Aussage
Marcel Schuon wird im Bochumer Landgericht gehört.

Marcel Schuon wird im Bochumer Landgericht gehört.

dpa

Marcel Schuon wird im Bochumer Landgericht gehört.

Bochum (dpa) - Auf dem Platz war er Verteidiger, vor Gericht ging er in die Offensive: Marcel Schuon, Ex-Profi des VfL Osnabrück, hat sich für seine Kontakte zur Wettmafia entschuldigt. «Ich weiß, dass ich den DFB in ein schlechtes Licht gestellt habe», sagte Schuon.

Gleichzeitig belastete er seinen früheren Mitspieler Thomas Cichon schwer. Dieser habe in engem Kontakt zu den Wettbetrügern gestanden. «Ich habe auch in seinem Auftrag Gespräche über Rote Karten und absichtlich verursachte Elfmeter geführt», erklärte Schuon.

Nach Angaben des DFB hat Cichon inzwischen seine Bereitschaft signalisiert, zu den Manipulationsvorwürfen Stellung zu nehmen. Ein erster Kontakt soll über Weihnachten stattgefunden haben. Das erklärte ein Prozessbeobachter des DFB am Rande der Verhandlung. Inhaltlich sei aber noch nichts besprochen worden. Das solle erst in einigen Wochen erfolgen. Cichon hat seine Beteiligung am Wettskandal bislang immer bestritten.

Schuon spielt dagegen schon seit Beginn der Ermittlungen Ende 2009 mit offenen Karten. Der Abwehrspieler will durch lukrative Versprechen in die Fänge der Wettmafia geraten sein. Vor dem Spiel gegen Carl Zeiss Jena vom 2. Mai 2008 seien ihm 25 000 Euro geboten worden. Als Gegenleistung sollte Osnabrück verlieren. «Das war eine Menge Geld», sagte Schuon. «Deshalb habe ich gesagt, dass ich das versuchen will.» Nachdem die Partie jedoch 1:1 ausgegangen war, hätten die Wettbetrüger Druck gemacht. «Ich fühlte mich eingeengt», sagte er.

Deshalb habe er auch der geplanten Verschiebung des Spiels gegen Augsburg vom 17. April 2009 nicht widersprochen. Aktiv eingegriffen habe er aber nicht. Endstand damals: 3:0 für Augsburg. Auch vor der Partie gegen Nürnberg am 13. Mai 2009 sei er wieder von Nürettin G., einem der in Bochum angeklagten Wettbetrüger, angesprochen worden. Die Anweisung lautete sinngemäß: «Das ist doch ein leichtes Spiel für euch - ihr verliert gegen Nürnberg auch 0:3.» Tatsächlich kassierte Osnabrück am Ende eine 0:2-Niederlage. «Von meiner Seite war da aber nichts. Wir waren im Abstiegskampf, da war ohnehin kein Selbstvertrauen mehr», sagte Schuon im Zeugenstand.

Nach eigenen Angaben hat er beim VfL Osnabrück 8000 Euro brutto verdient. Hinzu kamen Punktprämien von jeweils 800 Euro. Trotzdem habe er immer wieder Schulden bei Wettanbietern gehabt. Fußball darf der 25-Jährige vorerst nicht mehr spielen. Der DFB hat ihn bis Ende August 2012 gesperrt. Außerdem ist er wegen seiner Beteiligung am Wettskandal bereits zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden.

Während unterhalb der Bundesliga Spiele unter Verdacht stehen, ist die deutsche Eliteklasse nach Ansicht eines mutmaßlichen Wettbetrügers frei von Manipulation. «Weiter unten geht es besser, auch in anderen Ländern. In Ligen, wo die Gehälter nicht so pünktlich gezahlt werden», sagte der Niederländer Paul Rooij dem Magazin «Stern». Er war vom früheren St. Pauli-Profi René Schnitzler beschuldigt worden, knapp 100 000 Euro für die Manipulation von Auswärtsspielen des FC St. Pauli gezahlt zu haben. Der Niederländer bestreitet dies ebenso wie eine Verwicklung in den Wettskandal: «Ich habe niemals ein Spiel verschoben.»

In den Niederungen des Fußballs soll die Wettmafia hingegen ihr Unwesen getrieben haben. Auch Spielern des SC Verl wurde Geld geboten. Ein Abwehrspieler des Regionalligisten erklärte, dass ihm 1000 Euro offeriert worden sind. Dafür sollte die Partie gegen Mönchengladbach II im Frühjahr 2009 absichtlich verloren werden. Er habe aber eine Verletzung vorgetäuscht, um nicht auflaufen zu müssen. Die angeblich geplante Manipulation habe dann auch nicht geklappt. Verl gewann das Spiel mit 4:3. Ein Mitspieler mit mutmaßlichen Kontakten zur Wettmafia soll daraufhin gesagt haben: «Jetzt gibt es bestimmt Ärger.» Das anschließende Spiel gegen Köln II sei deshalb dann wohl tatsächlich verschoben worden - als Wiedergutmachung.

Der Prozess wird am 13. Januar fortgesetzt. Geplant ist die Vernehmung von weiteren Ex-Spielern des SC Verl und der früheren A-Jugend-Mannschaft von Bielefeld. Vor der 13. Strafkammer müssen sich vier mutmaßliche Wettbetrüger verantworten, die in die Manipulation von über 30 Fußballspielen verwickelt gewesen sein sollen.

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