Im deutschen Angriff gibt es nur noch Konstellationen. Jeder Spieler muss offensiv alles beherrschen.

Joachim Löw im Jubel mit Co-Trainer Hansi Flick.
Joachim Löw im Jubel mit Co-Trainer Hansi Flick.

Joachim Löw im Jubel mit Co-Trainer Hansi Flick.

Thomas Eisenhuth

Joachim Löw im Jubel mit Co-Trainer Hansi Flick.

Salvador. Die Frage musste gestellt werden. Ob er nach dem 4:0-Auftaktspektakel gegen Portugal Genugtuung empfinde, wird der Bundestrainer gefragt. „Nein“, sagt Joachim Löw. „Ich habe immer gespürt, dass sich die Mannschaft nicht aus der Konzentration bringen lässt.“ Löw ist obenauf, es herrscht Ruhe an der Front der Kritiker. Und des Bundestrainers Offensive kann für den Mitfavoriten im Kampf um den Titel das entscheidende Plus werden.

„Es gab für uns gegen Portugal keine andere Option als zu gewinnen“, sagt Löw. Die Auseinandersetzung um die richtige und falsche Neun ist entschieden. Löw hat seine Konzeption durchgesetzt. Im deutschen Angriff gibt es nur noch Konstellationen, in der jeder alles kann. Diese Form der Flexibilität macht die Offensive zum Qualitätssiegel. „Thomas Müller ist der derjenige, der dahin geht, wo die Gefahr ist. Er sorgt für Verwirrung und schließt Situationen ab, wenn es keiner erwartet“, sagt Löw.

Müller schafft Platz für andere, argumentiert Löw: „Und in die Zwischenräume spielen Mario Götze und Mesut Özil dann die Bälle hinein, die beiden sind prädestiniert dafür.“ Es funktionierte großartig gegen Portugal, dessen Abwehr manchmal gar nicht mehr wusste, wo und wen sie stellen sollte. „Seine Torgefährlichkeit ist seine entscheidende Qualität“, sagt Mario Götze über Müller. Dabei ist Götze selbst torgefährlich.

„Entscheidend ist, dass wir offensiv flexibel sind.“ Löw entschied sich für Götze und in der Startformation gegen Lukas Podolski und André Schürrle, „weil sich der Mario gerade gegen große Abwehrspieler wunderbar in Szene setzen kann“.

Schweinsteiger und Klose sind die Leidtragenden des Systems

Und Mesut Özil? Der Mann vom FC Arsenal brachte sich endlich ins Offensivspiel ein, begann auf rechts, spielte in der Mitte und wechselte auf links. Und das deutsche Offensivspiel funktioniert auch deshalb, weil Toni Kroos in der Zentrale einer ist, der den genauen Pass spielen kann. Und weil das so ist, kann man die Erfolgsgeschichte gegen Portugal durchaus als eine Zäsur betrachten. Wenn Kroos allein Regie führt, ist er zielorientierter als neben Bastian Schweinsteiger.

Miroslav Klose braucht man im Sturmzentrum wohl nur noch ins Ausnahmefällen. Die taktische Ausrichtung von Löw ist über diese beiden Nationalspieler hinweg gegangen. Das sagt natürlich keiner, aber die Anlage des deutschen Offensivspiels beweist es: Wer offensiv flexibel ist, ist schwer auszurechnen. Absolut richtig, die falsche Neun.

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