenügend ist. Er hat keinen Bonus aufgrund der Tatsache, dass er schon einmal beim VfB oder bei Arsenal oder Barcelona gespielt hat. Er muss zulegen.

Welche Rolle spielt Thomas Hitzlsperger in Ihren Plänen?

Gross: Thomas Hitzlsperger will alles daran setzen, um sich für eine Vertragsverlängerung zu empfehlen. Er ist ein sehr verdienstvoller Spieler, und ich werde ihn sehr genau beobachten.

Sie haben in Sachen Jens Lehmann ein Machtwort gesprochen. Ist damit das Thema erledigt?

Gross: Es ist im Dezember viel auf Jens Lehmann zugekommen. Die Gespräche mit ihm empfand ich als gut. Mir ist bewusst, dass er ein ganz spezieller Spieler ist. Ich denke, dass er einen angemessenen Abschied vom Bundesligafußball haben möchte. Er hätte allerdings rückblickend in der einen oder anderen Situation überlegter reagieren müssen. Er hat im Verein eine gewisse Sonderstellung, und ich bin davon überzeugt, dass er das mit einer besonderen Leistung rechtfertigen wird.

War es ein wichtiges Signal für die Mannschaft, dass Sie klargemacht haben, dass sich Lehmann einfügen muss?

Gross: Ich habe angesprochen, was mir nicht gefallen hat. Ich habe betont, dass eine Mannschaft wie Barcelona deshalb so erfolgreich ist, weil sich alle einordnen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer