Bundespräsident
Für Joachim Gauck ist der Sport wesentlicher Baustein einer demokratischen Gesellschaft. Foto: Britta Pedersen

Für Joachim Gauck ist der Sport wesentlicher Baustein einer demokratischen Gesellschaft. Foto: Britta Pedersen

dpa

Für Joachim Gauck ist der Sport wesentlicher Baustein einer demokratischen Gesellschaft. Foto: Britta Pedersen

Berlin (dpa) - Mit Joachim Gauck als neuen Bundespräsidenten hat der deutsche Sport einen kompetenten, aber auch unbequemen Partner bekommen. Er sieht im Sport einen «wesentlichen Baustein einer demokratischen Gesellschaft». Zugleich geißelt er Maßlosigkeiten.

Als Sportler kam der Rechtshänder meist über links, warf seine Tore mehr aus der Mitte und hatte immer auch die rechte Seite im Blick. Das ist eine schöne Analogie des ehemaligen Handballers Joachim Gauck zum politisch wirkenden Joachim Gauck, der seine breite Spielfläche mit links, liberal und konservativ beschrieben hat. Nun kommt es zu einer Zusammenführung von politischer Befähigung und sportlicher Erfahrung. Sie wird als besondere Kompetenz sichtbar werden, wenn der frisch gekürte Bundespräsident wie seine Vorgänger auch den Titel eines «Schirmherrn des deutschen Sports» annimmt.

«Wir brauchen den Sport in einer demokratischen Gesellschaft. Er ist ein wesentlicher Baustein.» So hat Gauck vor einem Jahr im «Deutschlandfunk» seine grundsätzliche Haltung zum Sport beschrieben. Als Sportler könne man viel für das Leben lernen, und wenn da auch noch politisches Interesse dazu komme, «dann ist das ein großes Geschenk für die Gesellschaft». Das hat Gauck in Berlin vor einer Woche bei seinem letzten öffentlichen Auftritt als Bürger Gauck vor jungen Eishockeyspielern gesagt, die sich eingesetzt haben für die von ihm angeführte Aktion «Für Zivilcourage - Gegen Diskriminierung im Sport.» «Männer», hat er hinzugesetzt, «ich verstehe nichts vom Eishockey, aber das was sie machen ist toll.»

Sport und Politik, «ein Sport, von dem viele denken, dass er unpolitisch sei, das ist er natürlich nicht», das könnte zu einem der Themen des neuen Bundespräsidenten werden, mit Mahnungen, Anregungen und selbstverständlich auch mit Kritik. Der kantige Gauck, der gern aneckt - der Sport in Vergangenheit und Gegenwart bietet für ihn Angriffsflächen genug. Thomas Bach ist davor nicht bang. Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erhofft sich eine «fruchtbare Partnerschaft» durch «kritische Begleitung». Gaucks Thema «Leistung in Verantwortung» habe eine besondere Bedeutung für den Sport.

Mit einer bestimmten Vergangenheit hat sich Gauck eingehend beschäftigt, als langjähriger Chef der Stasi-Unterlagenbehörde sowieso, von 2007 an auch als Vorsitzender einer beratenden DOSB-Kommission, die sich mit Verstrickungen von Funktionären, Betreuern und Sportlern in der DDR befasst hat. «Dass die Helden von einst mit ihren Chemie-Medaillen im Grunde besser dastehen als die, die als Gescheiterte und Geschädigte aus diesem Prozess hervorgegangen sind», hat er beklagt und dabei besonders, aber längst nicht nur die Opfer des Staatsdopings gemeint. Andererseits: Wer Teil des Systems gewesen sei und sich zu seiner Vergangenheit bekennt, «dem muss man eine Chance geben». Ein Lebenslänglich dürfe es da nicht geben.

Als Bundespräsident wird Gauck sich mehr der Gegenwartsproblematik zuwenden, die er so beschreibt: «Aus einem Zwangssystem ist ein Systemzwang geworden, der heute dort existiert, wo der Spitzenzwang seine Erfolge feiert.» Der Drang zur Spitze berge das Potenzial einer «unglaublichen Verführung», verbunden mit einer «unglaublichen Kommerzialisierung» und einer, auch von den Medien geschürten «maßlosen Bewunderung einer wunderbar schönen Menschenwelt». Sportliche Erfolge, die Begeisterung auslösen, seien wichtig. Hochleistungssport dürfe jedoch nicht zum reinen Glamour-Event werden.

Im Freizeit- und Breitensport mit seiner millionenfachen Ehrenamtlichkeit sieht Gauck ein besonderes Feld für Bürgerbeteiligung und Betätigung, nicht als Gegenwelt zum Spitzensport, sondern als ihre kulturelle Basis. Auch in seiner Antrittsrede am Freitag betonte Gauck die Notwendigkeit des Ehrenamts. Engagierte Bürger «gleichen Mängel aus». Einen konkreten Vorschlag hatte er noch als Bürger Gauck gemacht, als er davon sprach, man sollte die «Bundesjugendspiele» an den Schulen attraktiver gestalten. Es ist insofern ein besonderes Anliegen, als künftig seine Unterschrift unter die Millionen von Schüler-Urkunden ja auch als sein Testat wirkt.

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