Wie die Fifa verzweifelt um ihr Projekt WM in Katar ringt. Und was dabei alles schief geht.

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Zwei junge Damen demonstrieren in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ gegen die Arbeitsbedingungen in Katar.

Zwei junge Damen demonstrieren in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ gegen die Arbeitsbedingungen in Katar.

dpa

Zwei junge Damen demonstrieren in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ gegen die Arbeitsbedingungen in Katar.

Berlin. Die Fußball-WM 2022 in Katar steht seit langem in der Diskussion. Bestechungsvorwürfe, Berichte über unmenschliche Bedingungen für Gastarbeiter auf den Baustellen und die Frage nach dem richtigen Turnierzeitpunkt sorgen seit mehr als drei Jahren für Aufregung.

20. Oktober 2010: Die Exekutivmitglieder Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Adamu (Nigeria) werden von der Fifa wegen Korruptionsverdachts vorläufig suspendiert. Sie sollen bereit gewesen sein, ihre Stimmen bei der Vergabe der WM 2018 und 2022 zu verkaufen.

18. November 2010: Sechs Funktionäre werden von der Fifa mit Strafen belegt. Die Ethikkommission schließt Adamu für drei Jahre, Temarii für ein Jahr aus. Beide dürfen nicht abstimmen. Vier ehemalige Offizielle werden ebenfalls gesperrt. „Alle Zweifel sind ausgeräumt“, sagt Fifa-Chef Joseph Blatter.

2. Dezember 2010: Die Fifa vergibt die nächsten Weltmeisterschaften nach Russland (2018) und Katar (2022). Beide Länder sind erstmals Veranstalter.

6. Dezember 2010: Die Wahl Katars gerät ins Zwielicht. Bestechungsvorwürfe: Fifa-Vizepräsident Julio Grondona soll als Chef des argentinischen Fußball-Verbandes AFA 59 Millionen Euro aus Katar erhalten haben. Grondona schweigt.

10. Mai 2011: Der englische Ex-Verbandschef David Triesman beschuldigt das Fifa-Quartett Teixeira, Leoz, Vize Jack Warner (Trinidad und Tobago) und Worawi Mukudi (Thailand), unlautere Forderungen vor den Vergaben gestellt zu haben. Der britische Politiker Damian Collins beschuldigt die Exekutivmitglieder Issa Hayatou (Kamerun) und Jacques Anouma (Elfenbeinküste). Sie sollen je 1,5 Millionen Dollar dafür bekommen haben, für Katar zu votierten.

30. Mai 2011: Generalsekretär Jérôme Valcke soll in einer E-Mail an Jack Warner angedeutet haben, dass Katar die WM 2022 gekauft habe.

1. Juni 2011:DFB-Chef Theo Zwanziger spricht sich für eine kritische Überprüfung der WM-Vergabe aus.

3. Juni 2011: Die Fifa engagiert den früheren FBI-Boss Louis Freeh. Der soll bei der Aufklärung helfen und „unter direkter Aufsicht“ von Robert Torres (Guam) arbeiten, einem Mitglied der Fifa-Ethikkommission.

20. Juni 2011: Fifa-Vize Jack Warner tritt von seinen Ämtern zurück. Die Fifa teilt mit: „Als Folge dieses Rücktritts wurden alle von der Ethikkommission gegen Warner eingeleiteten Verfahren geschlossen, die Unschuldsvermutung bleibt bestehen.“

17. Juli 2012: Der frühere US-Staatsanwalt Michael Garcia wird zum Vorsitzenden der Fifa-Ethikkommission ernannt.

29. Januar 2013: Das französische Magazin „France Football“ behauptet, Uefa-Präsident Michel Platini habe auf Drängen des französischen Staatschefs Nicolas Sarkozy dem Wüstenstaat die Stimme gegeben. Als Gegenleistung sollen die Katarer Investitionen im französischen Fußball zugesichert haben. Platini weist die Vorwürfe zurück.

2. März 2013: Die Fifa zieht wegen der hohen Temperaturen im Sommer von über 40 Grad erstmals eine Verlegung der WM in den Winter in Betracht.

27. März 2013: Der Internationale Gewerkschaftsbund ITUC spricht wegen der Arbeitsbedingungen in Katar von einem „Sklavenhändler-Staat“. Um die Infrastruktur zu bauen, würden wohl mehr Arbeiter sterben als Fußballer bei der WM spielen.

31. Mai 2013: Die Fifa entscheidet, dass künftig der Kongress und nicht mehr das Exekutivkomitee die WM-Gastgeber bestimmen soll.

17. September 2013: Australiens Fußballverband FFA warnt die Fifa vor einer Verlegung der WM in den Winter und droht mit Schadenersatzforderungen.

18. September 2013: Blatter räumt in einem „Zeit“-Interview politische Einflüsse bei der WM-Vergabe ein. Europäische Regierungschefs hätten ihren stimmberechtigten Mitgliedern aufgrund von wirtschaftlichen Interessen empfohlen, für Katar zu stimmen. Später konkretisiert Blatter dies und nennt Deutschland und Frankreich.

26. September 2013: Laut der Tageszeitung „Guardian“ sind zwischen dem 4. Juni und dem 8. August 2013 44 nepalesische Gastarbeiter auf den WM-Baustellen gestorben. In dem Bericht ist von Zwangsarbeit die Rede.

4. Oktober 2013: Blatter stellt klar, dass die WM 2022 in Katar stattfindet. Das Fifa-Exekutivkomitee setzt eine Task Force ein, die den bestmöglichen Termin finden soll. Eine Entscheidung soll frühestens Ende 2014 fallen.

9. November 2013: Blatter schließt eine Verlegung der WM 2022 in die Wintermonate Januar oder Februar parallel zu den Olympischen Winterspielen aus.

8. Januar 2014: Valcke erklärt, dass das Turnier nicht im Sommer 2022, sondern „zwischen dem 15. November und spätestens dem 15. Januar“ ausgetragen werde, entweder in der Saison 2021/22 oder 2022/23. dpa

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