Führungswechsel im Ostfußball
Hans-Georg Moldenhauer (r) gratuliert seinem Nachfolger Rainer Milkoreit.

Hans-Georg Moldenhauer (r) gratuliert seinem Nachfolger Rainer Milkoreit.

dpa

Hans-Georg Moldenhauer (r) gratuliert seinem Nachfolger Rainer Milkoreit.

Potsdam (dpa) - Der Ost-Fußball geht am Stock, die Ära Moldenhauer ist vorbei - und jetzt geht dem Verband auch noch das Geld aus.

Der neue Chef der sportlichen Krisenregion zwischen Rostock und Erfurt wählte unmittelbar nach seiner Wahl auf dem Verbandstag drastische Worte und verglich seinen Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV), der die sechs Landesverbände des Ostens vereinigt, mit einem «Patienten auf der Intensivstation». Der DFB hat für die kommenden vier Jahre nochmals Hilfe versprochen, «allerdings «mit bescheideneren Mitteln», sagte DFB-Schatzmeister Horst R. Schmidt.

160 000 Euro soll der DFB, der nach der Wende rund 35 Millionen Ost-Hilfe ausgab, nochmals als Zuschuss überweisen. Eine Garantie auf kurzfristige Besserung gebe es nicht, schloss Rainer Milkoreit aus Apolda an, der den Wende-Präsidenten Hans-Georg Moldenhauer beerbte und in Potsdam zum neuen starken Mann des NOFV gewählt wurde. Es werde in den nächsten Jahren ein schwieriger Spagat zwischen Einnahmen und Ausgaben: «Nur wenn uns der gelingt, können wir den Patienten in den Reha-Bereich führen», betonte Milkoreit.

Wurde kürzlich in Leipzig vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) noch mit einer zweitägigen Gala 20 Jahre Einheit gefeiert, so kamen nun in Potsdam die noch immer bestehenden Unterschiede ungeschönt auf den Tisch. «Wenn wenigstens ein Verein aufsteigt, wäre das wichtig. Auch im Interesse unseres Nachwuchses brauchen wir sowohl die Bundesliga als auch die 2. Bundesliga», erklärte Milkoreit, der schon lange vor seiner Wahl zum Ost-Chef einen Platz im DFB-Präsidium bekommen hatte. Was bei manchem Delegierten des NOFV-Verbandstages zumindest mit Verwunderung registriert wurde.

Allerdings war der 66-jährige Milkoreit der einzige Kandidat für die Nachfolge des 69 Jahre alten Moldenhauer, der nach 20 Jahren aus familiären Gründen die Kommandobrücke räumte. Zudem lähmte der Finanzbericht die Diskussionsfreudigkeit der 127 Delegierten spürbar.

Die Verbands-Einnahmen sind von 890 000 Euro 2007 auf 722 000 Euro im Jahr 2010 gesunken. Der Plan für 2011 sieht nur noch 587 000 Euro vor. Dies wurde vor allem mit einem «dramatischen Rückgang» der sogenannten Spielabgaben begründet, die der Verband aus den Heimspieleinnahmen der Proficlubs erhält. Da dem Osten ein Erstligist fehlt und der Grundlagenvertrag zwischen DFB und Deutscher Fußball- Liga (DFL) den Prozentsatz zudem verringert, fehlt nun Geld.

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