Paolo Guerrero
Paolo Guerrero (2.v.l.) hat sein erstes WM-Tor für Peru erzielt. Foto: Liu Dawei/xinhua

Paolo Guerrero (2.v.l.) hat sein erstes WM-Tor für Peru erzielt. Foto: Liu Dawei/xinhua

dpa

Paolo Guerrero (2.v.l.) hat sein erstes WM-Tor für Peru erzielt. Foto: Liu Dawei/xinhua

Sotschi (dpa) - Paolo Guerrero hat keine Ahnung, wie es mit ihm weitergeht. Ab Mitte August wird er sich sehr wahrscheinlich einen neuen Arbeitgeber suchen müssen, weil sein Vertrag mit dem brasilianischen Club Flamengo Rio de Janeiro ausläuft.

Der 34-Jährige weiß nicht mal, ob er nach dem WM-Aus mit Peru in den nächsten Wochen und Monaten überhaupt wieder Fußball spielen darf. Denn eigentlich ist er immer noch wegen Dopings gesperrt. Eine provisorische Ausnahmeregelung hat nur für die WM in Russland gegolten. Die ist für Peru nun beendet. Zukunftssorgen bereitet das dem ehemaligen Stürmer des FC Bayern München und Hamburger SV aber nicht.

«Ich habe keine Sperre im Moment. Ich kann weiter spielen», erklärte Guerrero nach dem abschließenden 2:0-Sieg der Peruaner gegen Australien. «Ich muss das Thema mit meinen Anwälten weiter verfolgen. Aber im Moment kann ich weiter spielen.» Dabei war seine insgesamt 14-monatige vom Internationalen Sportgerichtshof CAS verhängte Sperre von einem Schweizer Bundesgericht kurzfristig und nur für die WM aufgehoben worden. Der Angreifer war Anfang Oktober 2017 bei einer Dopingkontrolle nach dem Qualifikationsspiel zwischen Argentinien und Peru (0:0) positiv getestet worden. Bei Guerrero war eine in Koka-Tee enthaltene Substanz entdeckt worden.

Was dann folgte, wirkt auch im Rückblick noch kurios. Denn der Fußball-Weltverband FIFA sperrte ihn erst für 30 Tage, dann für ein Jahr - und reduzierte die Sperre Ende 2017 dann auf ein halbes Jahr. So hätte Guerrero auch an der WM teilnehmen können. Guerrero fühlte sich dennoch ungerecht behandelt. Mitte April zog er vor den CAS, damit seine Sperre ganz zurückgenommen wird. Gleichzeitig forderte die Welt-Anti-Doping-Organisation WADA den CAS auf, den Fall neu aufzurollen und die Sperre zu verlängern. Das tat der CAS dann auch und verlängerte auf 14 Monate.

Völlig wirr wurde es, als Guerreros Mutter im peruanischen Fernsehen dann auch noch den Bundesliga-Oldie und Ex-Nationalspieler Claudio Pizarro beschuldigte, für Guerreros Sperre verantwortlich zu sein. «Es ist ein riesiges Komplott», witterte Petronila Gonzales. Auch Senhora Gonzales wird sich nun fragen, wie es mit ihrem Sohn weitergeht. Flamengo oder andere an Guerrero interessierte Clubs dürfte das ebenfalls interessieren, weil von seiner Sperre auch ein Vertragsangebot abhängen wird. Wer will schon einen Fußballer beschäftigen, der die nächsten Monate überhaupt nicht spielen darf?

Allzu viel wollte sich Guerrero nach dem historischen Sieg gegen die Australier aber auch nicht mit seiner Zukunft beschäftigen. Das 2:0 war schließlich der erste Sieg Perus bei einer WM seit 40 Jahren. Noch lange nach dem Abpfiff feierten mehr als Zehntausend Peruaner in Sotschi die Tore von Andre Carrillo (18. Minute) und Guerrero (50.) - die ersten WM-Tore Perus seit 1982. «Ich glaube, wir haben hier einen guten Eindruck hinterlassen», stellte Guerrero zufrieden fest.

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