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Ein Kommentar von Thomas Gehringer.

Ein Kommentar von Thomas Gehringer.

Ein Kommentar von Thomas Gehringer.

Leise rieselt der Schnee, Adventsstimmung, Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt, Geschenke-Einkaufsstress – und Fußball-WM. Vielleicht sogar Neujahrs-Halbfinale zwischen Deutschland und Argentinien statt Neujahrsspringen. Die Fifa macht’s möglich, der Fußball-Weltverband stellt den Kalender auf den Kopf. Aus Rücksicht auf das Wohlbefinden der Kicker und Zuschauer in Katar, die nicht bei 50 Grad außerhalb eisgekühlter Stadien brüten sollen, drehen die Herren an der biologischen Uhr von Millionen Fußball-Fans in aller Welt. Geht’s noch?

Na sicher, bekanntlich geht bei der Fifa alles – und immer alles mit rechten Dingen zu. Gekaufte Stimmen bei der überraschenden Wahl Katars als Austragungsort? Die Entscheidung war selbstverständlich das Ergebnis eines fairen und transparenten Verfahrens ohne verdeckten Zahlungsverkehr. Und sollte es daran Zweifel geben, gründet man eben eine Ethikkommission. Ethik und Fifa – das ist ein Wortpaar, das so gut zusammen passt wie..., wie..., wie WM-Finale und Silvester. Demnächst soll bei der Fifa nach unbestätigten Berichten übrigens eine Wetterkommission eingerichtet werden.

Nein, die Entscheidung für Katar ist alles in allem super gelaufen. Mit einem kleinen Schönheitsfehler: Nur auf die Klimatabellen hatte man leider vergessen zu blicken. Kann passieren. Und kein Problem: Denn wenn das Wetter nicht so will wie der Weltfußball, dann werden eben die Stadien in gigantische Kühlschränke verwandelt. Leute, das bringt technologischen Fortschritt! Außerdem ist das ein großartiges Konjunkturprogramm, von dem in Katar sicher auch die vielen ausländischen, ähm, „Gast“-Arbeiter profitieren werden.

So sah es jedenfalls der innovative Plan der Scheichs vor, die ja nicht gerade über wenig Energie verfügen. Dass die Fifa nun dem Kühlschrank-Konzept doch eine Abfuhr erteilen und lieber bei ganz natürlichen 25 Grad im Dezember spielen lassen will, ist eine unerhörte Nachricht: Die Fifa beugt sich dem Wettergott, wer hätte das gedacht! Ein Beweis für Demut und Bescheidenheit – Eigenschaften, für die niemand mehr steht als Fußball-Weltregent Joseph Blatter (Foto).

Wir sollten also dankbar sein. Auch für die Flexibilität, die die WM-Verschiebung bei uns nötig macht. Denn vor dem übermächtigen Fußball wird der Wintersport komplett in den Sommer flüchten. Mattenspringen gibt es ja schon. Und dass man Loipen und Berghänge völlig unabhängig vom Wetter mit Schnee bedecken kann, wird gegenwärtig vielfach bewiesen.

Bei Temperaturen, wie sie zurzeit herrschen, fiele der Unterschied im Winter 2021/22 oder 2022/23 sowieso kaum auf. Nur Weihnachten stört dann irgendwie. Aber vielleicht könnte man das einfach auch ein bisschen verschieben? Der neue Papst ist ja ein aufgeschlossener Reformer. Fast so wie Blatter.

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