Chip-Ball
Sieht so die Zukunft aus? Ein Chip im Ball übermittelt dem Schiedsrichter per Akustiksignal, wenn er die die Torlinie überschritten hat.

Sieht so die Zukunft aus? Ein Chip im Ball übermittelt dem Schiedsrichter per Akustiksignal, wenn er die die Torlinie überschritten hat.

dpa

Sieht so die Zukunft aus? Ein Chip im Ball übermittelt dem Schiedsrichter per Akustiksignal, wenn er die die Torlinie überschritten hat.

Newport (dpa) - Hightech ja oder nein? Chip im Ball oder Torkamera? Der Fußball als eine der letzten technikfreien Sport-Bastionen droht zu fallen. Die FIFA spricht von einer «historischen Sitzung» und meint damit wohl nicht nur den runden Geburtstag ihrer obersten Regelhüter.

Am Wochenende könnten endgültig die Weichen gestellt werden für den Einzug von technischen Hilfsmitteln in den Fußball. Das für Regelfragen zuständige International Football Association Board (IFAB) will auf seiner 125. Jahrestagung über die seit langem geforderten Hilfsmittel für Schiedsrichter entscheiden.

Vor allem die dramatischen Schiedsrichter-Fehlentscheidungen bei der WM in Südafrika, als unter anderem dem Engländer Frank Lampard im Achtelfinale gegen Deutschland der reguläre 2:2-Ausgleichstreffer aberkannt worden war, ließen den Weltverband FIFA umdenken. Präsident Joseph Blatter - lange ein Technik-Gegner - wies den IFAB an, das eigentlich abgehakte Thema wieder auf die Tagesordnung zu setzen.

Viele Schiedsrichter begrüßen den Schritt. «Ich finde es gut, dass technische Hilfsmittel weiter diskutiert werden», sagte Herbert Fandel der Nachrichtenagentur dpa. Der frühere FIFA-Referee und derzeitige Leiter der Schiedsrichterkommission im Deutschen Fußball-Bund (DFB) bevorzugt als Lösung den Chip im Ball.

Fandel setzt sich für eine Unterstützung seiner Kollegen ein. «Es wäre schön, wenn Schiedsrichter zu 100 Prozent Sicherheit hätten.» Fandels Hoffnung ist zugleich die Voraussetzung der FIFA an die Tüftler: Technische Hilfen müssen absolut sicher und blitzschnell sein. Innerhalb einer Sekunde muss der Schiedsrichter auf dem Platz informiert werden, ob der Ball im Tor war oder nicht.

Unter diesen Voraussetzungen hat der Verband im Februar mehrere Technologien getestet. Über die Ergebnisse gibt man in Zürich keine Auskunft, selbst die beteiligten Unternehmen sind zum Stillschweigen verdonnert. Einen Bericht des englischen «Guardian», wonach alle Torlinien-Systeme durchgefallen seien, kommentiert die FIFA nicht.

Auch eine deutsche Firma hat sich in der Schweiz präsentiert. «Das System funktioniert», betont Christian Holzer, Geschäftsführer des bayrischen Unternehmens Cairos. Der IFAB-Sitzung sieht er «neutral» entgegen. Seit Jahren macht er sich Hoffnungen auf die Einführung seiner Technik in den Spielbetrieb und wurde oft enttäuscht. Gibt es Grünes Licht aus Wales, könne der von Cairos entwickelte Chip im Ball schon in der kommenden Saison eingesetzt werden, so Holzer.

Erst nach der Sitzung des IFAB, zu dem vier Vertreter der FIFA und je ein Mitglied der Verbände aus England, Schottland, Nordirland und Wales gehören, soll Klarheit herrschen. Alles läuft auf den Chip im Ball hinaus, auch wenn FIFA-Boss Blatter betont, auch den Einsatz von zusätzlichen Referees zu besprechen. Das von der Europäischen Fußball-Union (UEFA) präferierte Modell mit zwei Torrichtern wird unter anderem in der Champions League getestet.

Neben dem Einsatz von Technik-Hilfen werden in der südwalisischen Hafenstadt Newport von Freitag bis Sonntag weitere Themen diskutiert. Der DFB hat etwa die Änderung der Regel 12 beantragt: Diese sieht bei einer Notbremse im Strafraum Platzverweis und Strafstoß vor. Für den DFB sind die Sanktionen unverhältnismäßig. Generaldirektor Wolfgang Niersbach meint: «Eine Mannschaft ist doch durch den Elfmeter schon genug gestraft, eine doppelte Bestrafung durch eine zusätzliche Rote Karte muss aus unserer Sicht nicht zwangsläufig die Regel sein.»

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