Schulterklopfer
Chelseas Didier Drogba klopft dem niedergeschlagenen Messi nach Abpfiff auf die Schulter. Foto: Andreu Dalmau

Chelseas Didier Drogba klopft dem niedergeschlagenen Messi nach Abpfiff auf die Schulter. Foto: Andreu Dalmau

dpa

Chelseas Didier Drogba klopft dem niedergeschlagenen Messi nach Abpfiff auf die Schulter. Foto: Andreu Dalmau

Barcelona (dpa) - Lionel Messi kämpfte mit den Tränen, Didier Drogba schickte als Dank für das Fußballwunder im Nou Camp ein Stoßgebiet zum Himmel. Der Weltfußballer war der tragische Held beim Aus des FC Barcelona im Halbfinale der Champions League gegen den FC Chelsea.

Wieder einmal war der «Chelsea-Fluch» stärker gewesen als die Fußballkunst des Argentiniers. Messi schoss gegen die Engländer erneut kein Tor und vergab sogar einen Elfmeter, mit dem er Barça den Weg ins Finale von München hätte ebnen können.

Drogba und der FC Chelsea müssen einen Deal mit dem Fußball-Gott haben. Richtig erklären konnten selbst die «Blues» die Sensation nicht. Mit einem 2:2 in Barcelona zogen sie nach ihrem 1:0-Hinspielerfolg zum zweiten Mal nach 2008 überraschend ins Finale ein. Damit zerstörten sie Barças Träume von einer historischen Titelverteidigung und von einem rein spanischen Finale gegen Real Madrid. Die Katalanen verspielten den zweiten Titel in vier Tagen. Am Samstag hatte ein 1:2 gegen Real das Aus im Kampf um die spanische Meisterschaft bedeutet.

Die Ära der Hegemonie des FC Barcelona im europäischen Fußball ist zu Ende - bis auf weiteres jedenfalls. Der Sturz vom Thron hätte grausamer kaum sein können. Messi & Co kontrollierten das Spiel über 90 Minuten, sie ließen einen Angriff nach dem anderen gegen das Tor von Petr Cech rollen, hatten 84 Prozent Ballbesitz, aber prallten - wie schon im Hinspiel - immer wieder an der Abwehrmauer der Londoner ab. «Der Fußball war nicht gerecht mit uns», meinte Barça-Präsident Sandro Rosell.

Vor allem für Messi war es wie verhext. Dem Stürmer, der sonst im Alleingang ganze Abwehrreihen aushebelt und in dieser Saison auf eine Rekordzahl von 63 Treffern kommt, klebt gegen Chelsea das Pech an den Füßen. In seinen acht Spielen gegen die Engländer gelang ihm nie ein Tor. Am Dienstag scheiterte «La Pulga» (der Floh) zweimal am Aluminium: Sein Strafstoß prallte gegen die Latte, ein Fernschuss gegen den Pfosten. Messis Chancen für eine neue Wahl zum Weltfußballer des Jahres dürften gegen null tendieren.

Die alten Männer aus West-London wuchsen in dieser epischen Partie über sich hinaus. «Jeder hat 150 Prozent gegeben. Wir wollten nur überleben - und wir haben überlebt», sagte der überragende Keeper Cech nach der Abwehrschlacht in Perfektion, die britische Medien als «Die Schöne und das Biest»-Duell überschrieben hatten. Aus insgesamt vier Chancen im Hin- und Rückspiel machten Drogba & Co drei Tore. «Chelsea im Wunderland», titelte der «Guardian».

Dagegen fragten sich die Barça-Fans: «Womit haben wir das verdient?» Josep Guardiola beklagte: «In diesem Jahr sollte es einfach nicht sein.» Der Trainer, der mit Barça 13 von 16 möglichen Titeln gewonnen hatte, ließ den Club bislang im Ungewissen, ob er seinen Vertrag für die nächste Saison verlängern wird. «Ich werde in den nächsten Tagen mit dem Vereinschef sprechen und mich dann entscheiden», kündigte er an.

Dabei schienen die Katalanen gegen Chelsea das Schwerste eigentlich geschafft zu haben. Sergio Busquets (35. Minute) und Andrés Iniesta (43.) hatten Barça 2:0 in Führung geschossen, die Engländer mussten nach dem Platzverweis ihres Kapitäns John Terry in Unterzahl spielen. Ramirez (45.+1) nutzte jedoch die einzige Torchance der Londoner zum 1:2 und versetzte dem Titelverteidiger einen Schock, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Nach dem Wechsel verschoss Messi seinen Elfmeter. Fernando Torres (90.+1) erzielte unmittelbar vor dem Abpfiff das 2:2.

Chelsea nahm damit Revanche für sein Barça-Trauma von 2009, als das Andrés-Iniesta-Tor in der 93. Minute des Halbfinal-Rückspiels die Blues-Herzen gebrochen hatte (Hinspiel: 0:0, Rückspiel: 1:1). Das einzige Ärgernis der berauschten Engländer war der Aussetzer von Terry, der nach seinem Platzverweis im Finale zuschauen muss - ebenso wie die gelbgesperrten Ramires, Branislav Ivanovic und Raul Meireles. Im Endspiel ist Chelsea auf jeden Fall wieder Außenseiter. Aber das waren die Blues ja schon gegen Barça.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer