Nach den Explosionen und dem um einen Tag verlegten Champions League-Spiel waren viele Monaco-Fans plötzlich ohne Bleibe. Fans von Borussia Dortmund halfen schnell und umkompliziert.

Düsseldorf/Dortmund. Sorgen haben sich Fußballfan Fabian Rustemeier und seine Freunde am Dienstagabend im Dortmunder Stadion schon gemacht. Aber nicht, weil sie weitere Attacken befürchteten, sondern dass viele Anhänger aus Monaco abreisen und nicht zur nachgeholten Partie bleiben könnten. „Ein Kumpel meinte, eine Aktion ,Ein Bett für Gästefans’ wäre da nicht schlecht“, berichtet der 28-Jährige. So wurde der Hashtag „#bedforawayfans“ ins Leben gerufen über den sich im Internet spontan zahlreiche BVB-Fans und Monegassen verabredeten, um statt nur den Abend die gesamte Nacht miteinander zu verbringen.



Rustemeier selbst hat zwei Franzosen aufgenommen, die mit dem Fanbus angereist waren und ursprünglich gleich nach dem Abpfiff wieder heimfahren wollten. Glück für die beiden – und viele weitere. „Wir haben auf Twitter von der Übernachtungsmöglichkeit #bedforawayfans gelesen und für uns alle sechs eine kostenlose Unterkunft gefunden“, sagt Luc Straub aus Straßburg. Loic Cognet und seine Kumpels aus der Gegend von Lyon und Genf hatten zwar für die Nacht nach der Dienstagspartie ein Hotel – aber keine Bleibe für den Mittwoch. „Wir haben jetzt Plätze in der Citywohnung einer jungen Frau bekommen“, erzählte er am Mittag beim Spontanbesuch am Deutschen Fußballmuseum. Bis ins westfälische Lüdinghausen lagerten sich die Monegassen aus: Fünf von ihnen nahmen das Angebot eines Hotels an, das Schlafplätze über Twitter in Aussicht gestellt hatte – die Tochter der Besitzerin ist BVB-Fan.

 


Viel Lob erhielten die Dortmunder Anhänger online für ihre offenen Arme. Der AS Monaco twitterte Bilder von Fans, die in Deutschland Obdach gefunden hatten, unter dem deutschen Titel: „Das ist Fußball!“ Das Symbolfoto zur Aktion lieferte Stefan Kilmer alias „@vespafoto“, der mit seinen vier spontanen Übernachtungsgästen Spaghetti kochte und das gemeinsame Dinner ins Netz stellte – einen der Franzosen hatte er rasch noch in ein Dortmundtrikot gekleidet. Bis zum Nachmittag wurde der Beitrag 14 000-mal weitergetwittert.


„Natürlich hatte ich Bedenken, Fremde in meine Wohnung zu lassen“, sagt der 19-jährige Dortmunder Student Philipp. Er nahm einen Belgier und einen Franzosen auf seiner Schlafcouch auf, die in den Niederlanden studieren. „Sie waren mit dem Auto aus Maastricht angereist und wollten ungern im Auto schlafen“, berichtet Philipp. Am Abend saßen sie zusammen, quatschten auf Englisch über die Uni. Erst beim Frühstück am nächsten Morgen sei es dann auch mal um Fußball und die Geschehnisse am Dienstagabend gegangen. „Ich hatte nie das Gefühl, dass sie verängstigt oder angespannt sind“, sagt der junge Mann. Was sich aus dem Schock des Abends entwickelte, daraus zieht der Fan ein sehr positives persönliches Fazit: „Ich würde es wieder tun. Ich habe nette Menschen kennengelernt und weiß jetzt, wen ich anrufen kann, wenn ich mal in Maastricht stranden sollte.“

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