Reinhard Grindel
DFB-Präsident Reinhard Grindel hat «volles Vertrauen in die Staatsanwaltschaft». Foto: Guido Kirchner

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat «volles Vertrauen in die Staatsanwaltschaft». Foto: Guido Kirchner

dpa

DFB-Präsident Reinhard Grindel hat «volles Vertrauen in die Staatsanwaltschaft». Foto: Guido Kirchner

Berlin (dpa) - Sein Auftritt vor dem Bundestags-Sportausschuss war für DFB-Präsident Reinhard Grindel schon eine Art Heimspiel. In ihm wohlbekannten Sitzungssaal 4800 antwortete der ehemalige CDU-Abgeordnete zwar statt wie früher die Fragen zu stellen.

Der Erkenntnisgewinn zur Vergabe und Zahlungen der Fußball-WM 2006 war für die früheren Kollegen in Berlin jedoch wie zu erwarten gering. Stattdessen nutzten einige Politiker die Gelegenheit, den Druck auf den Chef des Deutschen Fußball-Bundes aufrechtzuhalten. So will sich etwa der sportpolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Öczan Mutlu, nicht auf eine Unterstützung der deutschen Bewerbung um die EM 2024 festlegen.

«So lange die Umstände nicht vollumfänglich aufgeklärt sind, sollte man sich durchaus überlegen, ob man eine Bewerbung mit Steuerbefreiung etcetera unterstützt», sagte Mutlu. Zwar wolle auch er eine EM in Deutschland, «aber wir sind auch dem deutschen Volk verpflichtet». Die Vorsitzende des Sportausschuss, Dagmar Freitag (SPD) ist der Meinung, «dass auch Politik da erstmal ein paar Fragen stellen muss, bevor sie einfach durchwinkt».

Grindel hingegen äußerte sich ob drohenden Drucks einiger Politiker entspannt. «Ich sehe die Bewerbung um die Euro 2024 nicht gefährdet, weil wir eine Bewerbung abgeben können, die ökonomisch sparsam und ökologisch schonend sein wird.» Auch die Art der Bewerbung solle für «neues Vertrauen und Integrität» sorgen.

Grindel sieht in der Affäre um die Vergabe der WM 2006 und den immer noch ungeklärten Zweck der nach Katar geflossenen 6,7 Millionen Euro weiter staatliche Ermittler am Zug. «Ich bin zutiefst der Auffassung, dass wir als DFB alles getan haben, um für Aufklärung zu sorgen», sagte er. Sein Verband habe «alles in unserer Kraft stehende getan, um neues Vertrauen und neue Integrität zu gewinnen. Insofern sind wir völlig reinen Herzens, haben ein gutes Gewissen und volles Vertrauen in die Staatsanwaltschaft.»

Grindel hatte die Aufklärungsarbeit des Deutschen Fußball-Bundes in dem Skandal um das damalige WM-OK für beendet erklärt. Der Verband hatte im März 2016 den sogenannten Freshfields Bericht präsentiert, der zumindest Klarheit über Geldflüsse Richtung Katar erbracht hatte, weitere wesentliche Fragen aber unbeantwortet ließ.

Der knapp anderthalbstündige Auftritt Grindels fand ein geteiltes Echo bei den früheren Kollegen. Die Sportausschuss-Vorsitzende Freitag sagte: «Wir wissen noch nicht mehr, aber der DFB hat den Eindruck vermittelt, dass er ein Interesse an weitergehenden Erkenntnissen hat.» Oppositionspolitiker Mutlu war unzufrieden. «Herr Grindel ist der Meinung, dass alles aufgeklärt sei. Wir meinen da ist noch viel zu tun.» Dass ohne Aussagen Beteiligter wie Franz Beckenbauer oder Fedor Radmann auch der DFB nicht weiter kommt, musste auch Mutlu zugeben.

Um die Einladung des Sportausschuss hatte es zunächst Irritationen gegeben, da der DFB anfangs eine Zuständigkeit des Sportauschusses in Frage stellte und einen Termin im Dezember platzen ließ. «Wir haben das sehr schnell ausgeräumt», sagte Freitag und betonte mit Blick auf öffentliche Gelder für die Stadien der WM 2006: «Natürlich ist der Sportausschuss zuständig.»

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