Die Uefa will 2018 eine Liga der Nationen an den Start bringen. Was bedeutet das?

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Bastian Schweinsteiger (r.) gegen Xabi Alonso: Bald Alltag in der Nationenliga?

Bastian Schweinsteiger (r.) gegen Xabi Alonso: Bald Alltag in der Nationenliga?

dpa

Bastian Schweinsteiger (r.) gegen Xabi Alonso: Bald Alltag in der Nationenliga?

Astana. Mit einem neuen Wettbewerb für Nationalteams nimmt die Uefa weitgehend Abschied von Freundschafts-Länderspielen. In der Nationenliga soll von 2019 an ein weiterer Titelgewinner neben EM und WM ermittelt werden.

Warum ein weiterer Wettbewerb?

In vielen Ländern ist das Interesse an Freundschafts-Länderspielen gesunken, auch der sportliche Wert dieser Vergleiche erschien vielen Trainern und Spielern fraglich. Vor allem kleinere Nationen beklagten zuletzt Probleme, attraktive Gegner für Länderspiele zu gewinnen und hatten daher geringere Vermarktungschancen für ihre Partien.

Wann startet die Nationenliga?

Die ersten Spiele sind nach der WM 2018 in Russland geplant. Zwischen September und November soll dann im neuen Uefa-Wettbewerb erstmals gespielt werden.

Welches Format ist vorgesehen?

Je nach Stärke werden die 54 Nationalteams der Uefa-Mitglieder in vier Divisionen eingeteilt. Innerhalb der Divisionen gibt es vier Gruppen mit je drei oder vier Mannschaften. In Hin- und Rückspielen ermitteln die Nationalteams Auf- und Absteiger. Die vier Gruppensieger der Top-Division A qualifizieren sich für ein Finalturnier, bei dem 2019 der erste Titelträger ermittelt wird.

Was wird aus Qualifikationen für EM und WM?

Sie bleiben weitgehend bestehen. Der Beginn der EM-Qualifikationsrunden wird jedoch von September in den folgenden März verschoben. Zudem entfallen die bisherigen Play-off-Spiele nach der EM-Qualifikation, in denen die letzten Plätze vergeben wurden. Stattdessen werden vier Tickets durch Playoffs ausgespielt, die sich aus Ergebnissen der neuen Nationenliga ergeben.

Was sagen die Verbände?

„Insbesondere in der Endphase der nationalen und internationalen Club-Wettbewerbe sind Vereinen und Spielern zusätzliche Belastungen nicht zumutbar.“

„Wir wollen am liebsten immer gegen die großen Nationen spielen. Nur dann können wir uns weiterentwickeln. Es wird nicht einfacher, dafür Termine zu finden.“

„Ich glaube die Entscheidung würde anders ausfallen, wenn die Jungs, die die Entscheidung getroffen haben, auch spielen müssten. Es wäre doch schön gewesen, wenn man Spieler und Trainer miteinbezogen hätte. Der Körper ist nur bedingt belastbar.“

„Wir haben Bedenken. Trotzdem folgen wir aus Gründen der Solidarität dieser Entwicklung, die einen großen Schritt für die Wertigkeit der Nationalmannschaftswettbewerbe in Europa darstellt.“

„Ich befürchte, dass der Fußball in Gefahr gerät, sich zu inflationieren. Wenn man einen Wettbewerb hinzufügt, kann man sich kannibalisieren. Für die Clubs sind Spieler ein Investment, von dem sie aber immer weniger haben, wenn sie mehr international spielen.“

Der Beschluss fiel einstimmig. Der englische Verbandschef Greg Dyke bezeichnete die Idee als „sehr attraktiv“. Die größeren Nationen freuen sich über ertragsreiche Duelle mit anderen Top-Teams. Kleinere Verbände begrüßen die gestiegene Wertigkeit der Partien gegenüber den bisherigen Freundschaftsspielen und die erweiterte Chance zur Qualifikation für große Turniere. Zudem sollen die TV-Rechte der Nationenliga wie bislang auch in der EM-Qualifikation von der Uefa zentral vermarktet werden.

Gibt es keine Freundschaftsspiele mehr?

Doch, aber viel weniger. Bislang war im engen Fifa-Kalender vor einem Turnier im März ein Länderspiel als Generalprobe vorgesehen, dort sollen jetzt Play-off-Spiele stattfinden. Weitere Testpartien könnten wie bisher in den Wochen kurz vor dem Turnier möglich sein. Über weitere Termine wird Klarheit herrschen, wenn das detaillierte Format und die Zusammensetzung der Divisionen der Nationenliga steht.

Steigt die Belastung für Nationalspieler?

Die Uefa sagt, es werde keine zusätzlichen Spieltermine geben. Uefa-Generalsekretär Gianni Infantino erklärte, dass Nationalspieler in vielen Fällen schneller wieder bei ihren Clubs sein würden, weil es keine langen Reisen zu Freundschafts-Länderspielen in Übersee mehr geben werde. Das begrüßt auch die Vereinigung der europäischen Top-Clubs (ECA).

Ist die Liga eine Gefahr für andere Uefa-Wettbewerbe?

Das bestreiten die Ideengeber. Auch Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, der auch Vorsitzender der Club-Vereinigung ECA ist, sagte: „Ich kann den deutschen Clubs jetzt schon versprechen, dass in der Champions League und auch in der Europa League die Zahlen weiter nach oben gehen.“

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