Der Polizeiwissenschaftler Thomas Feltes kritisiert die Reaktion von Innenminister Jäger.

Prof. Thomas Feltes,  Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Uni Bochum
Prof. Thomas Feltes, Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Uni Bochum

Prof. Thomas Feltes, Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Uni Bochum

dpa

Prof. Thomas Feltes, Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Uni Bochum

Düsseldorf. Thomas Feltes ist Inhaber des Lehrstuhls für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Er hat sich ausgiebig mit den Zusammenhängen von Polizeiarbeit und Fußball beschäftigt.

Herr Feltes, wie beurteilen Sie die Ankündigung von NRW-Innenminister Ralf Jäger, sämtliche Polizeikräfte aus der Arena Auf Schalke abzuziehen?

Thomas Feltes: Diese Entscheidung ist in meinen Augen rechtswidrig. Dadurch wird im Stadion der rechtsfreie Raum geschaffen, der von der Politik sonst so oft als Schreckensszenario beim Fußball beklagt wurde. Die Reaktion von Herrn Jäger ist unverantwortlich und zeugt von einem gewissen Beleidigt-Sein.

Das Innenministerium beruft sich auf das Hausrecht, laut dem der Verein für Sicherheit zu sorgen habe.

Feltes: Fußballspiele sind öffentliche Veranstaltungen im privaten Raum. Natürlich hat der Verein das Hausrecht. Es gibt aber in allen Stadien eine gut funktionierende Kooperation mit der Polizei, die dort präsent ist und das Geschehen beobachtet, um Straftaten oder Störungen der öffentlichen Ordnung zu verhindern oder aufzuklären.

Dafür soll nun der Ordnungsdienst die außerhalb bereitstehenden Kräfte hinzurufen. Kann das funktionieren?

Feltes: Wer soll denn dann entscheiden, wann die Polizei gebraucht wird, wenn sie nicht im und am Stadion ist? Das alles an einen privaten Ordnungsdienst zu delegieren, tut der Polizei insgesamt und besonders der Polizei vor Ort nicht gut.

Bringt Jäger sich mit der Entscheidung, die Polizei außen vor zu lassen, selbst in die Schusslinie?

Feltes: Wie will Jäger sich rechtfertigen, wenn bei einer gefahrenträchtigen Großveranstaltung – und das sind nun einmal viele Fußballspiele – etwas passiert, und die Polizei ist nicht da? Der zuständige Polizeipräsident oder der Einsatzleiter müssten als Beamte gegen diese Entscheidung des Ministeriums protestieren.

Ist die Kritik an dem Polizeieinsatz beim Spiel Schalke gegen Saloniki denn berechtigt?

Feltes: Der Einsatz war rechtswidrig und überzogen. Die Gefahr ging von den Griechen und nicht von den Schalke-Fans aus. Eine Sperre des Gästeblocks wäre die richtige Maßnahme gewesen. Stattdessen ging die Polizei gegen die Nichtstörer, so heißt es im Polizei-Deutsch, vor.

In den Block zu gehen, war also falsch von der Polizei?

Feltes: Nach dem Polizeirecht war dies ebenso rechtswidrig, wie der Einsatz von Pfefferspray als taktisches Mittel. Das passiert leider immer wieder beim Fußball, ohne Rücksicht auf Unbeteiligte. Eigentlich darf Pfefferspray nur zur Selbstverteidigung eingesetzt werden, wenn Polizeibeamte oder Unbeteiligte angegriffen werden.

Das heißt, die Polizei hat eine Gefahrensituation geschaffen, statt sie zu verhindern?

Feltes: Meine Angst ist, dass durch solche übertriebenen Einsätze eine Panik im Block ausgelöst werden könnte. . . und dann könnten wir ein Szenario wie bei der Loveparade haben.

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