Hochgefühl
Der Kurs ist eingeschlagen: Die Fans von Borussia Dortmund sehen sich schon am Ziel ihrer Träume.

Der Kurs ist eingeschlagen: Die Fans von Borussia Dortmund sehen sich schon am Ziel ihrer Träume.

dpa

Der Kurs ist eingeschlagen: Die Fans von Borussia Dortmund sehen sich schon am Ziel ihrer Träume.

Dortmund (dpa) - Der schwarz-gelbe Traum ist aus Zucker: «Tabellenführer-Amerikaner» liegen zwischen Rosinenbrötchen und Quarkteilchen in der Auslage einer Bäckerei in der Dortmunder Innenstadt. «Nr.1» steht groß auf schwarz-gelber Kuvertüre, daneben ein Fußball aus Zucker.

«Die verkaufen sich super», sagt eine Verkäuferin. Rund 1000 Stück gehen in den Filialen täglich über die Ladentheke. «Morgens bekommen wir 15 Stück geliefert, die sind mittags immer weg. Hoffentlich geht die Saison so weiter.»

Tabellenführer, Herbstmeister, seit dem ersten Spieltag in der Bundesliga im August nicht mehr verloren - Borussia Dortmund bricht derzeit einen Fußball-Rekord nach dem anderen. Am Samstag soll gegen Bremen der 14. Sieg in dieser Saison eingefahren werden. «Da merkt man schon eine besondere Stimmung», sagt Udo Bullerdieck, Sprecher der Ruhrgebietsstadt mit rund 600 000 Einwohnern. Ewig haftete der Stadt das Image von Arbeitern und rauchenden Kohleöfen an - «aber jetzt sagen wir, wir kommen aus der Stadt des Tabellenführers», sagt Pascal Ledune, Sprecher der Dortmunder Wirtschaftsförderung.

Im Fanshop am Markt drängeln sich die Kunden zwischen den Regalen mit BVB-Toastern, BVB-Christbaumkugeln und BVB-Schnullern. Eine Gruppe Japaner schiebt sich durch die Menge - seit der japanische Mittelfeldspieler Shinji Kagawa beim BVB in dieser Saison zum bejubelten Torjäger geworden ist, sehe man die hier häufiger, sagt ein Fanartikel-Verkäufer. «Wir verkaufen insgesamt deutlich mehr als sonst. Natürlich ist das Weihnachtsgeschäft immer gut, aber in diesem Jahr übertrifft es alle Erwartungen - das wäre schön, wenn wir die Ware denn hätten, aber es ist viel zu wenig produziert worden.»

Eine Stadt in Schwarz-Gelb: Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) hisst bei jedem Spiel die BVB-Flagge vor dem Rathaus, in der katholischen Dreifaltigkeitskirche hängt eine riesige Vereinsfahne und die Händler auf dem Weihnachtsmarkt in der Innenstadt verkaufen Lebkuchenherzen mit der Aufschrift «Mein Herz schlägt für den BVB». Auch auf den Mützen und Jacken vieler Weihnachtsmarktbesucher prangt das runde, schwarz-gelbe Vereinslogo. Eine große Buchhandlung wirbt mit Borussia-Monopoly und Borussia-Gartenzwerg im Schaufenster. «Ich bin schon von Geburt an Dortmunder und das mit Stolz - aber im Moment bin ich es besonders gerne», sagt ein Buchverkäufer.

«Das Selbstwertgefühl der Dortmunder Bürger steigt mit jedem Sieg», beobachtet auch Georg Schulte, Sprecher der Industrie-und Handelskammer (IHK). «Die Stimmung ist genial und das geht durch alle Nationalitäten und alle gesellschaftlichen Schichten.» Ein junges, sympathisches Team ohne teure Weltstars - «ich kann mich nicht erinnern, dass es solche Sympathiewerte wie für diese jungen Bürschchen in Deutschland schon einmal gegeben hätte.»

In wirtschaftlichen Zahlen messbar sei dieser positive Stimmungsschub allerdings noch nicht, sagt Stadtsprecher Bullerdieck. Aber die Übernachtungszahlen seien bereits gestiegen und auch die Gastronomie freue sich über das alle zwei Wochen so gut wie ausverkaufte Stadion.

Glückseligkeit überall - aber nur nicht abheben. Von der Meisterschaft spricht in Dortmund niemand, ganz wie Trainer Jürgen Klopp es vorlebt. Aber die Hoffnung ist natürlich da, sagt Stadtsprecher Bullerdieck. «Wir würden gerne im Mai Feierlichkeiten auf dem Friedensplatz ausrichten.»

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