Verabschiedung
Ägypten-Str Mohamed Salah verabschiedet sich nach dem WM-Aus von den Fans. Foto: Li Ga/xinhua

Ägypten-Str Mohamed Salah verabschiedet sich nach dem WM-Aus von den Fans. Foto: Li Ga/xinhua

dpa

Ägypten-Str Mohamed Salah verabschiedet sich nach dem WM-Aus von den Fans. Foto: Li Ga/xinhua

Wolgograd (dpa) - In den Flieger nach Kairo luden Mohamed Salah und seine ägyptischen Mannschaftskollegen ihr gesamtes WM-Chaos. Anstatt bei seiner dritten Endrundenteilnahme für positive Schlagzeilen zu sorgen, gab der siebenmalige Afrikapokalsieger in Russland am Ende ein bedauernswertes Bild ab.

Drei Niederlagen in drei Gruppenspielen, Berichte über Streit in der Mannschaft, Rücktrittsgerüchte um Salah und Spekulationen über ein Ende von Nationaltrainer Héctor Cúper - die heimischen Medien empfingen ihre gefallenen Fußball-Helden schon vor der Rückreise am Dienstag mit deftigen Worten.

«Eine erneute Null für den ägyptischen Fußball», titelte die Zeitung «Al-Masry al-Youm». Wie andere ägyptische Medien auch übte das Blatt scharfe Kritik an Trainer Cúper. Die Zeitung «Al-Shorouk» etwa beklagte die «defensive Philosophie» des Coaches, erkannte aber auch Mängel beim Team. Die Mannschaft sei wie ein Boxer, der in der afrikanischen Schwergewichtsklasse gewinnen könne, aber gegen Muhammad Ali und Mike Tyson keine Chance habe.

Nationalheld Salah selbst bezog zu den Rücktrittgerüchten um seine Person keine Stellung. Nach dem enttäuschenden WM-Schlussakt gegen Saudi-Arabien (1:2) wandte er sich nur an die ägyptischen Fans. «Ich weiß, dass es schwer für sie war, es war aber auch schwer für uns», meinte der Stürmer des FC Liverpool, der trotz Schulterverletzung beide Tore für seine Mannschaft bei der ersten WM nach 28 Jahren Abstinenz erzielte. «Die Spieler haben ihr Bestes gegeben, und ich bin sicher, dass die Zukunft besser sein wird.»

Ob Salah Teil dieser Zukunft sein wird, ist angeblich offen. Es halten sich Gerüchte, wonach er über einen Abschied aus der Nationalmannschaft nachdenken soll. Der 26-Jährige soll sich politisch instrumentalisiert gefühlt haben. Die Ägypter hatten als einziger WM-Teilnehmer ihr Quartier in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny aufgeschlagen. Der autoritäre Republikchef Ramsan Kadyrow ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und produzierte mit Salah medienwirksam Fotos und Videos.

«Ich denke nicht, dass das wahr ist. Denn alle, die hier sind, wissen es wirklich zu schätzen, für die Nationalmannschaft zu spielen», sagte Salahs Nationaltrainer Cúper zu den Gerüchten. Auch Berichte über einen angeblichen Streit innerhalb der Mannschaft wies er zurück. «Ich kann nichts von Problemen erzählen. Ich weiß, da waren keine Probleme», sagte der 62-Jährige.

Cúpers eigene Zukunft als Ägyptens Coach ist offen. «Wir werden sehen, was passiert, wenn wir nach Kairo kommen», sagte der Argentinier, der dort zwei Treffen mit dem Verband hat. Angeblich ist er ausgerechnet ein Kandidat bei Saudi-Arabien, wo Juan Antonio Pizzis Verbleib ebenfalls nicht sicher ist.

Sicher ist hingegen, dass sich mit der Aufarbeitung der WM-Pleite höchste Stellen beschäftigen werden. Der neue Jugend- und Sportminister Aschraf Subchi kündigte ägyptischen Medien zufolge an, dass der Teamdirektor der Mannschaft einen Bericht an sein Ressort übergeben werde, damit man die «passenden Entscheidungen» treffen werde. Der Sportausschuss des Parlaments hat ebenfalls erklärt, einen Ausschuss einzusetzen, der das Ausscheiden untersucht.

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